Der Kapitalismus und die ‘friedliche’ Atommüllentsorgung im 21. Jahrhundert?


Bildmontage: HF

09.01.18
UmweltUmwelt, Ökologiedebatte, Debatte 

 

Von Reinhold Schramm

»Wie in Schweden steht auch in Finnland nur Kristallingestein als potenzielles Wirtsgestein für die geologische Tiefenlagerung von Atommüll zu Verfügung. Ende 2015 gab die finnische Regierung grünes Licht für den Bau des weltweit ersten „Endlagers“ für hoch radioaktive Abfälle auf der Halbinsel Olkiluoto im Südwesten Finnlands. 6.500 Tonnen Atommüll sollen dort gut 400 Meter unter der Erde in Kupferbehältern deponiert werden. Der Preis für das Endlager wird aktuell mit 3,5 Milliarden Euro angegeben. ( vgl. ippnw)

Endlagerkonzept?

Wie in Schweden ist auch in Finnland geplant, von einer Bentonitbarriere umgebene Kupferbehälter in Kristallingestein einzulagern. Die aktuelle Planung geht von 3.250 Kupferbehältern mit insgesamt rund 6.000 Tonnen verbrauchtem Kernbrennstoff aus. Die eigentliche Einlagerung soll erst nach Ende der Abklingzeit erfolgen, die von den Betreibern mit 20 bis 40 Jahren angegeben wird.

Über die endgültige Eignung einzelner Bohrlöcher für die Einbettung der Kupferbehälter wird erst im Kontext der Einlagerung entschieden, heißt es im Abschlussbericht der deutschen Endlagerkommission von 2016. Maßgeblich sind dabei insbesondere Rissbildung, Wassereintrag, Abstand zu Störungen im Gebirge und die Qualität des Kristallingebirges. Bei guter Gebirgsqualität ist ein Abstand von rund zehn Metern zwischen den einzelnen, acht Meter tiefen Bohrlöchern vorgesehen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass ungeeignete Bereiche umgangen werden müssen.

Es ist vorgesehen, mehrere hundert Löcher in den Fels zu bohren. Die verbrauchten Brennstäbe sollen in einen Kanister aus Gusseisen mit Kugelgraphit gesteckt werden – ein wasserbeständiges Material, das hohem Druck standhalten kann. Dieser Kanister soll wiederum von einem versiegelten, fünf Zentimeter dicken und somit besonders korrosionsbeständigen Kupfermantel umgeben werden. Diese Behälter sollen in die Tunnellöcher geschoben werden. Anschließend sollen die Kammern mit Betonit verschlossen werden. Betonit ist eine Vulkanasche, die u.a. in der Bautechnik als Dichtungsmittel verwendet wird und beim Kontakt mit Wasser aufquillt. ( vgl. ippnw)

Rückholung nicht wirklich vorgesehen

Eine Rückholbarkeit ist grundsätzlich nur während der Einlagerungsphase gewährleistet, „wobei dies einen Rückbau des Bentonits und die Entwicklung geeigneter Bergungstechnik erfordern würde“, betont die deutsche Endlagerkommission in ihrem Abschlussbericht. Die Hürden für eine Rückholung des eingelagerten Atommülls wären also relativ hoch.

Nach Abschluss der Einlagerungsphase, die aus heutiger Sicht etwa 100 Jahre dauern soll, soll das Endlager dann so verschlossen werden, dass eine „unbefugte Rückholung“ möglichst unmöglich gemacht werden soll. Eine autorisierte Rückholung der eingelagerten Abfälle nach erfolgtem Verschluss ist im aktuellen Konzept nicht mehr vorgesehen.« –  Ein Auszug, vgl.

Quelle: Endlager-Bau in Finnland. Von Henrik Paulitz, Referent für Energiepolitik.

www.ippnw.de/atomenergie/atommuell/artikel/de/endlager-bau-in-finnland.html

 

2017: 449 Kernkraftwerke in Betrieb

»Anfang 2017 umfasste der zivile Kernkraftwerkspark der Welt 449 Reaktoren in 31 Ländern. Von den weltweit 60 laufenden Neubauprojekten befinden sich 21 in China. Zehn Einheiten haben 2016 den Betrieb aufgenommen: fünf in China und je eine in Indien, Pakistan, Russland, Südkorea und den USA. Weltweit wurden im vergangenen Jahr insgesamt drei Blöcke stillgelegt. Die elektrische Gesamt-Nettoleistung der weltweit in Betrieb stehenden Kernkraftwerke betrug Ende 2016 rund 391’800 MW. Der Anteil der Kernenergie an der globalen Stromproduktion lag bei rund 11%.

Diese und viele weitere Daten können dem aufdatierten Prospekt «Kernkraftwerke der Welt 2017» entnommen werden, der vom Nuklearforum Schweiz herausgegeben wird. Laufend aktualisierte Informationen rund um die Welt der Kernkraftwerke finden Sie auch auf der interaktiven Plattform nuclearplanet.ch.« – Vgl.

Quelle: www.nuklearforum.ch/sites/default/files/page/Kernkraftwerke_der_Welt_2017.pdf

Kernkraftwerke der Welt. Les centrales nucléaires dans le monde

www.nuclearplanet.ch 2017

 

Studie zu Risiken der Finanzierung von Atomenergie-Kosten

»Im Oktober 2014 hat der BUND die vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) erstellte Studie "Atomrückstellungen für Stilllegung, Rückbau und Entsorgung" veröffentlicht, die die Risiken der aktuellen Rückstellungspraxis aufzeigt und konkrete Reformvorschläge unterbreitet.

Die Studie hat ergeben, dass die Betreiber deutscher Atomkraftwerke in den zurückliegenden Jahrzehnten mit den Rückstellungen für die Atommüllentsorgung Zusatzprofite in Höhe von 79 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Diese Gelder sind jedoch in den Bilanzen und Gewinnen der AKW-Betreiber verschwunden. Der BUND fordert, bei der Einrichtung eines öffentlich-rechtlichen Fonds die voraussehbaren Kostensteigerungen zu berücksichtigen. Der Fonds soll vor allem vorhandene Rückstellungen sichern. Die AKW-Betreiber müssten jedoch auch für zu erwartende Kostensteigerungen haften.« Vgl.

Quelle: www.bund.net/atomkraft/atommuell/folgekosten/

 

09.01.2018, Reinhold Schramm (Zusammenfassung)







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