BBU warnt vor unterirdischer Kohlendioxidspeicherung: Lebensgefahr und trotzdem Klimagefahr


In einer Pipeline möchte RWE Kohlendioxid bis nach Schleswig-Holstein transportieren und dort im Boden lagern.

01.09.08
UmweltUmwelt, Wirtschaft, Bewegungen, TopNews 

 

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. (BBU) spricht sich gegen die Planungen von RWE zum Bau eines Braunkohlekraftwerks in Hürth und zur Abscheidung, Transport und Speicherung von Kohlendioxid (CO2) aus. Die Gasunfälle in NRW in den letzten Wochen haben gezeigt, dass das Austreten von CO2 das Leben der Anwohner gefährdet.
Um trotz der Klimagefahren weitere Kohlekraftwerke bauen zu dürfen, plant RWE das bei der Verbrennung im geplanten neuen Braunkohlekraftwerk in Hürth entstehende CO2 abzuscheiden und im Untergrund in Schleswig-Holstein einzulagern. Der Transport soll in einer noch zu erstellenden Röhre erfolgen. Diese Technologie ist nicht humanverträglich da es das Leben massiv gefährdet. Menschen können Kohlendioxid nicht wahrnehmen, da es farb-, geruch-und geschmacklos ist. Beim Gasunfall in Mönchengladbach Mitte August wurden selbst Feuerwehrleute durch das Gas überrascht und ohnmächtig. Nur durch schnelles Eingreifen der Rettungskräfte konnte ihr Tod verhindert werden. Doch nicht nur dem Menschen wird bei CO2-Freisetzungen der Sauerstoff zum Leben genommen, sondern auch die Motoren bleiben stehen.
Werden weite Flächen durch unkontrolliertes Austreten von CO2 verseucht, sind Rettungsmaßnahmen fast unmöglich, da die Fahrzeuge der Rettungskräfte nicht mehr funktionieren. „Derartige Gefahren einzugehen, um die verfehlte Energiepolitik der Großkonzerne zu kaschieren ist Unsinn. Gerade die Abscheidung von CO2 im Kraftwerksbereich und sein Transport durch lange Rohrleitungen mit den notwendigen Verdichterstationen birgt Gefahren für unkontrolliertes Austreten von Kohlendioxid,“ so Dipl.-Phys. Harald Gülzow, Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand des BBU.
Auch ist die unterirdische Speicherung von CO2 eine gefährliche Sackgasse. Niemand kann garantieren, dass dieses hochbrisante Gas in den nächsten Tausenden von Jahren nicht wieder an die Oberfläche kommt. Es ist Fakt, dass seine Gefährlichkeit für menschliches und tierisches Leben nicht abnimmt. Möglich ist, dass das allmähliche Ausgasen aus unterirdischen Depots den gewünschten klimapolitischen Effekt zunichte macht.
Noch weit gefährlicher wäre ein plötzliches Zutagetreten des unterirdisch gespeicherten Kohlendioxids. Dadurch können hohe CO2-Konzentrationen in den oberirdischen, bodennahen Schichten erreicht werden, die alles menschliche und tierische Leben ersticken. Im August 1986 setzte der Nyos-See in Kamerun schlagartig rund 1,6 Millionen Tonnen CO2 frei. Das Gas strömte in nördliche Richtung in zwei naheliegende Täler und tötete Menschen und Tiere in bis zu 27 km Entfernung vom See. Etwa 1700 Menschen und Tausende von Tieren verloren ihr Leben. Die Ursache für diese Gasfreisetzung ist nicht bekannt. Daher wurden nach der Katastrophe die betroffenen Dörfer evakuiert und die Region zum Sperrgebiet erklärt.
Aus Erfahrungen bei der Erdgasförderung weiß man, dass Erdbeben im Bereich der Lagerstätte durch Druckänderung immer auftreten können. Durch entstehende Risse oder beschädigte Bohrlöcher kann das Gas an die Oberfläche gepresst werden. Schon gar nicht kann man für die nächsten Tausende von Jahren das geologische Verhalten der Endlager vorhersagen.
Der BBU fordert deshalb alle Bürger zum Widerstand sowohl gegen das neue Braunkohlekraftwerk in Hürth, als auch gegen die Planungen zur Abscheidung, zum Transport und zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid auf.







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