Chemische Keule kontra menschliche Existenz

14.10.12
UmweltUmwelt, Soziales, Wirtschaft, TopNews 

 

von Kurt Wolfgang Ringel

Das freigeistige Wort zum Sonntag, den 14.10.2012

"Pflanzenschutz" - ein fast lyrisches Wort. Und das könnte es auch sein, wenn man dabei an Hege und Pflege denken könnte. Pflanzenschutz steht aber für Gewinnmaximierung, für knall- harte (land-)wirtschaftliche Interessen.

Pflanzenschutz steht für massenhaft makelloses Obst und Gemüse, massenhaft nachwachsende Rohstoffe und massenhaft Getreide. Und sagenhafte Gewinne für die chemische Industrie.

Das also ist daraus geworden, als es hieß, dass wir uns die Welt untertan machen sollten. Gemeint war: Wir sollten nur in und von ihr leben dürfen. Nicht gemeint war, sie zu quälen und auszubeuten.

Pflanzenschutz musste erfunden werden, weil es der Mensch mit seiner Gier nach Nahrung und neuerdings auch Energie maßlos übertreibt. Aber Gier macht achtlos. Und nach Achtlosigkeit kommt Hilflosigkeit - und in diesem Fall folgte der Ruf nach - Pflanzenschutz. Wie erbärmlich.

Vor allem: wie zweischneidig. Einerseits ermöglicht der Pflanzenschutz die Fortsetzung der Maßlosigkeit, andererseits fühlen wir uns an Leib und Leben vom chemischen Pflanzenschutz bedroht. Niemand ist da, der es wagt, in die Speichen zu greifen, um dieses Rad aufzuhalten. Die Weltwirtschaft hängt nämlich davon ab. Das Leben? Nebensache.« [1]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

im Herbst finden ungezählte Feste und Feiern statt, die den Erfolg des landwirtschaftlichen Jahres zum Inhalt haben. Dankfeste nennen es die Kirchen, den Menschen ist es überwiegend zu einem Volksfest geworden, auch Kirmes genannt. Nach erfolgreicher Arbeit wollen besonders die Menschen auf dem Lande feiern. Ein Blick in Literatur und in das Internet bietet viele interessante Beiträge. Seit die Menschen Ackerbau betreiben, gibt es auch Erntefeste. Der Mensch zeigt sich erkenntlich für die Ernte des Jahres. Dabei ist es zweitrangig, wem sie dafür danken. Wesentlicher war und ist doch, das die (und alle!!) Menschen bis zur nächsten Ernte satt genug zu Essen und zu Trinken haben.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

sicher fragen Sie sich, was Atheisten, was Freidenker mit den Erntefesten zu tun haben. Uns als Nichtgläubige muss die Natur ebenfalls am Herzen liegen. Schließlich ist die Natur der biologische Lebensraum für alle Menschen. Aber ich will den Erntedank-Tag treffender als Tag der Besinnung definieren. An diesem Tage, und nicht nur an diesem, sollten wir daran denken, wie wir der Zerstörung der Erde entgegenwirken können. Das Zitat am Anfang, welches sich auf einen Teil der Naturschädigung bezieht, zeigt uns doch sehr deutlich, welches die Ursachen für das maßlose menschliche Verhalten sind. Vom Denken und Besinnen müssen wir hin zum Nachdenken kommen, was Nahrung für den Menschen bedeutet. Sagte nicht Ludwig Feuerbach: „Der Mensch ist, was er isst.“ [2]

Die Geschichte kennt Beispiele von Menschen, die für uns Pioniere sind, was den Umgang mit der Natur betrifft: »1845. Mit 28 Jahren geht Henry David Thoreau an den Walden-See in den Wäldern von Massachussetts. Es beginnt ein Experiment: fern aller Zivilisation im Einklang mit der Natur zu sein. Das Buch »Walden. Ein Leben mit der Natur« wird zur Chronik dieses radikalen Umdenkens – ein Klassiker des Traums von der wahrhaft einfachen Existenz.« [3]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wir Freidenker sind also nicht allein. Wir wissen alle Menschen an unserer Seite, die vielleicht nicht alle unsere Meinungen teilen, die aber analoge Ziele wie wir haben. Denken wir nur an die Tierschützer, und an die Bewahrer der natürlichen Umwelt. Ebenso denken wir an die Aktivisten, die Garten- und Landwirtschaft auf umweltverträgliche Art und Weise betreiben. Dazu gehören der Schutz und die Bewahrung von älteren Obstsorten ebenso wie der Schutz und die Hege älterer Tierrassen. Auch sie sind unersetzbare Kulturgüter. Menschen, die dies tun, sind wichtige Verbündete für alle, die selbstbestimmt denken und handeln wollen. Sie haben uns die Praxis voraus!

In der Kirche lernten viele von uns Menschen: Macht euch die Erde untertan.“ Wie verlogen solch ein Gedanke doch ist. Freie Menschen wollen keinen Sklaven, der Natur heißt. Und wer die Natur maßlos ausbeutet, ist auch nur Sklave seiner selbst. Nur alle die Menschen sind frei, die allen anderen ebenfalls Freiheit gewähren. Solche Menschen sehen in der Natur ihre Schwester. Eine Schwester, die ihren Brüdern, den Menschen, hilfreich zur Seite steht. Und will der Mensch glücklich und zufrieden leben, so kann er es nur gemeinsam mit seiner Schwester und nicht gegen sie!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in dem Worte von Jean Paul steckt sehr viel Wahrheit. Denn, was er vom Menschen sagt, gilt für unsere Nahrung im besonderen: „Unter den Menschen und Borsdorfer Äpfeln sind nicht die glattesten die besten, sondern die rauhen mit einigen Warzen.“ [4]

Das Erntedankfest sollte zum Erdedankfest werden. Das soll ein Fest sein, dem Gedanken zugeordnet werden, wie der Mensch mit Natur und Umwelt, wie er mit der Erde umgeht. Es sollte Anlass sein, unser Verhalten im Umgang mit der Natur überprüfen. Und – vor allem ändern.

Wir möchten diese Stelle nutzen, um allen Menschen danken, die sich für den Erhalt und für den Schutz der Natur einsetzen. Ihnen gehört vor allem unser Ernte-Dank. Sie sind die Aktivisten, die der Menschheit den Weg in eine neue Lebensweise aufzeigen: in das FREIE LEBEN!

QUELLEN:

[1] Wir Maßlosen; Thomas Parr zum Problem des Pflanzenschutzes: In: Braunschweiger Zeitung vom 14. September 2012
[2] Ludwig Feuerbach in seiner Anzeige von Moleschotts »Lehre der Nahrungsmittel für das Volk« (1850): weiter ausgeführt in der Abhandlung »Das Geheimnis des Opfers« im 10. Bandes der Werke; auch Brillat-Savarin in seiner »Physiologie do goût« und noch früher Paracelsus in seinem zweiten »Opus Paramirum«
[3] »Henry David Thoreau und seine Suche nach den wesentlichen Dingen des Lebens/ Gedicht der Schöpfung« von Alexander Pechmann. In: Neues Deutschland vom 12./13. Mai 2012
[4] Jean Paul (eigentlich Jean Paul Friedrich Richter; 1763 – 1825), deutscher Schriftsteller

Ich wünsche uns allen ein sehr kritisches und nachdenkliches Wochenende.
Mit menschlichen Grüßen
Kurt Wolfgang Ringel

 

 

 

 

 


VON: KURT WOLFGANG RINGEL






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