Verrat der IG Metall an der arbeitenden Klasse

20.05.12
WirtschaftWirtschaft, Arbeiterbewegung, Debatte, Soziales, TopNews 

 

von Holger Müller

Der Abschluss der IG Metall in BW hat mich dermaßen auf die Palme gebracht, dass ich mir mal was von der Seele schreiben musste.
Hier meine Gedanken:

Arbeitgeber und die Gewerkschaft IG Metall haben sich im Pilotbezirk Baden-Württemberg am Samstagmorgen in Sindelfingen auf eine Lohnanhebung von 4,3 Prozent geeinigt.

Von der neoliberalen Presse wie auch von den Gewerkschaftlern selbst wird dies nun als großer Erfolg verkauft, immerhin handelt es sich ja um den kräftigsten Lohnzuwachs seit 20 Jahren. Abgesehen davon, dass hier anscheinend der Schwund der realen Kaufkraft nicht in der Rechnung auftaucht, was steckt im Detail dahinter?

Die Arbeitgeber wissen genau, dass in unserer heutigen hochtechnisierten Metallindustrie der Lohnkostenanteil, als Punkt der Fertigungseinzelkosten, in dem Gesamtbild der Herstellungskosten keinen relevanten Stellenwert einnimmt. Also ist man hier, aus betriebswirtschaftlich logischen Gründen, schnell und eher bereit, den Großzügigen zu mimen. Das Risiko, aktuelle Aufträge durch den Stillstand teurer Maschinen wegen eines flächendeckenden Streiks zu verlieren, wurde so von Arbeitgeberseite umgangen. Wieder einmal hat sich hier eine deutsche Gewerkschaft ihr wichtigstes Kampfmittel gegen den Klassenfeind aus den Händen nehmen lassen und damit die Machtposition der lohnabhängig Beschäftigten verraten!

Das Erschütterndste an diesem Abschluss ist jedoch zweifelsohne das wiederholte 'Im Stich lassen' der Leiharbeiter. Die Arbeitgeber haben hier klar ihre Verhandlungsmacht auf die Stellung der Leiharbeiter projiziert. Ging man von Seiten der Gewerkschaft noch mit einer vollkommen realitätsfremden und den Unterschied zwischen Festangestellten/Leiharbeitern zementierenden Forderung von Übernahme in den Betrieb nach 1,5 Jahren in die Verhandlungen, so feiert sich IG Metall Chef Huber mit der Aussage, der gefundene Kompromiss sei „fair und tragfähig“.

Damit muss er selbstverständlich auch die Tatsache meinen, dass Leiharbeiter nun erst zwei Jahre finanzielle und soziale Einbußen hinnehmen müssen, bevor sie sich Hoffnung auf eine Festanstellung und ein menschenwürdiges Leben machen dürfen. Wir alle wissen aber, dass eine solch lange Einsatzdauer im gleichen Betrieb für die überwiegende Mehrheit der Leiharbeiter vollkommen unrealistisch ist! Nach all den bescheidenen Schritten der IG Metall, wahlkampfunterstützend für die SPD, eine Verbesserung für Leiharbeiter zu fordern, wurde hier ein Rückschritt in alte IG Metall Ansichten vollzogen.

Nämlich dahingehend, dass man sich in erster Linie um die Festangestellten in den Betrieben zu kümmern hat, ähnlich alteingesessenen Forderungen der SPD von 1910, sich durch die Arbeit von Gewerkschaften und Betriebsräten für die Arbeiter einzusetzen und politisch neutral zu bleiben. Erinnerungen an das Versagen von SPD gelenkten Betriebsräten bei der Zulassung einer eigenen Leiharbeitsfima bei Volkswagen kommen hier unweigerlich wieder hoch. Vielen Betriebsräten ist anscheinend im Laufe der Zeit das Wissen abhanden gekommen, dass bei jeder Einstellung im Betrieb, also auch dem Einsatz von den Tarifvertrag unterlaufenden Leiharbeitsverhältnissen, der Betriebsrat ein Mitspracherecht hat!

Nochmal an alle Gewerkschafter und ihre willfährigen Unterstützer der SPD:
Man muss die Bedingungen für Leiharbeiter nicht verbessern, man muss an diesem Krebsgeschwür unserer Gesellschaft nicht herumoperieren. Leiharbeit verstößt gegen die Menschenwürde und gehört abgeschafft und ein für allemal verboten!

Eines hat dieser, nun wahrscheinlich auf das ganze Bundesgebiet anzuwendende Abschluss, ganz deutlich gezeigt:
Leiharbeiter haben weiterhin keine Lobby in unserem Land, die Verantwortlichen der deutschen Gewerkschaften, federführend durch die IG Metall, haben diese Menschen zum wiederholten Male enttäuscht und im Stich gelassen, die Arbeitnehmer zweiter Klasse bleiben mit ihren Ängsten, Leiden und Sorgen alleine!

Holger Müller
Herzogenrath


 








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