Programme für die Tonne


Foto: D. Braeg

16.09.17
WirtschaftWirtschaft, Umwelt, Bewegungen 

 

Von WWF

Bundestagswahl: Bei Lebensmittelverschwendung sind Parteien überwiegend sprach- und konzeptlos / WWF fordert Strategien statt Allgemeinplätze

Mehr als 18 Mio. Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland pro Jahr im Müll. Davon könnten schon heute fast 10 Mio. Tonnen vermieden werden. Doch dazu braucht es echten politischen Willen. Der WWF hat daher die aktuellen Wahlprogramme von CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE und FDP zum Thema Lebensmittelverschwendung unter die Lupe genommen. CDU/CSU und die Linke bieten keine konkreten Strategien. Der FDP ist der unnötige Verlust von Lebensmitteln keine Zeile wert.

„Die Konzeptlosigkeit, vor allem von CDU/CSU, FDP und DIE LINKE, erschreckt umso mehr, als sich Deutschland international verpflichtet hat, bis 2030 die Lebensmittelverluste im eigenen Land zu halbieren“, so Tanja Dräger de Teran, WWF-Referentin für Landwirtschaft. CDU/CSU setzten im Programm einzig auf Verbraucherbildung. „Damit entlässt die Union zum Beispiel Erzeuger, Hersteller, Großküchen oder Lebensmitteleinzelhandel aus ihrer Pflicht und konzentriert sich wider besseren Wissens auf einen kleinen Ausschnitt des großen Problems“, kritisiert Dräger de Teran. Verbraucherbildung, gerade in Kindergärten und Schulen, sei zwar ein wichtiger Baustein, aber dieser müsse in eine notwendige umfassende Gesamtstrategie zur Vermeidung von Lebensmittelverlusten integriert werden.

Auch DIE LINKE überzeugt den WWF nicht mit ihrer Forderung, das Containern zu legalisieren. „Das greift zu kurz, DIE LINKE erklärt nicht, wie sie verhindern will, dass überhaupt so viele Lebensmittel in der Tonne landen“, so Dräger de Teran. Ein Totalausfall ist die FDP. „Es erschüttert, dass eine Partei, die sich Wirtschaftskompetenz auf die Fahnen schreibt, nicht wenigstens die ökonomische Tragweite von Lebensmittelverlusten auf dem Schirm hat.“ Im Schnitt wirft jeder Bundesbürger Lebensmittel im Wert von rund 230 Euro weg. Das macht 19. Mrd. Euro pro Jahr für Deutschland.

Als Silberstreif am Horizont sieht der WWF, dass SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in ihren Programmen eine Strategie für die gesamte Wertschöpfungskette vom Landwirt bis zum Endverbraucher fordern, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sogar mit verbindlichen Reduktionszielen. Keine Partei bekennt sich jedoch explizit zu dem politischen Ziel, zu welchem sich auch Deutschland mit der Anerkennung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) verpflichtet hat: die Halbierung der Lebensmittelverluste bis 2030 (SDG 12.3).

Der WWF fordert von der nächsten Bundesregierung eine nationale Strategie mit verbindlichen Reduktionszielen für einzelne Branchen und vom Acker bis zum Kühlschrank. Eine nationale Koordinierungsstelle soll aus Sicht des WWF im Blick behalten, ob Deutschland es schafft, bis 2030 die Lebensmittelverluste im eigenen Land zu halbieren. Denn das ist der Rahmen, dem sich auch Deutschland mit der Unterzeichnung UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) verpflichtet hat.

Hintergrund Lebensmittelverschwendung

Derzeit gehen in Deutschland 18 Mio. Tonnen an Lebensmitteln verloren. Davon wären 10 Mio. Tonnen bereits heute vermeidbar. Lebensmittelverschwendung hat signifikante Auswirkungen auf Umwelt und Klima Durch die von uns weggeworfene Nahrung werden pro Jahr mehr als 26.000 km² völlig nutzlos bewirtschaftet. Das entspricht der Fläche von Mecklenburg-Vorpommern. Mehr als 45 Mio. Tonnen Treibhausgase werden zusätzlich ausgestoßen. Schon 2012 hatte der Bundestag beschlossen, dass Deutschland einen Aktionsplan braucht, um weniger Lebensmittel wegzuwerfen. Bislang blieb es aber bei leeren Worten. Über 60 Prozent der Verluste entstehen entlang der Wertschöpfungskette – vom Produzenten bis hin zum Großverbraucher (u.a. Gastronomie, Betriebsküchen). Ungefähr 40 Prozent liegen bei den Privathaushalten. Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und die entsprechenden Sustainable Development Goals (SDGs) der UN formulieren das klare Ziel, die weltweite Nahrungsmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene zu halbieren. Dem hat sich Deutschland mit der Unterzeichnung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) verpflichtet.

Das sagen die Parteien im WWF-Interview

In halbstündigen Live-Stream-Interviews haben sich ab Ende August Spitzenpolitiker den Fragen der WWF-Community gestellt. Was die Vertreter der Parteien - Dietmar Bartsch (DIE LINKE) , Cem Özdemir (GRÜNE), Peter Altmaier (CDU) und Barbara Hendricks (SPD) - zum Thema Lebensmittelverschwendung zu sagen hatten, zeigt dieses Video: https://youtu.be/RzS5wWF27x4  

 

Die vollständige Analyse finden Sie hier: https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Bewertung_Wahlprogramm_Lebensmittelverschwendung.pdf  







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