Deutschland - Land der Niedriglöhne und Milliardäre 2011

26.04.11
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von Reinhold Schramm

Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten für Niedriglöhne. Ende September 2010 gab es bereits mehr als 7,3 Millionen geringfügig entlohnte Beschäftigte. Das waren rund 1,6 Millionen mehr als im Jahr 2003.

Nach Angaben der „Bundesagentur für Arbeit“ (BA) ist inzwischen jedes vierte Beschäftigungsverhältnis ein geringfügiges. Rund fünf Millionen Menschen arbeiten demnach ausschließlich als „Minijobber“.

Zwei Millionen Menschen haben bereits schon eine Stelle - und verdienen zusätzlich bis zu 400 Euro im Monat dazu. Bei der zusätzlichen Nebentätigkeit ist der Anstieg laut BA-Statistik besonders stark:
Ihre Zahl hat seit 2003 um mehr als eine Million zugenommen. Laut BA-Statistik sind die „400-Euro-Jobs“ vor allem im Groß- und Einzelhandel, in Restaurants und Hotels sowie im Gesundheits- und Sozialwesen weit verbreitet.

„Die Minijobs haben sich als Irrweg erwiesen“, sagt Annelie Buntenbach vom DGB-Vorstand, der Süddeutschen Zeitung. Für  viele Arbeitssuchende seien sie „eher eine Falle im Niedriglohnsektor als eine Hilfe“.
Vor allem für Frauen hätten sich durch die Aufteilung von Arbeitsplätzen in „Minijobs“ die (bezahlten) Arbeitschancen verschlechtert. [1]

Die Arbeitsagenturen haben 2010 so viele Sanktionen gegen arbeitslose Hartz-IV-Bezieher ausgesprochen wie noch nie zuvor. Die Christen-Union befürwortet das härtere Vorgehen der Arbeitsagenturen gegen Arbeitslose und Hartz-IV-Bezieher. Der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs (CDU), sagte: „Wenn die Wirtschaft brummt, muss man von den Arbeitslosen verlangen können, dass sie angebotene Stellen auch annehmen“.

So wurden 142.000 Strafen wegen ‘Verletzung der Pflichten’ aus der „Eingliederungsvereinbarung“ verhängt. In 102.631 Fällen wurden Sanktionen ausgesprochen, weil sich die Betroffenen weigerten, eine als ‘zumutbar’ eingestufte Arbeit, Ausbildung oder einen „Ein-Euro-Job“ anzunehmen.

Gestiegen ist die Höhe der Sanktionen. Im Durchschnitt habe jeder Betroffene 123,72 Euro im Monat weniger Hartz-IV-Unterstützung bekommen. Im Jahr 2009 lag die durchschnittliche Hartz-IV-Kürzung noch bei 114,31 Euro. [2]

Angesichts der gestiegenen Sanktionen gegen ‘arbeitsunwillige’ Hartz-IV-Empfänger hatte der DGB vor einer Skandalisierung des Themas gewarnt.

„Häufig werden nur Ein-Euro-Jobs oder zum Teil auch Minijobs angeboten“,
sagte Annelie Buntenbach. „Zum Teil sind die Löhne so niedrig, dass gleichzeitig Unterstützungsleistungen bezogen werden müssen.
„Anstatt über die Verschärfung von Sanktionen sollte besser über Mindestlöhne und die Einschränkung von Leiharbeit nachgedacht werden.“
[3]

Die  reichsten  Deutschen - auch  ohne  eigene  Leistung  und Arbeit:


Johannes Peter Riegel und sein verstorbener Bruder Paul Riegel erbten 1946 den Süßwaren-Konzern Haribo. Das US-Magazin Forbes schätzt ihr Vermögen im Jahr 2010 auf je 1,6 Milliarden Dollar.

Der Versicherungsunternehmer Rolf Gerling, bis 2005 Mehrheitseigner und Aufsichtsratsvorsitzender des Gerling-Konzerns besitzt rund 1,6 Milliarden Dollar.

Axel Oberwelland ist seit 2003 Vorsitzender der Geschäftsführung im Süßwaren-Konzern Storck. Sein geschätztes Vermögen: 1,7 Milliarden Dollar.

Monika Schoeller von Holtzbrinck, Tochter des Verlegers Georg von Holtzbrinck, Teilhaberin der Holtzbrinck-Verlagsgruppe und Mitglied des Aufsichtsrats. Forbes schätzt ihr Vermögen auf 1,8 Milliarden Dollar. Die Verlegerin bekam im Frankfurter Römer von der Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) die Goethe-Plakette verliehen. Mit der Auszeichnung ehrt die Stadt Frankfurt am Main die Verlegerin, die als Leiterin des S. Fischer Verlages "große Verdienste erworben und maßgeblich zu Frankfurts Ansehen als Literatur- und Verlagsstadt beigetragen hat".

