Die Mär vom leidenden Einzelhandel als Grund für verkaufsoffene Sonntage

17.08.17
WirtschaftWirtschaft, NRW, News 

 

Von DIE LINKE. Mönchengladbach

Die Einzelhändler geben gerne die Konkurrenz des Internethandels sowie sonntägliche Ausflüge in die nahe gelegenen Outlet-Center in den Niederlanden an, um die Notwendigkeit von verkaufsoffenen Sonntagen zu belegen. Sebastian Merkens, Direktkandidat der Linken in Mönchengladbach, hat sich deshalb mal die entsprechenden Zahlen angeschaut und stellt fest: „Dem Einzelhandel geht es gut. Und auch dem produzierenden Gewerbe geht es gut. Einzig die Angestellten profitieren nicht davon. Und so ist mehr als jede dritte erwerbstätige Frau in einer atypischen Beschäftigung, was meist bedeutet, dass sie von ihrer Arbeit allein nicht leben kann.“

Dabei bezieht sich Merkens auf die aktuellen Zahlen des Landes NRW. So waren die Umsätze im Einzelhandel im Juni 2017 real, also unter Berücksichtigung der Preisentwicklung, um 2,6% höher als im Juni 2016.

Für das erste Halbjahr fällt die Umsatzsteigerung mit 2,8% noch besser aus. Nominal, also ohne Bereinigung der Preisentwicklung, stiegen die Umsätze gar um 4,2%[1].

Die Industrie in NRW konnte ihre Produktion im Juni 2017 um 5,7% gegenüber dem Vorjahr steigern. Diese für die Industrie positive Zahl zieht sich durch alle Bereiche[2].

Dem gegenüber steht, dass im Jahr 2016 nur zwei Drittel (67,6%) der 7,7 Millionen Erwerbstätigen in einem sogenannten Normalarbeitsverhältnis standen. Das bedeutet umgekehrt, dass ein Drittel der Beschäftigten einer nicht voll sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgeht oder sich in einem befristeten Angestelltenverhältnis befindet[3].

Bei den Männern war der Anteil der Erwerbstätigen in einem Normalarbeitsverhältnis mit 75,5% deutlich höher als bei den Frauen (58,7%).

„Auch über einen längeren Zeitraum betrachtet, geht es dem Einzelhandel gut“, so Merkens, „Es gibt aber eine Diskrepanz zwischen Umsatzsteigerung und Beschäftigten. So ist auch im Vergleich zu 2010 eine Steigerung von 3,9% zu verzeichnen, aber es gibt gerade mal 0,9% mehr Beschäftigte[4]. Wie wir es also auch drehen und wenden, dem Einzelhandel geht es als Ganzes gut. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht wieder zu einer Belebung der Hauptstraße in Rheydt oder der oberen Hindenburgstraße kommen muss, aber dafür muss nicht zwangsläufig auf weiteren Konsum gesetzt werden. Das Minto hat nun mal zusätzliche Fläche und damit drastische Verschiebungen gebracht, das war im Vorfeld bekannt. Nur bei den genannten Umsatzsteigerungen ist es eine Mär, vom leidenden Einzelhandel zu sprechen und damit verkaufsoffene Sonntage einzufordern. Viel mehr brauchen wir das freie Wochenende zur Erholung, als gesicherten Freiraum, wo Familien, Vereine und Freunde gemeinsam etwas unternehmen können.“

Quellen:

1: Pressemitteilung IT.NRW: „Einzelhandel: Umsatz im Juni um 2,6 Prozent gestiegen“ https://www.it.nrw.de/presse/pressemitteilungen/2017/pres_221_17.html

2: Pressemitteilung IT.NRW: „NRW-Industrie: Produktion im Juni 2017 um

5,7 Prozent höher als im Juni 2016“

https://www.it.nrw.de/presse/pressemitteilungen/2017/pres_222_17.html

3: Pressemitteilung IT.NRW: „Zwei Drittel der Erwerbstätigen in Nordrhein-Westfalen standen im Jahr 2016 in einem Normalarbeitsverhältnis“ Bitte beachten sie hier die von uns verkürzte Erklärung von „Normalarbeitsverhältnis“.

https://www.it.nrw.de/presse/pressemitteilungen/2017/pres_223_17.html

4: Tabelle IT.NRW: „Umsatz und Beschäftigte im Einzelhandel Nordrhein-Westfalens“ https://www.it.nrw.de/presse/pressemitteilungen/2017/pdf/221_17.pdf







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