Tauziehen um Deutschlands letzten Menschenaffen im Zirkus geht in die letzte Runde:


Bei Circus Belly muss Robby sein Dasein alleine in einem Käfigwagen fristen. / © PETA Deutschland e.V.

08.09.18
UmweltUmwelt, Kultur, Bewegungen 

 

Oberverwaltungsgericht Lüneburg entscheidet am 8. November über Robbys Umzug zu Artgenossen

Von PETA

Auffangstation statt Zirkusmanege? Seit 2011 setzt sich die Tierrechtsorganisation PETA für die Rettung des letzten Menschenaffen in einem deutschen Zirkus ein. Jahrzehntelang stellt Circus Belly den Schimpansen nun schon zur Schau und unterschreitet die Haltungsrichtlinien des Bundesagrarministeriums um ein Vielfaches. Am 8. November um 10:00 Uhr wird das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg entscheiden, ob der laut Gutachter etwa 42-jährige Robby in eine Auffangstation umziehen darf. Das Veterinäramt des für den Zirkus zuständigen Landkreises Celle, die Experten der Auffangstation Animal Advocacy and Protection (AAP) und der vom Verwaltungsgericht Lüneburg als Gutachter bestellte Schimpansenexperte sehen gute Chancen für eine erfolgreiche Rehabilitation. Eine Biologin und ein Justiziar von PETA werden dem Verfahren vor Ort als Beobachter beiwohnen.

 

„Dass das Wohlergehen von Robby für Zirkusdirektor Köhler an erster Stelle steht, ist ein typisches Zirkusmärchen. Wäre dem so, hätte er den Menschenaffen schon vor vielen Jahren an die Auffangstation übergeben, statt ihn in einem kleinen Anhänger quer durch Deutschland zu karren und in einem lächerlichen Frack vor johlendem Publikum Roller fahren zu lassen“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „In Wahrheit wird der Schimpanse als Publikumsmagnet missbraucht.“

 

In der Auffangstation AAP in den Niederlanden hätte Robby die Chance, sein restliches Leben mit Artgenossen zu verbringen. Die Einrichtung ist seit mehr als 25 Jahren auf die behutsame Rehabilitation traumatisierter und einzeln gehaltener Schimpansen aus Zirkusbetrieben spezialisiert und hatte Zirkusdirektor Köhler in der Vergangenheit in einem Brief ebenfalls gebeten, den Menschenaffen umziehen zu lassen, weil es das Beste für ihn sei.

 

Behörden schauten jahrzehntelang weg

 

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht da, um uns zu unterhalten. Die Tierrechtsorganisation kritisiert, dass die Behörden jahrzehntelang untätig waren und die tierschutzwidrige, illegale Haltung nicht schon früher beendeten. Erst nachdem sich mehr als 77.000 Menschen an PETAs Onlinepetition an das zuständige Kreisveterinäramt Celle beteiligten, verfügte die Behörde nach der Auswertung mehrerer Gutachten Ende 2015 die Überführung des Menschenaffen in eine spezialisierte Auffangstation. Gegen die Verfügung reichte der Zirkus Beschwerde ein. Im April 2017 entschied das Verwaltungsgericht Lüneburg, dass Robby in eine Auffangstation umziehen darf. Zirkusdirektor Köhler legte jedoch Berufung gegen das Urteil ein. Ohne Köhlers Verzögerungstaktik hätte Robby schon vor vielen Jahren mit anderen Schimpansen vergesellschaftet werden können.

 

Eklatante Verstöße gegen Richtlinien zur Schimpansenhaltung

Laut den Mindestanforderungen des Bundesagrarministeriums für eine artgerechte Schimpansenhaltung müsste Robby ein mindestens 400 Quadratmeter großes, reich strukturiertes Gehege zur Verfügung stehen [1]. Bei Circus Belly wird er jedoch die meiste Zeit in einem Lkw-Anhänger gehalten. Selbst wenn sämtliche Gittergehege aufgebaut sind und die Außentemperaturen den Zugang zu diesen erlauben, handelt es sich lediglich um etwa 60 Quadratmeter. Ausreichend Kletter-, Beschäftigungs- und Versteckmöglichkeiten gibt es ebenfalls nicht. Renommierten Experten zufolge sind Menschen zudem keine adäquaten Sozialpartner für einen Menschenaffen. Schimpansen sind hochsoziale Tiere, die für ein erfülltes Leben den Kontakt zu Artgenossen benötigen. In der Natur leben sie in Gruppen mit komplexer Sozialstruktur, die zeitweise mehrere Dutzend Tiere umfassen können Der Lebensraum von Schimpansen umfasst in den Waldgebieten Afrikas bis zu 50 Quadratkilometer, in Savannen kann er sogar weitaus mehr betragen.

 

[1] BMEL (2014): „Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“. Online unter: www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz/GutachtenLeitlinien/HaltungSaeugetiere.pdf?__blob=publicationFile.







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