isw-report 118 "Zur Politischen Ökonomie der Medien in Deutschland"


26.08.19
WirtschaftWirtschaft, Kultur, TopNews 

 

Von isw

isw-report 118 erschienen:

Zur Politischen Ökonomie der Medien in Deutschland – Eine Analyse der Konzentrationstendenzen und Besitzverhältnisse

Weil wissenschaftlich fundiertes Wissen über die Konzentration der Medien in Deutschland rar ist, hatte das isw im Jahr 2018 ein Projekt ausgeschrieben. Die Entscheidung fiel auf ein Forschungsteam mit Benjamin Ferschli, Daniel Grabner und Hendrik Theine von der Wirtschaftsuniversität Wien und der Universität Linz.

Das Erkenntnisinteresse des Teams richtete sich auf die gegebenen Eigentumsstrukturen und die daraus ableitbare Verfügungsgewalt der Medien in Deutschland. Diese zeigt sich im Wirken der Medien, politischen Einfluss auszuüben und das in der Öffentlichkeit vorherrschende Meinungsspektrum zu bestimmen. Die Konzentration der Medien (Tageszeitung, Fernsehen, Online) hat in den letzten dreißig Jahren kontinuierlich zugenommen, es sind gerade mal eine Handvoll Verleger, die den Medienmarkt in Deutschland kontrollieren.

Für Ferschli, Grabner und Theine bildet der gewählte Forschungsansatz der Politischen Ökonomie der Medien die Grundlage, um die Beziehungen der Medien zum vorherrschenden System zu erläutern, und die damit verbundenen gesellschaftlichen "Wahrheiten", Ideologien und Machtverhältnisse zu verdeutlichen. Die Autoren belegen mit Beispielen, wie Medienunternehmen mit ihrer Einflussnahme den ideologischen Unterbau für eine liberale Wirtschaftsordnung liefern. Die ökonomische Fundierung deutscher Medienunternehmen auf Privateigentum (Familien-Unternehmen) hat sich in Form der Eigentumskonzentration und der sich ergebenden Machtverhältnisse im Medienbereich über Jahrzehnte etabliert und kontinuierlich fortgesetzt. Die Autoren verweisen auf die idealisierte, widersprüchliche Rolle der Medienindustrie als demokratische Institution und auf ihre Doppelrolle: Einerseits ist sie Bestandteil des wirtschaftlichen Gesamtprozesses und formt diesen mit ihrem enormen Machteinfluss mit, andererseits hat sie die in vielen Ländern in der Verfassung festgeschriebene, demokratische Rolle in der Bereitstellung von Information für BürgerInnen und der öffentlichen Kontrolle von Staatsorganen.

In ihren Recherchen stellen die Autoren einen radikalen Umbruch des deutschen Mediensystems fest, der sich am massiven Aufkommen von Digitalisierung und Internet, neuer Akteure und Großunternehmen erkennen lässt. Neue Geschäftspraktiken, die gesellschaftlichen Veränderungen und die Dauerkrise im Finanz- und Wirtschaftssektor bestimmen die ambivalente Entwicklung im Mediensystem. Die Autoren verweisen auf die Kosteneinsparungen in den Medienhäusern, die neben den Kürzungen redaktioneller Ressourcen und dem Abbau von Stellen auch Einfluss auf die Arbeit der JournalistInnen hat: sie sind mehr und mehr dazu angehalten, ständig und möglichst schnell Inhalte zu verfassen und zu publizieren, eigenständige Recherchen werden schwieriger, die Arbeitsbelastung steigt.

Aus gewerkschaftlicher Sicht ergänzt der Gastautor Holger Artus in seinem Beitrag die Veränderungen in der Druckindustrie, die sich in einem Rückgang von Produktionsmenge und -wert bei Zeitungen, Zeitschriften und Anzeigenblättern zeigen und geht auf die sich verändernden Arbeitsbedingungen in der Druckindustrie ein.

Die Analyseergebnisse entsprechen der grundlegenden Intuition der Kritischen Politischen Ökonomie der Medien, dass kommerzielle Medienunternehmen weit mehr geneigt sind, ihre Rolle als profitgetriebene Unternehmen im Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise nachzugehen, als ihrer Rolle als demokratische Grundinstitution nachzukommen.


isw-report 118
23. August 2019
40 Seiten
4,00 Euro zzgl. Versand
Autoren:
Benjamin Ferschli, Daniel Grabner, Hendrik Theine & Holger Artus (Gastautor)

 

Bestellung und Fragen unter: isw_muenchen@t-online.de







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