Belgische Fordkollegen zu Besuch in Köln

13.12.12
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von A. Ko. - SoKo-Köln

Am 11.12.2012 hatte die Kölner DKP zu einer Diskussionsrunde mit belgischen Fordkollegen aus Belgien eingeladen.

Vier Kollegen aus dem Werk in Genk waren erschienen und berichteten über die Lage des von Schließung bedrohten Werkes. Alle 4 sind seit ca. 30 Jahren gewerkschaftlich aktiv. Da es Belgien im Unterschied zu Deutschland Richtungsgewerkschaften gibt, die auch in dem Werk vertreten sind, kamen die Kollegen aus unterschiedlichen Gewerkschaftsverbänden.

Genk, mit seinen 65.000 Tsd. Einwohnern ist von dem Werk stark abhängig und Schätzungen gehen davon aus, dass der Verlust des Werkes ca. 10.000 Arbeitsplätze in der Region kosten wird. Die Arbeitslosigkeit ist bereits die höchste in ganz Flandern während das Durchschnittseinkommen das niedrigste ist.

Diese Situation ist der Hintergrund für die Proteste vor dem Kölner Werk am 07.November 2012 zu dem mehrere Hundert Kollegen mit Bussen angereist waren. (siehe: www.scharf-links FORD-Köln: Streikende Kollegen wie Verbrecher abgeführt! )

Am 11.11.2012 hatte in Genk der „Marsch für die Zukunft“ ca. 15.000 Menschen der Region mobilisiert. Nach einem Aufruf der IG Metall hatten 700 Kölner ebenfalls daran teilgenommen.

In Genk wird seit dem 24.10.2012 gestreikt; dem Tag, als die Schließung des Werkes verkündet wurde. Kein Wagen verlässt seither das Werksgelände. Inzwischen werden ca. 8000 Fahrzeuge von den Streikenden zurückgehalten, (u.a. 250 Polizeifahrzeuge, die für Deutschland bestimmt sind!)

Die gemeinsame Forderung der Belegschaft ist das das Werk am Standort zu erhalten. Sie wollen sich nicht mit Abfindungen abspeisen lassen, obwohl es Kollegen gibt, die sich mit einer Erhöhung der Abfindungssumme zufrieden geben würden. Für den kleinen arbeitswilligen Teil der Belegschaft wurde ein Tor von den Streikenden offen gehalten. Dort wird versucht, sie mit beharrlicher Überzeugungsarbeit davon zu überzeugen, dass ein Ausverkauf einzelner Betriebe in Europa einer Niederlage gleichkommt.

Die Politiker neigen dazu, den Schließungsbeschluß des Konzerns zu akzeptieren und bieten den Kollegen keinerlei Unterstützung.

Die Belegschaft kämpft also nicht nur gegen den Ford-Konzern, sondern auch gegen die Politiker, die ihrer Meinung nach die Beschlagnahmung der Fordwerke fordern sollten.

Als Begründung führen die Kollegen an, die Firma habe mit 9 Milliarden US-Dollar im Jahr 2011 den höchsten Profit seit 1999 erzielt.

Außerdem habe der Konzern staatliche Subventionen erhalten, die eine Weiterführung des Werkes zur Verpflichtung machen. Bei Beibehaltung der derzeitigen harten Linie der Konzernleitung fordern die Kollegen die unverzügliche Verstaatlichung des Werkes.

Dabei berufen sie sich die Kollegen u.a. auf das Schicksal des französischen Arcelor-Werkes, das (erst nach Androhung der Nationalisierung) mit staatlicher Hilfe unter einem anderen Eigentümer weitergeführt wird.

In der anschließenden Diskussion wurde auch auf die Situation im Bochumer Opel-Werk verwiesen, die heute vor dem gleichen Problem stehen.

Am Schluss der sehr gelungenen Veranstaltung erklärten die Anwesenden, dass sie den Kampf der Ford-Kollegen gemeinsam über die nationalen Grenzen hinweg unterstützen wollen.

Auch wir von der SoKo-Köln erklärten unsere Bereitschaft zu praktischer Solidarität.

Köln, 13.11.2012

 







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