WANTED: foodwatch startet Fahndungsaktion nach 70.000 Tonnen "Separatorenfleisch"

30.04.14
UmweltUmwelt, Wirtschaft, Bewegungen, TopNews 

 

von foodwatch e.V.

Billiges Restfleisch ohne Kennzeichnung im Handel?


Rund 70.000 Tonnen Separatorenfleisch werden in Deutschland jedes Jahr verarbeitet - doch niemand erfährt, in welchen Lebensmitteln dies- es billige, mechanisch vom Knochen abgelöste Restfleisch landet.

Trotz Kennzeichnungspflicht finden sich kaum Produkte mit dem Hinweis auf "Separato- renfleisch" im Handel. foodwatch hat heute einen Fahndungsaufruf nach den versch- wundenen zigtausend Tonnen gestartet:
Über die Internetseite www.foodwatch.de/separatorenfleisch sammelt die Verbraucher- organisation auch anonym Hinweise darüber, welche Anbieter Separatorenfleisch verwenden, ohne es auf der Verpackung oder Speisekarte zu kennzeichnen.

Bei verpackten Produkten muss laut Gesetz die Zutat "Separatorenfleisch" ausgewiesen werden. In den vergangenen Jahren wurden jedoch etliche Betrugsfälle bekannt, in denen die Restware undeklariert in den Handel kam. Gegenüber foodwatch äußerten Branchen-Insider den Verdacht, dass regelmäßig und im großen Stil Separatorenfleisch ohne Kennzeichnung für Lebensmittel wie Würste oder Buletten verwendet werde.

Fakt ist: Nach offiziellen Angaben werden in Deutschland pro Jahr rund 70.000 Tonnen Separatorenfleisch verarbeitet. In einer intensiven Recherche hat foodwatch versucht zu rekonstruieren, wo es landet - ohne Erfolg. Im Einzelhandel gibt es allenfalls einzelne Produkte mit dem Hinweis "Separatorenfleisch".

foodwatch-Anfragen beim Bundesernährungsministerium, dem Bundesamt für Verbrauch- erschutz und Lebensmittelsicherheit, bei den 16 zuständigen Ministerien der Bundes- länder, bei Verbänden der Fleischindustrie sowie dem Deutschen Hotel- und Gaststätt- enverband, bei Separatorenfleisch- und Tiernahrungs-Herstellern sowie bei führenden Anbietern der Systemgastronomie (wo es keine gesetzliche Deklarationspflicht gibt) brachten keine Klarheit: Vereinzelte Hinweise erklären nur einen Bruchteil der gesuchten Menge - über den Verbleib der Massen an Separatorenfleisch kann oder will niemand Auskunft geben.

"Keiner in der Lebensmittelbranche will mit Separatorenfleisch etwas zu tun haben - aber 70.000 Tonnen pro Jahr können sich nicht in Luft auflösen", erklärte Luise Molling von foodwatch. "Wenn einfach tausende Tonnen Restfleisch wie in einem schwarzen Loch verschwinden können, zeigt das einmal mehr, wie intransparent der Fleischmarkt ist - und wie anfällig für Betrug und dunkle Geschäfte."

Werden bei der Produktion alle Vorgaben eingehalten, ist die Verwendung von Separato- renfleisch gesundheitlich unbedenklich. Die Herstellung ist allerdings hygienisch beson- ders sensibel und das abgelöste und zerkleinerte Fleisch ist - ähnlich wie Hackfleisch - anfälliger für mikrobakterielle Verunreinigungen. Für Lebensmittelhersteller ist der Anreiz groß, Separatorenfleisch ohne Kennzeichnung einzusetzen: Es ist im Schnitt zwei bis fünf Mal günstiger als gewachsenes Muskelfleisch, kann aber durch die amtlichen Lebensmittelkontrollen im Labor nur schwer nachgewiesen werden.

Aus den verschollenen jährlich 70.000 Tonnen Separatorenfleisch ließen sich rund zwei Milliarden Bockwürstchen herstellen - eine Würstchenkette, die sieben Mal um die Erde reicht. Das entspricht einer Kolonne von fast 13.000 Lkw. "Das verschwindet einfach im Nirwana", sagte ein Branchen-Experte im Zuge der Recherche. Luise Molling von foodwatch: "Das Gerede von einer funktionierenden Überwachung des Fleisch- markts ist blanker Hohn. Der Fleischmarkt lädt geradezu ein zum Betrügen und Täuschen. Die Lebensmittelbehörden interessiert das offensichtlich wenig."

In Deutschland werden nach Angaben der Europäischen Union jedes Jahr etwa 130.000 Tonnen Restfleisch maschinell mit Hilfe von Druck vom Knochen gelöst. Etwa 60.000 Tonnen dieses Separatorenfleischs werden exportiert, die übrigen rund 70.000 Tonnen bleiben im Land. Seit dem BSE-Skandal dürfen nur noch Gerippe von Schwein, Huhn oder Pute zur Gewinnung von Separatorenfleisch verwendet werden.

Link:
foodwatch-Kontaktformular für anonyme Hinweise auf die Verwendung von Separato- renfleisch in der Lebensmittelwirtschaft:
www.foodwatch.de/separatorenfleisch

Redaktionelle Hinweise:
Dokumentation der foodwatch-Suche nach den verschwundenen 70.000 Tonnen Separatorenfleisch:
bit.ly/1klJPqF
Hintergrundpapier - Fragen und Antworten zum Thema Separatorenfleisch:
bit.ly/1m1SH8I
- Infografiken zum Download:
bit.ly/18vw18n


VON: FOODWATCH E.V.






<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz