Nach foodwatch-Kritik: Rewe stoppt umstrittene Klimawerbung – Verbraucherorganisation fordert klare Regeln für Klima-Claims

12.08.22
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Von foodwatch

Nach Kritik der Verbraucherorganisation foodwatch hat Rewe umstrittene Klima-Werbung gestoppt. Die Supermarktkette hatte Produkte ihrer Eigenmarken „Bio + vegan“ sowie „Wilhelm Brandenburg“ als „klimaneutral“ beworben. Die bei der Produktion anfallenden Treibhausgas-Emissionen hatte der Handelskonzern mit Zertifikaten aus Klimaprojekten, unter anderem in Uruguay und Peru, ausgeglichen – diese vermeintlichen Klimaschutzprojekte wiesen jedoch laut foodwatch eklatante Mängel auf. Rewe kündigte nun an, nach Abverkauf der Waren gänzlich auf die Klimawerbung zu verzichten.

„Gut, dass Rewe nun gehandelt hat und die Verbrauchertäuschung stoppt. Aber: Viele Hersteller nutzen den Wunsch der Verbraucher:innen nach klimafreundlichen Produkten aus und werben mit irreführender Begriffen wie klimaneutral. Die Bundesregierung muss sich in Brüssel dafür stark machen, dass dem Greenwashing mit Klima-Werbung endlich ein Riegel vorgeschoben wird“, forderte foodwatch-Expertin Rauna Bindewald.

Die Verbraucherorganisation kritisiert die Bewerbung von Lebensmitteln als „klimaneutral“ grundsätzlich als irreführend. Viele Hersteller würden ihren eigenen Treibhausgas-Ausstoß gar nicht ernsthaft reduzieren, sondern rechneten ihre Produkte mit Hilfe von Kompensationsprojekten im globalen Süden klimafreundlich. Diesen „Ablasshandel“ bewertet foodwatch kritisch, da die bei der Produktion entstehenden Emissionen dadurch nicht rückgängig gemacht würden. Außerdem sei der Nutzen der angeblichen Klimaschutzprojekte fraglich: Laut einer Studie des Öko-Instituts halten nur zwei Prozent der Projekte ihre versprochene Klimaschutzwirkung ein.

Der Fall Rewe zeigt die Schwachstellen exemplarisch: Rewe hatte die Produkte seiner Eigenmarke „Bio + vegan“ zuletzt mit Zertifikaten aus dem Wald-Projekt Guanaré in Uruguay kompensiert. In dem Projekt werden in industrieller Forstwirtschaft Eukalyptus-Monokulturen angebaut. Dabei wird Glyphosat gespritzt und es ist zudem fraglich, ob durch das Projekt tatsächlich zusätzliches CO2 gebunden wird, wie Recherchen von ZDF Frontal ergaben. Nachdem foodwatch Rewe Ende Juni auf die Schwachstellen des Guanaré-Projekts hingewiesen hatte, kündigte der Konzern an, „eine rückwirkende CO2-Kompensation für REWE Bio + vegan durch den zusätzlichen Kauf von Zertifikaten aus dem Windenergie-Projekt Ovalle in Chile sicherzustellen“. Der Discounter Aldi nutzt ebenfalls Zertifikate des Guanaré-Projekts, um die Milch seiner Eigenmarke „Fair & Gut“ klimaneutral zu rechnen.

Nach einer Abmahnung durch foodwatch hatte Rewe bereits im Februar die Zusammenarbeit mit einem umstrittenen Wald-Projekt in Peru gestoppt. Das Unternehmen hatte Zertifikate des Tambopata-Projekts genutzt, um Geflügelprodukte der Eigenmarke „Wilhelm Brandenburg“ als klimaneutral zu bewerben. 

foodwatch fordert strengere Regeln für Klimawerbung

foodwatch spricht sich für eine klare Regulierung nachhaltiger Werbeversprechen aus. Die Bedingungen, unter denen Unternehmen mit dem Begriff „klimaneutral“ werben dürfen, sind bisher nicht näher definiert. Die Europäische Kommission hat einen Richtlinienentwurf vorgelegt, um Greenwashing einzuschränken (COM(2022) 143 final). Diese Richtlinie würde einige Praktiken verbieten und mehr Transparenz vorschreiben. Allerdings blieben laut foodwatch weiterhin große Schlupflöcher, weil irreführende Begriffe wie „klimaneutral“ nicht grundsätzlich verboten werden und Siegel ohne ernsthaften Umweltnutzen erlaubt bleiben.

 

Quellen und weiterführende Informationen:







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