Nach verfassungswidriger Verlängerung betäubungsloser Ferkelkastration: PETA erstattet Strafanzeigen gegen Schweinezüchter


04.02.19
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Von PETA

PETA stuft den Bundestagsbeschluss für eine Fristverlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration als verfassungswidrig ein. Somit ist nach Auffassung der Tierrechtsorganisation auch das anhaltende betäubungslose Kastrieren rechtswidrig und strafrechtlich relevant. Daher hat PETA nun gegen drei bedeutende Schweinezuchtbetriebe, bei denen die Organisation davon ausgeht, dass betäubungslos kastriert wird, Anzeigen erstattet.

„Die Große Koalition ist so schwerwiegend von Agrar-Funktionären und Lobbyisten durchsetzt, dass selbst das Grundgesetz gebrochen wird. Den Landwirten ist hiermit jedoch nicht geholfen, denn sie sind es, die nun potenzielle strafrechtliche Konsequenzen zu tragen haben“, so Dr. Christian Arleth, Rechtsanwalt bei PETA.

Nach Ansicht der Tierrechtsorganisation ist es inakzeptabel, dass Schweinemäster weiterhin jährlich circa 20 Millionen männliche Ferkel ohne Betäubung kastrieren, obwohl sie seit Jahren wussten, dass das Ende dieser tierschutzwidrigen Praxis bevorstand. Am 29. November 2018 beschloss der Bundestag auf Initiative der Bundesregierung, dass die Übergangsfrist für ein Ende der betäubungslosen Kastration männlicher Ferkel um weitere zwei Jahre verlängert wird. Bereits 2013 hatte die damalige Koalition aus Union und FDP eine Übergangsfrist bis zum 31.12.2018 beschlossen. PETA kritisiert, dass die Große Koalition mit der weiteren Billigung der betäubungslosen Ferkelkastration ihren Spielraum bei Gesetzesänderungen überschritten habe, da sie das im Grundgesetz verankerte Verfassungsgut Tierschutz verletzt. Die Verlängerung ist demnach verfassungswidrig. Dennoch werden weiterhin Millionen Ferkeln die Hoden ohne Betäubung herausgeschnitten.

PETA verweist auf die ähnliche Einschätzung in einem durch den Rechtsprofessor Prof. Dr. Jens Bülte für den Agrarausschuss angefertigten Gutachten [1]. Auch die Bundestierärztekammer hatte in einer Pressemeldung an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags appelliert, die betäubungslose Ferkelkastration zu beenden [2].

Bundesregierung widerspricht eigenem Bericht

Weitgehend schmerzfreie Alternativen – wie die Ebermast sowie die Kastration mittels Impfung – werden bereits seit 2009 in Deutschland praktiziert Dennoch behauptet die Bundesregierung, dass keine praxisreifen Alternativen verfügbar seien. Damit widerspricht sie jedoch ihrem eigenen Bericht vom 01.12.2016 [3]. In diesem stellte sie auch fest, dass sich eine Kastration mittels Impfung „hinsichtlich des kalkulatorischen Gewinns so gut wie nicht unterscheidet“, die Ebermast sich sogar positiv auf die Kosten auswirken könne. Von den Bauernverbänden vorgebrachte Einwände, wonach eine Umstellung das wirtschaftliche Ende zahlreicher kleiner und mittlerer Betriebe bedeute, sind für PETA bloße Vorwände, um eine vorübergehende Umstellungsphase noch weiter hinauszuzögern.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere nicht dazu da, dass wir sie essen oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Tierrechtsorganisation fordert einen Wandel hin zu einer veganen Lebensweise und bioveganer Landwirtschaft Veganer führen nicht nur ein gesünderes Leben, jeder Einzelne bewahrt auch bis zu 50 Tiere pro Jahr vor dem Tod in Tierfabriken, Schlachthöfen oder auf Fischerbooten. Mit PETAs kostenlosem Veganstart-Programm gelingt der Umstieg auf eine rein pflanzliche Ernährung spielend leicht.

 

[1] https://www.bundestag.de/blob/579398/19a7e70e439be47a3fea34af8f2c3214/stellungnahme-einzelsachverstaendiger-prof--dr--buelte-data.pdf.

[2] http://www.tfvl.de/wp-content/uploads/2018/10/PM_Betaeubungslose-Ferkelkastration-ist-verfassungswidrig.pdf.

[3] Bericht der Bundesregierung über den Stand der Entwicklung alternativer Verfahren und Methoden zur betäubungslosen Ferkelkastration gemäß § 21 des Tierschutzgesetzes, S. 24, abrufbar unter https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz/Regierungsbericht-Ferkelkastration.pdf?__blob=publicationFile.

 

Weitere Informationen:

PETA.de/Ferkelkastration-Petition

 







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