Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche


21.04.17
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Ein Ausstiegsplan ist überfällig

Von Menschen für Tierrechte

Zum diesjährigen Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche am 24. April stellt der Bundesverband Menschen für Tierrechte fest, dass die EU-Mitgliedstaaten dem vereinbarten Ziel (1), Tierversuche vollständig zu ersetzen, immer noch nicht näher gekommen sind. Statt eine Gesamtstrategie zu verfolgen, handelten Politik, Wissenschaft und Industrie noch immer nach ihren eigenen Vorstellungen. Diese Mischung aus Chaos und Untätigkeit muss nach Ansicht des Verbandes dringend beendet werden Der niederländische Abbauplan für Tierversuche müsse ein Weckruf sein.

"Am Masterplan führt kein Weg vorbei. Nur er kann die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden voranbringen. Ohne einen systematischen Abbauplan kann der geplante Ausstieg aus dem Tierversuch nicht gelingen. Die Politik steht in der Pflicht, gemeinsam mit Vertretern aus Wissenschaft, Industrie, Behörden und Tierschutz, diesen Plan zu erstellen und umzusetzen. Zu den Landtagswahlen und der Bundestagswahl wollen wir von den Parteien wissen, ob sie diesen Masterplan endlich in Angriff nehmen", so Dr. Christiane Baumgartl-Simons, stellvertretende Vorsitzende vom Bundesverband Menschen für Tierrechte.

Bisher haben nur die Niederlande einen Abbauplan für Tierversuche entwickelt (2). Die Planung unterteilt die Tierversuche in unterschiedliche Bereiche und beurteilt ihre Reduktionsmöglichkeit bis zum Jahr 2025. Danach könnten Tierversuche für regulatorische Sicherheitstest für Chemikalien, Lebensmittelzusätze, Pestizide und Tier- und Humanmedizinprodukte unter Einhaltung des gleichen Sicherheitsniveaus bis 2025 beendet werden. Bis dahin müssten jedoch mehrere komplexe tierversuchsfreie Tests (3) entwickelt werden. Es sei nicht sicher, ob dies bis 2025 erreicht werden könne.

Für den Tierrechtsverband ist der niederländische Abbauplan für Tierversuche ein notwendiger Weckruf. Bisher habe sich noch kein EU-Mitgliedstaat positiv zu diesem Plan geäußert. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) verwies sogar auf die Unverzichtbarkeit der Tierversuche in der Grundlagenforschung und unterstützt damit den Standpunkt der Allianz der Wissenschaftsorganisationen (4).

"Statt zu spalten, müssen alle Kräfte gebündelt werden, um die noch fehlenden Verfahren für die regulatorischen Sicherheitstest zu entwickeln. Dieser Bereich muss so schnell wie möglich tierversuchsfrei geprüft werden. Dabei ist es zweitrangig, ob der Ausstieg 2025 oder später erfolgt Das Ende der Tierversuche in der Grundlagenforschung steht im Plan der Niederlande gar nicht zur Diskussion. Die Kritik der DFG ist damit gegenstandslos", stellt Baumgartl-Simons fest.

Nach Ansicht des Verbandes muss der zu erstellende Masterplan in erster Linie Einzelmaßnahmen zur Förderung der neuen Methoden enthalten, wie die Erhöhung der Forschungsgelder für tierfreie, humanspezifische Verfahren, die Ausweitung von Lehre und Forschung in diesem Bereich sowie eine Verkürzung der Prüf- und Anerkennungsverfahren für tierversuchsfreie Verfahren. Für die notwendige Erfolgskontrolle sei zudem unabdingbar, die Zunahme tierversuchsfreier Verfahren zu dokumentieren. Parallel hierzu müsste schnellstens ein Handbuch erarbeitetwerden, damit die vom Tierschutzgesetz geforderte Unerlässlichkeit und ethische Vertretbarkeit eines Tierversuchs nach wissenschaftlichen Regeln festgestellt werden kann.

(1) 2010 haben die EU-Mitgliedstaaten vereinbart, Verfahren mit lebenden Tieren für wissenschaftliche Zwecke und Bildungszwecke vollständig zu ersetzen, sobald dies wissenschaftlich möglich ist (Richtlinie 2010/63/EU, Erwägungsgründe 10, 46, Artikel 47 Absatz 1).

(2) Abbauplan der Niederlande unter: www.ncadierproevenbeleid.nl

(3) Insbesondere tierversuchsfreie Tests und Teststrategien zur Feststellung  der Langzeittoxizität, Inhalationstoxizität, Entwicklungstoxizität, Reproduktionstoxizität, Immuntoxizität fehlen.

(4) Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen befasst sich mit Fragen der Wissenschaftspolitik, Forschungsförderung und strukturellen Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems. Mitglieder der Allianz sind die Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, die Hochschulrektorenkonferenz, die Leibniz-Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Wissenschaftsrat. Infos unter: www.tierversuche-verstehen.de und www.tierversuche-verstehen.de/heldmaier-interview







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