Daten zu TV-Konsum: Kinder sehen etwa die Hälfte der Werbung für ungesunde Lebensmittel in der abendlichen Primetime – foodwatch fordert Werbebeschränkungen zwischen 6 und 23 Uhr

12.01.23
WirtschaftWirtschaft, Soziales, TopNews 

 

Von foodwatch

Fast die Hälfte der Werbung für ungesunde Lebensmittel, die Kinder im Fernsehen wahrnehmen, läuft zur abendlichen Primetime. Das zeigt eine Auswertung von Dr. Tobias Effertz von der Universität Hamburg im Auftrag der Verbraucherorganisation foodwatch. Demnach sehen fernsehnutzende Kinder zwischen 3 und 13 Jahren in der Zeit zwischen 20 und 22 Uhr im Schnitt fünf Werbespots für Zuckerbomben oder fettige Snacks.

Kinder sitzen vor allem abends vor dem Fernseher – in vielen Fällen, um eine Sendung mit der Familie zu schauen. Zwischen 2019 und 2021 war jede dritte der unter Kindern beliebtesten TV-Sendungen kein klassisches Kinderformat, sondern eine zur Primetime ausgestrahlte Unterhaltungssendung, ein Familienfilm oder eine Sportübertragung, wie Daten der AGF Videoforschung zeigen. Um Kinder umfassend zu schützen, dürfe das von der Bundesregierung geplante Gesetz gegen Kindermarketing für Ungesundes nicht ausschließlich Kindersendungen in den Blick nehmen, mahnte foodwatch. Vielmehr müsse die Regelung eine zeitliche Beschränkung umfassen: TV-Werbung für ungesunde Lebensmittel sollte auf allen Kanälen zwischen 6 Uhr morgens und 23 Uhr abends untersagt sein.

„Kinder gucken im Fernsehen nicht nur Zeichentrickfilme und die Sendung mit der Maus, sondern häufig zur abendlichen Primetime ausgestrahlte Fußballspiele und Casting-Shows, die sich nicht vornehmlich an Kinder richten. Gerade in dieser Hauptsendezeit am Abend überschüttet die Lebensmittelindustrie Kinder mit Junkfood-Werbung“, erklärt Luise Molling von foodwatch.

Zwischen 2019 und 2021 waren 29 der 75 von Kindern meistgesehenen Sendungen, also 39 Prozent, keine klassischen Kinderformate, sondern Sportsendungen, Unterhaltungsformate und Nachrichten. 2021 waren es sogar 18 von 25, darunter mehrere Übertragungen der Fußball-Europameisterschaft, die unter anderem von Coca-Cola gesponsert wurde. Allein das Spiel zwischen England und Deutschland haben 2,3 Millionen Kinder (3-13 Jahre) angesehen. Das entspricht einem Marktanteil dieser Altersgruppe von 87,9 Prozent.  

Die Ampel-Parteien hatten im Koalitionsvertrag angekündigt, gegen Junkfood-Werbung vorzugehen. Das Bundesernährungsministerium dürfte schon in Kürze einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorlegen. Bereits vor einigen Wochen hatte foodwatch mit 40 anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen, darunter die Krankenkasse AOK, das Kinderhilfswerk und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), in einem offenen Brief an die Ampel-Koalition eine „umfassende Regelung“ gefordert. Eine „Werbebeschränkung light“, die lediglich klassische Kindersendungen adressiert, würde „ihr Ziel verfehlen“.

Das Gesetz müsse neben einer zeitlichen Beschränkung im TV, Radio und Streamingdiensten auch Vorgaben für die sozialen Medien machen, forderten die Organisationen: Influencer:innen sollten ausschließlich Werbung für gesunde Lebensmittel machen dürfen. Für Plakatwerbung solle eine 100-Meter-Bannmeile im Umkreis von Kitas, Schulen und Spielplätzen gelten. Als Grundlage, welche Lebensmittel als ungesund gelten, müssten die Nährwert-Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dienen.

Werbung für Lebensmittel mit viel Zucker, Fett oder Salz fördert nachweislich ein ungesundes Essverhalten. Kinder essen etwa doppelt so viel Süßigkeiten, aber nur halb so viel Obst und Gemüse wie empfohlen. Aktuell sind etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen von Übergewicht und sechs Prozent sogar von starkem Übergewicht (Adipositas) betroffen. Ihnen drohen im späteren Leben Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Gelenkprobleme, Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Jeder siebte Todesfall in Deutschland ist laut Daten der OECD auf ungesunde Ernährung zurückzuführen.

Quellen und weiterführende Informationen:







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