„Deutsche Stahl AG“ - Wahlkampfgetöse oder ernsthafter Vorschlag?


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04.09.17
WirtschaftWirtschaft, Arbeiterbewegung, Debatte, NRW, Ruhrgebiet 

 

Von RIR

Bundeskanzlerin Merkel (CDU) lehnt eine „Deutsche Stahl AG“ ab. Auf der Sommerpressekonferenz sagte sie zu einer „nationale Stahllösung“: „Wir wollen eine Stahlindustrie in Deutschland (...) Welche Option dafür wirtschaftlich die günstigste ist, müssen die Unternehmen selbst entscheiden“ (Sommerpressekonferenz 29.08.17). Nach Merkel liegt die Entscheidung über Tausende von Arbeitsplätzen allein bei Hiesinger & Co – also bei den Kapitalisten und ihren Managern.

Gabriels drei Meinungen

Die Idee einer „Deutsche Stahl AG“ hatte SPD-Minister Gabriel in die Diskussion gebracht. Gabriel hat dazu zwei Meinungen. Eine vor der Bundestagswahl und eine vom letzten Jahr. Damals sagte er: „Ich bin kein großer Freund der Idee einer ,Deutschen Stahl AG’, weil die Konsequenz vermutlich wäre, dass Arbeitsplätze in unserer Industrie wegfallen, obwohl die ineffizienten Stahlwerke im Ausland stehen“ (13.04.2016 der westen). Von der Verstaatlichung, die Gabriel vor 7000 Stahlkochern auf der Kundgebung am 11. April 2016 vor Tor 1 in Hamborn vorschlug, ist längst keine Rede mehr. Damals hatte Gabriel die IG Metall links überholt und betont, wie sinnvoll einst die Verstaatlichung von Salzgitter gewesen sei, um Arbeitsplätze zu retten. Gabriel vor Thyssenkrupp: „Um nichts anderes geht es heute hier“.

Was die Stahlkapitalisten wollen

Während uns Hiesinger und die IG Metall-Bürokratie den „Billigstahl aus China“ als Bedrohung unserer Arbeitsplätze verkaufen wollen, ist 2016 die Auslastungsquote der Stahlwerke in Deutschland auf  86 Prozent hochgeschnellt. Das ist „im internationalen Vergleich ein außerordentlich hoher Wert , so Prof. Dr. Roland Döhrn, Konjunkturchef des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung“, um 2017 sogar noch zu steigen (Technik Einkauf 14.7.2017). Das deutet nicht daraufhin, dass die Stahlwerke in Deutschland von China niederkonkurriert werden. Die Hetze gegen China oder gegen die EU-Kommission in Sachen Emissionshandel ist nur eine Ablenkung von unseren wirklichen Gegnern – den Stahlkapitalisten und ihren Managern wie Hiesinger.

Die 5 größten Stahlmultis

Tatsächlich wird der Weltstahlmarkt wie jeder Weltmarkt von einigen wenigen multinationalen Konzernen (Multis) beherrscht. Das sind:

Die größten Stahlhersteller 2016 - Jahresproduktion in Millionen Tonnen

ArcelorMittal                                  95,45

China Baowu Group                      63,81

HBIS Group                                    46,18  

Nippon Steel & Sumitomo              46,16

POSCO                                           41,56

 

Diese 5 Multis erzielen durch ihre Marktmacht Extra-Profite auf dem Weltstahlmarkt. Der weitaus größte von ihnen ist ArcelorMittal, der seinen Sitz in Luxemburg hat. Luxemburg liegt bekanntlich nicht in China, sondern ist der Finanzplatz der EU. Während die Multis durch fortschreitende Kapitalkonzentration erheblich zu ihrer Selbstfinanzierung beitragen, ist die Eigenkapitalquote bei Thyssenkrupp erschreckend niedrig. Thyssenkrupp fehlen vor allem die Mittel zur beschleunigten technologischen Erneuerung, die eine Quelle von weiteren Extra-Profiten ist. Um selbst Marktmacht aufzubauen, will Hiesinger die Fusion mit Tata-Steel Europe. Eine neue TK-Tata Steel könnte zu den großen Fünf aufschließen. 

Plan B - die „Deutsche Stahl AG“

In einer „Deutschen Stahl AG“ könnten sich die Thyssenkrupp Steel (17,24 Mio. Tonnen Rohstahl), die Salzgitter Stahl AG (7 Mio. Tonnen) und Georgsmarienhütte (Kapazität 900.000 Tonnen) zu einem neuen Stahlkonzern zusammenschließen. Der hätte rechnerisch eine Produktion von 25 Mio. Tonnen Rohstahl. Damit läge die „Deutschen Stahl AG“ an 10 Stelle in der Weltrangliste. Das wäre immer noch zu wenig, um die Vorherrschaft der großen Fünf auf dem Weltstahlmarkt auch nur anzukratzen. Unter kapitalistischen Gesichtspunkten würde eine solche Vereinigung ebenso der Zusammenlegung, Anlagenschließung und der Vernichtung tausender Arbeitsplätze dienen wie eine Fusion mit Tata-Steel.

Eine Vereinigung von Thyssenkrupp Steel, Salzgitter Stahl AG und Georgsmarienhütte macht nur dann Sinn, wenn sie auf der entschädigungslosen Enteignung der beteiligten Unternehmen und einer Arbeitsplatzgarantie für alle Stahlarbeiter basiert.

RIR 1.9.2017

 







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