Russische Miliz schützt rechtsradikale Demonstration – weitere Einschüchterungen gegen Antifaschisten – erneut Waldschützer in Chimki brutal überfallen

04.11.10
UmweltUmwelt, Internationales, TopNews, Antifaschismus 

 

von Bernhard Clasen

Wieder haben sich russische Ultrarechte am 4. November, dem „Tag der Einheit des Volkes“, mitten in Moskau zusammengerottet, um mit einem „russischen Marsch“ gegen Fremde, für ein „Russland für die Russen“, gegen Homosexuelle und Lesben zu protestieren. Dieses Mal war die Demonstration von den Behörden genehmigt. Und noch nie waren es so viele gewesen, wie dieses Mal: 5000 sollen es nach Angaben der Miliz gewesen sein, fünfzehn Tausend nach Angaben der Veranstalter. Viele sind entsetzt über dieses Ausmaß. Diese Demonstration war um ein Mehrfaches größer als Anhänger von liberalen Reformen jemals in Russland auf die Straßen hatten bringen können, so der BBC in seinem russischsprachigen Dienst.

Die vorwiegend jugendlichen Demonstranten brüllten in Sprechchören gegen Migranten und Fremde, Homosexuelle und Nichtchristen.

Aufgerufen zu der Demonstration hatten unter anderem die „Bewegung gegen illegale Migration“, die „Slawische Kraft“ (in russischer Abkürzung: SS) und andere nationalistische Gruppen. Die „Slawische Kraft“ ist in ganz Russland verboten.

Einer der Redner, Georgij Borowikow von der Gruppe „Pamjat“, drückte in seiner Rede seine Überzeugung aus, dass in Russland bald die Nationalisten an die Macht kämen und es an der Zeit wäre, sich auf diesen Machtwechsel vorzubereiten.

„Derzeit bilden wir in unseren Reihen Sonderstreifen von Bürgern. Diese werden die Grundlage der zukünftigen russischen Volksmiliz sein“ so Borowikow laut russischem Service von BBC. „Und diese Miliz wird auf unserer heiligen russischen Erde für Ordnung sorgen“.

Auf wessen Seite die Behörden stehen, ist unschwer zu erkennen. Während die Demonstration der Rechten genehmigt worden ist – 2008 noch hatten sich die Behörden geweigert, die Genehmigung zum „Russischen Marsch“ zu erteilen – hatten St. Petersburger Antifaschisten, die eine Gegenveranstaltung unter dem Motto „Schützen wir die Stadt vor dem Faschismus“ geplant hatten, Besuch von der Extremismus-Abteilung der Miliz erhalten. Dabei sind einige der Antifaschisten von den Milizionären misshandelt worden, berichten die „Initiative Kollektives Handeln“ (ikd.ru) und „kasparov.ru“. Trotzdem fand die Aktion der St. Petersburger Antifaschisten mit 100 Teilnehmern dann am 4. November statt, berichtet „antifa.ru“.

Unterdessen erreichen uns besorgniserregende Nachrichten aus der Moskauer Vorstadt Chimki. Am Donnerstag wurde der Waldschützer Konstantin Fetisow von Unbekannten so schwer zusammengeschlagen, dass er wegen einer Gehirnerschütterung derzeit in einem Moskauer Krankenhaus behandelt wird. Dies berichtet der Radiosender „Echo Moskau“. Noch einen Tag vorher hatte Fetisow eine Protestveranstaltung gegen die Rodungen des Waldes von Chimki geleitet. „Es war fast genau auf den Tag vor zwei Jahren nach dem Überfall auf den damaligen Sprecher der Waldschützer, Michail Beketow, dass sie Konstantin zusammengeschlagen haben“ teilte Jewgenija Tschirikowa, seit zwei Jahren die Sprecherin der Waldschützer von Chimki, „scharf-links“ telefonisch mit. „Soeben habe ich mit der Frau von Konstantin gesprochen. Glücklicherweise hatten die Nachbarn Konstantin sofort entdeckt und den Notarzt gerufen“, so Tschirikowa weiter. Die Täter, die dem Umweltschützer im Hauseingang aufgelauert hatten, konnten unerkannt entkommen.

Im November 2008 war Michail Beketow, Chefredakteur der „Prawda von Chimki“ und der Sprecher der örtlichen Umweltschützer, die gegen den Bau einer Autobahn durch den Wald von Chimki kämpfen, so brutal überfallen worden, dass man ihm einen Unterschenkel amputieren musste. Bis auf den heutigen Tag kann Beketow wegen der 2008 bei dem Überfall erlittenen Gehirnerschütterung keinen zusammenhängenden Satz sprechen.


VON: BERNHARD CLASEN






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