Im Wald miaut es wieder


Bildmontage: HF

26.07.18
UmweltUmwelt, Baden-Württemberg 

 

Von Universität Freiburg

Die Wildkatze ist zwar zurück in Baden-Württemberg, bleibt aber gefährdet – Biologin Sabrina Streif über den fragilen Lebensraum des Wildtiers 2018

Der Weltkatzentag am 8. August naht – und die Europäische Wildkatze besiedelt heute wieder Gebiete, in denen sie lange verschwunden war. „In Baden-Württemberg galt die Wildkatze seit 1912 als ausgestorben“, sagt Biologin und Doktorandin Sabrina Streif von der Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement der Universität Freiburg. Erst mit zwei Totfunden in der Rheinebene seien 2006 und 2007 Hinweise auf die Rückkehr der Wildkatze gefunden worden. „Es folgte ein Forschungsprojekt über das Raum-Zeit-Verhalten der Wildkatzen in der zersiedelten Landschaft der Rheinauen und des Kaiserstuhls, das das Vorkommen einer sich ausbreitenden Wildkatzenpopulation bestätigte“, erläutert Streif. Der Erfolg einer langfristigen Wiederbesiedelung der Wildkatze in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet hänge jedoch maßgeblich von der Vielfalt der Waldlebensräume sowie deren Vernetzung ab.

Jahrzehntelang habe es keine sicheren Nachweise für Wildkatzen im Südwesten Deutschlands gegeben – lediglich vereinzelte Sichtbeobachtungen und wildkatzenverdächtige Totfunde, die sich im Nachhinein aber als Hauskatzen entpuppten. Heute seien einige Wälder Baden-Württembergs wieder von Wildkatzen, die auch als „Waldkatze“ bezeichnet werde, bewohnt. „Strukturreiche Laub- und Mischwälder sind die bevorzugten Lebensräume der Wildkatze, die sich vereinzelt auch in Nadelwäldern und auf offenen Feldern niederlassen.“ Letzteres sei vor allem dem Verlust und der Verschlechterung des geeigneten Lebensraumes geschuldet. „Auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen fehlt es an Gehölzen wie Hecken, Büschen und Sträuchern, aber auch die auf Strukturarmut ausgerichtete Waldbewirtschaftung engt den Lebensraum der Wildkatzen ein.“

Eine weitere Bedrohung sei die vermehrte Mischung zwischen Wild- und Hauskatzen. „Unsere Hauskatzen sind zwar Verwandte der Europäischen Wildkatze, sie stammen jedoch von der Afrikanischen Falbkatze ab. Die beiden Unterarten können sich paaren und Nachkommen zur Welt bringen, die als Hybride oder Blendlinge bezeichnet werden.“ Sie würden jedoch veränderte genetische Merkmale aufweisen, die von den ursprünglichen Merkmalen der Wildkatze mehr und mehr abweichen. „So gehen ursprüngliche Anpassungen der Katzen an die Umwelt verloren, die essentiell für ein Überleben und eine erfolgreiche Vermehrung in der Wildnis sein können.“ Häufen sich die Paarungen zwischen den zwei Arten, könne der Bestand der Europäischen Wildkatze weiter zurückgehen. Hinzu komme die Gefahr durch den Straßenverkehr, der für eine hohe Sterblichkeitsrate verantwortlich sei.

Sabrina Streif ist Doktorandin an der Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg im Arbeitsbereich Wildtierökologie. Thema ihres Promotionsprojekts ist der Einfluss von Landschaftsfragmentierung auf die Überlebensfähigkeit der Wildkatzenpopulationen in Baden-Württemberg.

 







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