Die Geschwister Stefan von Holtzbrinck und Dieter von Holtzbrinck liegen gleich auf mit Sylvia Ströher, deren Vermögen auch auf 1,8 Milliarden Dollar taxiert wird. Sylvia Ströher stammt aus der Gründerfamilie des Haarpflege-Unternehmens "Wella", das 2003 vom US-Konzern "Procter & Gamble" übernommen wurde.  Albert Prinz von Thurn und Taxis wird als jüngster Milliardär der Welt geführt und ist schon von Geburt an reich. Er verwaltet das Vermögen der Familie, die zu den größten privaten Großgrundbesitzern Deutschlands zählt sowie der größte Waldbesitzer Europas ist. Der Rennfahrer und Unternehmer besitzt geschätzte 2,2 Milliarden Dollar. Sein Urgroßvater gehörte im Jahr 1910 mit 20 Millionen Mark bereits zu den reichsten Deutschen.

2,4 Milliarden werden Dieter Schnabel zugeschrieben, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Helm AG. Das Unternehmen handelt mit Chemie, Pharmazie, Kunststoffprodukten, Pflanzenschutz- und Düngemitteln. Im Jahr 2009 waren es noch 1,8 Milliarden Dollar. - Hermann Schnabel hat sein Vermögen gar auf 3,7 Milliarden Dollar gesteigert.

Eine der reichsten Frauen Deutschlands ist die Verlegerin Friede Springer. Das Vermögen der Axel Springer-Witwe hat sich im vergangenen Jahr auf 2,5 Milliarden Dollar vermehrt. Im Jahr 2009 beziffert es noch 1,6 Milliarden Dollar. 

Verleger Hubert Burda und seine Ehefrau und "Tatort"-Kommissarin Maria Furtwängler laufen über viele Teppiche. Geschätztes Privatvermögen: 2,5 Milliarden Dollar. Das sind 800 Millionen Dollar mehr als im Jahr 2009.

Der Aufsichtsratsvorsitzende des weltweit führenden Bremssystem-Herstellers Knorr-Bremse, Heinz Hermann Thiele, hält das Gesellschafts-Kapital im Familienbesitz. Insgesamt besitzt H. H. Thiele etwa 2,7 Milliarden US-Dollar. - Hermann Schnabel von der Helm AG hat ihn mit 3,7 Milliarden Dollar und die Tchibo-Brüder Wolfgang Herz und Michael Herz mit jeweils 3,8 Milliarden Dollar deutlich überholt. - Im Jahr 2009 war Heinz Hermann Thiele noch reicher als die drei.

Otto Happel, ehemaliger Großaktionär der Metallgesellschaft, später MG Technologies und heutigen GEA Group, besitzt geschätzte 2,8 Milliarden Dollar - und die Seychellen-Insel Frégate.

Der Umgang mit „Schlecker“-Beschäftigten ist umstritten, aber Anton Schlecker wurde mit der europaweit marktführenden Drogeriekette ordentlich reich. Forbes schätzt Anton Schleckers Privatvermögen auf rund 3,2 Milliarden Dollar.

Der Gründer des Asklepios-Kliniken, Bernard Broermann, nennt rund 3,4 Milliarden Dollar sein Eigentum.

Gut vertreten in der Rangliste der deutschen Milliardäre ist auch der Metro-Konzern. Unternehmensgründer Otto Beisheim und den Anteilseignern Michael und Rainer Schmidt-Ruthenbeck werden je 3,6 Milliarden Dollar zugeschrieben.

Andreas und Thomas Strüngmann gründeten den Pharma-Konzern Hexal und besitzen je rund 3,8 Milliarden Dollar.

Auf 2,3 Milliarden Dollar wird das Vermögen von Günter Herz geschätzt, seine Frau Daniela verfügt über 2,2 Milliarden Dollar, ehemalige Besitzer von Tchibo. - Die Brüder Wolfgang und Michael Herz überrundeten ihren Bruder Günter und besitzen je rund 3,8 Milliarden Dollar. Die Brüder Wolfgang und Michael Herz machten im vergangenen Jahr eine Milliarde Gewinn.

Sein Portemonnaie ist prall gefüllt: Heinz-Horst Deichmann übergab 1999 die Geschäftsführung von Europas größter Schuh-Einzelhandelskette deichmann an seinen Sohn Heinrich. Heinz-Horst Deichmann besitzt rund 4,3 Milliarden Dollar. Im Jahr 2009 waren es noch 3,4 Milliarden.

Der Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn starb im Herbst 2009. Sein Familienvermögen wurde auf 4,4 Milliarden geschätzt. Im Jahr 2009 waren es noch 2,5 Milliarden Dollar.

