FIAT kündigt Tarifvertrag - Aufruf der italienischen Metallgewerkschaft FIOM

04.01.12
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von FIOM  - italienischen Metallgewerkschaft

Die FIOM hat zur Unterstützung ihres Kampfes gegen die Kündigung des Tarifvertrags (contratto nazionale) beim italienischen größten Konzern FIAT eine internationale Kampagne initiiert.

Die Maßnahme betrifft ca. 80.000 ArbeitnehmerInnen, gilt ab dem 1. Januar und verletzt massiv Arbeitsnehmerrechte wie Streikrecht, Arbeitspausen, Krankheitslohnfortzahlung und gewerkschaftliche Vertretung im Betrieb, usw.

Die neue Regelung soll "vorbildlich" werden für die zukünftigen Arbeitsverhältnisse in Italien. Es ist kein Zufall, dass der neue Ministerpräsident Monti die so genannten "Reformen" von FIAT-Chef Marchionne gelobt hat.

Anders als die moderaten Gewerkschaften hat die FIOM die Vereinbarung nicht unterschrieben und wird laut der neuen Regelung im Betrieb nicht präsent sein dürfen. Die FIOM wünscht sich internationale Solidarität und ruft zu einer Online-Unterschriftsammlung auf. Dazu ein Link und ein PDF-Text am Ende - beide auch in deutscher Sprache.

Die FIOM gilt als die aktivste und kämpferischste Gewerkschaft in Italien und als soziale Opposition. An deren Protesten und Demonstrationen der letzten Monate und Jahre haben sich nicht nur ArbeitnehmerInnen, sondern Schüler, Studenten, große Teile der Bevölkerung beteiligt. Die FIOM ist in den sozialen Bewegungen aktiv und bei Kämpfen für Allgemeingüter (gegen Wasserprivatisierung), gegen Atomkraft (wie bei der Referendum-Kampagne im Frühjahr 2011) und für Bürgerrechte.

Bitte diesen Aufruf möglichst weit verbreiten!

Dear friends, I send you the leaflet for FIAT workers, about the FIAT agreement. Here below you can find the english, german and french version. Furthermore, we organised an international campaign through labourstart for freedon association in FIAT. We kindly ask you to sign and let sign the campaign going direcltly through the FIOM website or through labourstart

Hier unterschreiben:
http://www.labourstart.org/cgi-bin/solidarityforever/show_campaign.cgi?c=1208

Der Text auf deutsch:
http://www.fiom.cgil.it/sottoscrizione/MATERIALI/volantino_fiat_de.pdf

DER NATIONALE ARBEITSVERTRAG UND 40 JAHRE BETRIEBLICHE
TARIFVERTRÄGE UND VEREINBARUNGEN WERDEN GELÖSCHT


Gestern wurde in Abwesenheit der Fiom-Cgil am Verhandlungstisch eine Vereinbarung unterschrieben die die ArberiterInnen aus dem nationalen Arbeitsvertrag ausschliesst und so die Fiat ArbeiterInnen von allen anderen MetallarberiterInnen absondert.

Diese Vereinbarung erweitert die Wirkung des Pomigliano-Vertrags auf alle AbeiterInnen der Fiat Gruppe, nachdem über ein Jahr lang in allen Standorten erklärt wurde, dass so etwas nie geschehen würde.

Ab dem 1. Januar kann Fiat automatisch, ohne weitere Verhandlungen, folgendes verlangen: 18 Schichten, 120 Stunden pflichtweise zu leistende Überstunden und damit werden die jährlichen Überstunden 200, 10 Minuten Pausenkürzung, die Mittagspause wird auf Schichtende verlegt, mindestens zwei Tage Krankschreibung werden nicht bezahlt falls im Standort mehr als 3,5% der ArbeiterInnen fehlen. Sanktionen gegen ArbeiterInnen und Gewerkschaftsvertreter.

Die vielgepriesenen Lohnerhöhungen betreffen den Stundenlohn und beruhen auf der Reorganisierung von bereits bestehenden Lohnbestandteilen. Daraus folgt also keine nennenswerte Änderung des Bruttolohns. Eine Wirkung entsteht nur im Fall von Überstunden und Erhöhung der Schichtenanzahl. Nichts Neues also. Wer mehr arbeitet, verdient mehr: „wäre ja sonst auch noch schöner!“. Die Anpassung der Überstunden am Samstag folgt der gleichen Logik.

Das Pauschalaufgeld von 600 Euro für 2012 ist ein „Schwindel“: es ist vollkommen von einer Anwesenheit am Arbeitsplatz von mindestens 870 Stunden in sechs Monaten abhängig. Also werden Urlaub, Krankheit, Unfälle, Mutterschutz, Blutspende, Gesetz 104, Streik und alle unbezahlten Beurlaubungen als Abwesenheit berechnet.

Das alles passiert ohne dass die AbeiterInnen über die Verhandlungen informiert wurden. Die Vollversammlungen der ArbeiterInnen werden „irgendwann“ und erst nach der Unterschrift stattfinden. Die ArbeiterInnen wurden nicht gefragt ob sie damit einverstanden sind, außerhalb des Schutzes des Nationalvertrages und der Betriebsvereinbarungen zu stehen.
Diese Vereinbarung löscht alle betrieblichen Vereinbarungen in allen Standorten.

Sie begrenzt das Streikrecht und das Recht sich krankschreiben zu lassen, die Möglichkeit über die Organisation der Arbeit und Überstunden zu verhandeln wird eingeschränkt, die Gewerkschaftsvertreter und Vertrauensleute im Betrieb werden zu „Kontrolleuren“ der Regeln für die Firmenleitung und damit sollen sie von den ArbeiterInnen fern gehalten werden.

Die Fiom-Cgil verzichtet nicht auf den Nationalvertrag, sie lässt die ArberiterInnen nicht alleine und abgesondert. Wir werden alle Initiativen der Fiat-ArbeiterInnen unterstützen und bekannt machen. Wir werden die ArbeiterInnen dazu auffordern allem zu Trotz in Wahlen für unsere Vertreter zu stimmen und werden das Recht auf eine freie Auswahl der Gewerkschaft auf jeder Ebene, auch vor Gericht, verteidigen. In den nächsten Tagen werden wir über weitere Initiativen entscheiden, um die Verhandlung offen zu halten. Wir machen weiter.
Fiom-Cgil
ICH WILL FIOM BEI FIAT UND UNSTERSTÜTZE DEN KAMPF MIT EINER SONDERSPENDE
www.fiom.cgil.it

 


VON: FIOM






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