Atommüll und dessen Verschiebung belastet weiterhin das Ems- und Münsterland


Bildmontage: HF

23.08.19
UmweltUmwelt, NRW, Niedersachsen, TopNews 

 

Von GAL Gronau

Anti-Atomkraft-Initiativen aus dem Emsland sowie Mitglieder des Arbeitskreises Umwelt (AKU) Gronau und der Grün Alternativen Liste (GAL) Gronau haben jüngst in Lingen an einer Veranstaltung der „BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH“ teilgenommen. Deutlich wurde bei der Veranstaltung, dass es nach wie vor keine Endlager für die enormen Atommüllmengen gibt, die bisher beim Betrieb von Atomkraftwerken und sonstigen Atomanlagen, inklusive der Uranfabriken in Gronau und Lingen, gibt. Und so wurde bei der Veranstaltung von den Bürgerinitiativen und der GAL Gronau erneut die Forderung nach sofortiger Stilllegung des AKW Lingen 2 und der Brennelementefabrik in Lingen sowie der Urananreicherungsanlage in Gronau erhoben, damit nicht ständig weiterer Atommüll produziert wird.

In Lingen befindet sich seit einigen Jahren neben dem Atomkraftwerk Lingen 2 eine Atommüll-Halle, in der abgebrannte Brennelemente aus dem AKW in Castor-Behältern gelagert werden. Seit dem 1. Januar 2019 ist die BGZ Betreiberin des Castor-Lagers in Lingen, sowie weiterer Castor-Atommüll-Lager an Standorten anderer Atomkraftwerke. Zudem ist die BGZ die Betreiberin der so genannten Atommüll-Zwischenlager in Ahaus und Gorleben.

Die BGZ versuchte bei der Veranstaltung in Lingen die Anwesenden davon zu überzeugen, dass es ab 2050 in der Bundesrepublik ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll geben wird. In dieses Endlager sollen auch die abgebrannten Brennstäbe aus Lingen verbracht werden. Im Rahmen der Standortsuche für ein entsprechendes Endlager soll 2020 ein „Teilgebiete-Bericht“ veröffentlicht werden, der Gebiete benennen soll, die angeblich günstige geologische Voraussetzungen für die Endlagerung hochradioaktiver Atomabfälle erwarten lassen sollen.

Immer mehr Atommüll auf Basis falscher Versprechungen

In der Diskussion wurde bei der Veranstaltung aus den Reihen der Anwesenden bemängelt, dass es bereits in den 70er und 80er Jahren Versprechen gab, dass die Endlagerung bereits gelöst sei und dass es kein Vertrauen auf weitere Versprechen gibt. Auf der Basis dieser falschen Versprechungen wurde weiterhin immer mehr Atommüll produziert.

Die Befürchtung steht im Raum, dass es auch 2050 noch kein Endlager für hochradioaktive Abfälle geben wird. Hinterfragt wurde zudem, wie lange die Castor-Behälter dicht sein werden und wie mit möglichen Rissen in der Längsseite der Behälter zum Beispiel nach einem Terroranschlag umgegangen werden soll.

Auf Nachfrage von Udo Buchholz, Gronauer Ratsmitglied der parteiunabhängigen GAL,betonte die BGZ bei der Veranstaltung in Lingen, dass es weiterhin geplant sei, schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus Lingen in das so genannte „Zwischenlager“ in Ahaus zu verbringen.

Von diesen drohenden Atommülltransporten vom Emsland ins Münsterland war im Juni bei einem Erörterungstermin zum Zwischenlager Ahaus berichtet worden.

Atommüll-Verschiebungen nicht hinnehmbar

Bei der Veranstaltung in Lingen wurde den anwesenden Mitgliedern der GAL Gronau deutlich, dass an allen Atomstandorten das gleiche Dilemma

vorherrscht: In Atomkraftwerken und Atomanlagen wird Atommüll produziert, für den es keine sicheren Endlager gibt. Der Atommüll wird zunächst in vermeintlichen Zwischenlagern gelagert und dann mehr oder weniger willkürlich von A nach B verschoben. Beispielsweise von Lingen nach Ahaus und von Gronau nach Frankreich. Das ist aus Sicht der GAL Gronau nicht hinnehmbar.

Auf Nachfrage betonten die Vertreter der BGZ, dass sie nichts mit der Planung einer weiteren Atommüllhalle in Lingen zu tun haben, in der

schwach- und mittelradioaktiver Atomabfall, der beim Rückbau der Lingener Atomkraftwerke anfällt, gelagert und verarbeitet werden soll.

Der Energiekonzern RWE, der das AKW Lingen 2 betreibt, hat diese neue Atomanlage im Juli 2019 beantragt. Nach aktuellen Plänen soll schwach- und mitteaktiver Lingener Atommüll dort bis 2017 gelagert und dann in das geplante Atommüllendlager Schacht Konrad bei Salzgitter verbracht werden. Ob Schacht Konrad aber 2027 in Betrieb gehen wird, ist aus Sicht der Anti-Atomkraft-Bewegung allerdings sehr fraglich. Und falls ja, wäre Schacht Konrad auch nur in der Lage, einen Bruchteil des in der Bundesrepublik anfallenden schwach- und mittelradioaktiven Atommülls aufzunehmen. Zudem wird die Sicherheit des geplanten Lagers massiv in Frage gestellt.

RWE weiter in der Verantwortung

Die GAL Gronau erklärt, dass RWE und ihre Aktionäre sich nicht ihrer Zukunftsverantwortung entziehen dürfen. RWE war und ist in Lingen und Gronau für die Produktion von Atommüll verantwortlich und darf nicht aus der Verantwortung gelassen werden, indem jetzt die Verantwortung für den Atommüll Bundesgesellschaften übertragen wird. RWE ist Mitbetreiberin der Gronauer Urananreicherungsanlage, bei deren Betrieb in großen Mengen Uranmüll anfällt. Dieser soll später auch im Schacht Konrad endgelagert werden. Da die Urananreicherungsanlage aber bisher keinerlei Laufzeitbegrenzung unterliegt, kann überhaupt nicht abgeschätzt werden, welche Uranmüllmengen zukünftig noch in Gronau anfallen werden. Die Anti-Atomkraft-Bewegung und die GAL Gronau fordern die sofortige Stilllegung der Gronauer Urananreicherungsanlage.

Nach der Veranstaltung in Lingen nutzte GAL-Ratsmitglied Udo Buchholz die Gelegenheit zu einem Gedankenaustausch über Sicherheitsaspekte mit dem ebenfalls anwesenden Oberbürgermeister von Lingen, Dieter Krone.

Erstaunt erfuhr Buchholz dabei, dass es in Lingen, im Gegensatz zu Gronau, keine Berufsfeuerwehr gibt.

Am 26. Oktober wird eine der nächsten größeren Anti-Atomkraft-Demonstrationen in Lingen stattfinden. Mitglieder des Arbeitskreises Umwelt (AKU) Gronau und der GAL Gronau werden wieder bei der Vorbereitung helfen. Weitere Informationen hierzu unter https://atomstadt-lingen.de

Informationen zur Lingen-Resolution für die sofortige Stilllegung des AKW Lingen 2 und der Brennelementefabrik in Lingen, die auch von der GAL Gronau unterzeichnet wurde, unter https://bbu-online.de

 

Direktlink:

https://bbu-online.de/AK%20Energie/Aktuelles%20AK%20Energie/Lingen-Resolution%20Juli%202019.pdf

 

Informationen zum Endlagerprojekt Schacht Konrad unter

https://www.ag-schacht-konrad.de







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