Kosova – Fahrverbote Krebs und Atemnot


Bildmontage: HF

01.02.18
UmweltUmwelt, Internationales, TopNews 

 

Von Max Brym

Seit gestern gibt es in Kosovas Hauptstadt - Prishtina - ein dreitägiges Fahrverbot für Automobile. Die Luft wird langsam besser. Die Gesichtsmasken verschwinden aus dem Stadtbild Am Mittwoch haben Hunderte Menschen gegen die extreme Luftverschmutzung protestiert. Auf Transparenten und in Sprechchören forderten Demonstranten mit weißen Gesichtsmasken:

“Vergiftet uns nicht!”. Auch die massiv aufgebotenen Polizisten trugen weiße Gesichtsmasken. Dadurch wurde der Charakter des Protestes unterstrichen. Die Stadtverwaltung hat am Mittwoch Autos aus der Innenstadt verbannt, um gegen die hohe Luftverschmutzung vorzugehen. Reuters schreibt: „ Die Bewohner wurden aufgefordert zu Hause zu bleiben.“ Das Ausmaß der Luftverschmutzung ist aber bereits seit mehreren Jahren bekannt. Offiziell ließ die US Botschaft in Prishtina vor zwei Jahren den Zustand der Luftverschmutzung

untersuchen. Seit damals liegt den kosovarischen Stellen der Bericht vor . Die Umweltbelastung in Prishtina ist teilweise höher als in chinesischen Städten. In Prishtina sterben die Leute häufiger an Atemwegserkrankungen und Krebs als in anderen Städten Europas. Das belegt auch eine Studie der Weltbank. Kinder sind häufig Opfer der Umweltverschmutzung und es leiden besonders ältere Personen. Der Hauptverursacher der Luftverschmutzung ist das Kohlekraftwerk in Obelic. Letzteres soll jetzt privatisiert und ausgebaut werden. Kosovas Regierung setzt weiter auf den Kohleabbau. Die nicht vorhandenen oder überalterten Filter in Obelic wurden absichtlich hingenommen. Dies war ein bewusster Akt, um den Preis für die Privatisierung, für den Investor niedrig zu halten. Das ausgesprochene Fahrverbot wegen starker Luftverschmutzung wird auch in anderen europäischen Ländern erwogen. Reuters meldet: „Die EU hatte erst am Dienstag ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet, da auch in mehreren deutschen Großstädten die Stickoxid-Grenzwerte oft überschritten werden. Das Bundesverwaltungsgericht will Ende Februar über Fahrverbote in mehreren Großstädten entscheiden. Wegen der Luftverschmutzung sterben in jedem Jahr mehr als 400.000 Menschen in Europa verfrüht.“ Dem Streben nach Maximalprofit werden nicht nur in Kosova bedenkenlos Menschenleben geopfert. Es ist an der Zeit in Europa mit diesem System Schluss zu machen.

PS: Der Autor dieser Zeilen weilt momentan in Prishtina. Sein Zigarettenkonsum ist hier das geringste aller Probleme.







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