Mit Supermärkten lässt sich Geld scheffeln. Erivan Haub, Eigentümer der Tengelmann-Gruppe, besitzt mit seiner Familie geschätzte 4,5 Milliarden Dollar.

Der Reichtum der Familie Quandt beruht unter anderem auf der Ausbeutung von Zwangsarbeitern und der Enteignung von Konkurrenten. Johanna Quandt, Witwe des Industriellen Herbert Quandt, besitzt große Anteile am Autobauer BMW (- der unter anderem  auch die harmonischen Bourgeoissozialisten in China beliefert). Insgesamt wird ihr Vermögen auf 4,1 Milliarden US-Dollar geschätzt. Das Vermögen ihres Sohnes Stefan Quandt wird auf 4,6 Milliarden und von Tochter Susanne Klatten auf stolze 11,1 Milliarden geschätzt. Damit ist sie die reichste Frau in Deutschland.

Als Mitbegründer und Aufsichtsrat des Softwareunternehmens SAP besitzt Hasso Plattner geschätzte 5 Milliarden Dollar.

Karl-Hein Kipp veräußerte seine letzten Anteile an den Massa-Märkten, die später im Metro-Konzern aufgingen, bereits 1987. Seither macht Karl-Hein Kipp sich als Hotelbesitzer ein schönes Leben in der Schweiz - mit geschätzten 5 Milliarden auf der hohen Kante.

Auf 5,7 Milliarden Dollar wird das Vermögen von Reinhold Würth beziffert. Würth baute das  gleichnamige Schrauben-Handelsunternehmen mit seinen lohnabhängigen Beschäftigten zum internationalen Marktführer auf.

Curt Engelhorn war Mitgesellschafter des Pharma-Unternehmens Boehringer Mannheim. Engelhorn verkaufte 1997 seine Anteile an der Holdinggesellschaft Corange Ltd. und besitzt heute rund 6,3 Milliarden US-Dollar.

Klaus-Michael Kühne ist Verwaltungsratspräsident des Logistik- und Gütertransportunternehmens „Kühne + Nagel“ mit Sitz in der Schweiz. Geschätztes Vermögen: 6,6 Milliarden Dollar. Im Jahr 2009 waren es noch 4,7 Milliarden Dollar.

Mit rund 7,3 Milliarden Dollar Privatvermögen liegt der Investor und ehemalige Bankier August Baron von Finck auf Platz fünf der deutschen Milliardärs-Liste  - deutlich hinter der Quandt-Erbin Susanne Klatten mit 11,1 Milliarden.

Die deutschen Discounter-Könige Theo und Karl Hans Albrecht wurden mit „Aldi“ reich. Theo Albrecht besass immerhin noch 16,7 Milliarden Dollar.

Der Hamburger Textil-Unternehmer Michael Otto und seine Familie sind von Dieter Schwarz und Familie Karl Albrecht überholt worden. Immerhin belegen sie mit rund 5,5 Milliarden Euro noch Platz 4 der reichsten deutschen Milliardäre.

Das geschätzte Vermögen von Karl Hans Albrecht lag mit 23,5 Milliarden Dollar auf Platz 10 der weltweit vermögensten Menschen. Karl Albrecht war bis zu seinem Rückzug aus dem operativen Geschäft (1994) gemeinsam mit seinem 2010 verstorbenen jüngeren Bruder Theo Albrecht Eigentümer der „Aldi“-Gruppe. Ihr Privatvermögen haben die Brüder etlichen Stiftungen übertragen. [4] *  

Quellen vgl.:
 [1] FR, 26.04.2011. Niedriglöhne: Immer mehr Minijobber in Deutschland.
www.fr-online.de/wirtschaft/arbeit—soziales/immer-mehr-minijobber-in-deutschland/-/1473632/8376466/-/index.html
[2] FR, 19.04.2011. Statistik. Strafen gegen Hartz-IV-Empfänger häufen sich.
Union befürwortet härteres Vorgehen gegen Arbeitslose.
www.fr-online.de/politik/strafen-gegen-hartz-iv-empfaenger-haeufen-sich/-/1472596/8357158/-/index.html
[3] FR, 20.04.2011. Zahl der Sanktionen. DGB gegen Skandalisierung bei Hartz IV.
www.fr-online.de/politik/dgb-gegen-skandalisierung-bei-hartz-iv/-/1472596/8361094/-/index.html
[4] Frankfurter Rundschau. Die reichsten Deutschen - damals und heute.
www.fr-online.de/wirtschaft/fotostrecken-wirtschaft/-/1473648/4397846/-/index.html
*) Karl Hans Albrecht:
http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Albrecht

 


VON: REINHOLD SCHRAMM






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