Ratingagenturvorhaben Roland Berger: Im Interesse der Banken


27.01.12
UmweltUmwelt, Wirtschaft, TopNews 

 

von Deutsche Umweltstiftung

Die von der Unternehmensberatung Roland Berger angekündete Gründung einer europäischen Ratingagentur stößt bei der Deutschen Umweltstiftung und Experten aus der nachhaltigen Finanzbranche auf Ablehnung.

Die Gründe sind, so Jörg Sommer, Vorsitzender der Deutschen Umweltstiftung: „Fehlende Nachhaltigkeit, mangelnde Transparenz und ein massiver Interessenkonflikt. Die Politik darf diesem neo-liberalen Vorstoß auf keinen Fall Legitimität verschaffen.“

Diesem Vorstoß von Berger setzt die Deutsche Umweltstiftung ihren Ansatz einer gemeinnützigen, unabhängigen nach Kriterien der Nachhaltigkeit wertenden Ratingagentur (ENRA) entgegen.

Roland Berger plant eine gewinnorientierte Stiftung mit Sitz in Holland, die ausgerechnet durch Banken und Versicherungen mit 300 Millionen Euro finanziert sein soll. Dazu der nachhaltige Finanzexperte Volker Weber, Vorstandsvorsitzender des Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG), und Mitglied im Steering Committee von ENRA: "Ich sehe hier keine Unabhängigkeit und Neutralität, denn die Finanzindustrie beurteilt sich selbst mit diesen Ansatz. Für mich bedeutet dies eine gewinnorientierte Eigenaufsicht der Finanzindustrie.“

Eine Ratingagentur, die Banken raten will, soll durch Banken, für die die Bürger mit Milliarden haften, finanziert werden. Das kann nicht ein Modell für eine alternative Ratingagentur sein, die das herrschende Oligopol der großen drei Ratingagenturen strukturell inhaltlich herausfordern könnte. Es ist nur ein "more of the same", welches die Politik und die Gesellschaft in Geiselhaft im Namen des Profits nehmen wird. Ein Profit, für den der Bürger haftet. So wollen aktuell Hedgefonds vor dem Europäischen Gerichtshof das Recht auf Profit als Menschenrecht einklagen. Dies womöglich mit Expertise und Unterstützung einer europäischen Ratingagentur a la Berger.

Die geplante Berger-Agentur weist für die Deutsche Umweltstiftung folgende Schwachpunkte auf:

- ein verlängerter Arm der nicht nachhaltigen Finanzindustrie - keine Unabhängigkeit - kein nachhaltiger Ansatz - neo-liberale Gewinnorientierung - massiver Interessenkonflikt

"Ein "Finanz-TÜV", geplant und gemacht von jenen, die die Krise mit verursacht haben, ist absurd und unglaubwürdig.", so Dr. Christian Neugebauer, Hauptstadtrepräsentant der Deutschen Umweltstiftung und Koordinator von ENRA.

"Man stelle sich vor: Die Automobilindustrie würde eine KFZ-Stiftung gründen, um die Qualität ihrer Produkte zu beurteilen und gleich auch noch die Zulassung besorgen. Das ist absurd.", so Harry Assenmacher, Geschäftsführer von ForestFinance und Mitglied im Steering Committee für ENRA.

Das alternative ENRA-Projekt erfährt breite Unterstützung von zahlreichen Mitgliedern des Bundestages wie Lothar Bindung, Edelgard Buhmann, Klaus Brandner, Sylvia Kotting-Uhl, Bettina Herlitzius oder Hermann Ott sowie prominenten Vordenkern der Nachhaltigkeit wie Heiner Geißler, Ernst Ulrich von Weizsäcker oder Erhard Eppler, die mit weiteren rund 600 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, NGOs & Zivilgesellschaft sowie gewerkschaftlichen und kirchlichen Kreisen eine gemeinnützige, nachhaltige Ratingagentur (ENRA) fordern.

"Die Politik ist gefordert, eine Gründungskonstruktion wie von Berger geplant die Rote Karte zu zeigen.", so Christian Neugebauer,"Wir können nicht dulden, dass sich jene, deren Produkte geratet werden sollen, über eine gewinnorientierte Stiftung ihre eigene Ratingagentur schaffen und als unabhängig ausgeben wollen. Die einzige Unabhängigkeit, die tatsächlich gegeben ist, ist die Unabhängigkeit von den Interessen der Bürger und vom Gemeinwohl."






VON: DEUTSCHE UMWELTSTIFTUNG






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