Fessenheim-Anfrage: Gefahrenquelle „Abklingbecken“?


17.05.11
UmweltUmwelt, Baden-Württemberg, Internationales, TopNews 

 

von BUND Regionalverband Freiburg

die schlecht gesicherten, außen liegenden Brennelementebecken im grenznahen AKW Fessenheim kritisiert der BUND schon seit vielen Jahren.
Der Atomunfall in Fukushima hat gezeigt, dass solche Becken für hochradioaktive Brennelemente große Gefahrenquellen für Mensch und Umwelt sind.

Dies ist der Grund, warum sich der BUND am Südlichen Oberrhein gestern mit einer Anfrage an Herrn Minister Untersteller gewandt hat.
Frühere Antworten aus dem Stuttgarter Ministerium hatten stets eine eher "atomfreundliche" Tendenz.
Wir sind jetzt auf die Antwort gespannt.

Fessenheim ist auch ein zentrales Thema der Großkundgebung am 28. Mai, 13 Uhr in Freiburg auf dem Stühlinger Kirchplatz, auf die wir Sie jetzt schon aufmerksam machen wollen.
http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/fessenheim-demo-aktion.html

Herrn Minister Untersteller
Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft
Baden-Württemberg
Kernerplatz 9
70182 Stuttgart
16. Mai 2011

Fessenheim-Anfrage:Becken für hochradioaktive Brennelemente im französischen AKW Fessenheim

http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/abklingbecken-brennelementebecken-akw-fessenheim.html

Sehr geehrter Herr Minister Untersteller,

der schwere Atomunfall im japanischen AKW Fukushima hat wieder einmal gezeigt, dass unerwartete Katastrophenabläufe die größte Gefahr beim Betrieb von Atomanlagen darstellen.

In der Anfangsphase der japanischen Nuklearkatastrophe galt die ganze öffentliche Aufmerksamkeit den Reaktoren 1 bis 3.
Die im schönsten Neusprech „Abklingbecken“ oder „Brennelementebecken“ genannten Becken für hochradioaktive Brennelemente schienen keine Gefahr darzustellen.
Jetzt zeigt sich, dass gerade von diesen Becken massive Gefahren und radioaktive Belastungen ausgehen.

„Bei einem Leck oder Ausfall der Kühlung kann das Becken durch Auslaufen bzw. Verdampfung (teilweise) trockenlaufen. In diesem Fall können sich die dort gelagerten Brennelemente übermäßig erhitzen.
Ist im Becken dabei noch Wasser vorhanden, kann bei ca. 800°C das Zircaloy der Hüllrohre mit dem Wasser(-dampf) in einer exothermen Redox-Reaktion zu Zirconiumoxid und Wasserstoff reagieren und sich in kurzer Zeit ein explosives Knallgasgemisch bilden.
Bei kompletter Trockenlegung der Brennstäbe können diese in Brand geraten, was eine Zerstörung der Brennelemente zur Folge hat. Auch bei diesem Szenario wird Radioaktivität freigesetzt; zusätzlich werden mit dem entstehenden Rauch die verschiedenen in den verbrauchten Brennelementen vorhandenenen Radionuklide in die Atmosphäre freigesetzt„

Quelle: Wikipedia

Das ist Grund genug für den Bund für Umwelt und Naturschutz, sich nach der Sicherheit beziehungsweise Unsicherheit der Becken für hochradioaktive Brennelemente im französischen AKW Fessenheim zu erkundigen.

Die sonstigen Gefahren des ältesten französischen AKW (Erdbebenunsicherheit, Überflutungsgefahr bei einem Dammbruch des Rheinkanals, mangelhafter Schutz bei Flugzeugabsturz und Terroranschlägen, Risse und Versprödung des Reaktordruckgefäßes...) waren in der Vergangenheit immer wieder Grund für Anfragen an Ihr Ministerium, die von der früheren Regierung stets sehr „atomfreundlich“ beantwortet wurden.

Jetzt wünschen wir uns mehr objektive Informationen zu diesem bisher leider vernachlässigten Sicherheitsaspekt.

Unsere Fragen:

  • Trifft es zu, dass beim französischen AKW Fessenheim die „abgebrannten Brennelemente“ außerhalb des zumindest „notdürftig sicheren“ Containments gelagert werden?
  • Wo befinden sich die Becken?
  • Wie ist die Wandstärke und Konstruktion der Becken?
  • Aus was besteht das Dach der beiden Becken?
    Können sie dem Aufprall eines kleinen Flugzeugs oder auch eines grossen Linienflugzeugs standhalten ?
  • Sind die Becken ausreichend gegen Erdbeben, Terroranschläge oder andere mögliche „Vorkommnisse“ ausgelegt und gesichert?
  • Welche Menge an hochradioaktiven Brennelementen wird aktuell und üblicherweise im Durchschnitt in den Becken gelagert?
  • Wird ein Kühlwasserverlust in den Becken in der technisch veralteten Fessenheimer Leitwarte angezeigt?
  • Wie wird eine dauerhafte Kühlung bei einem Unfall oder terroranschlagbedingtem Bruch der Becken gewährleistet?
  • Wie wird verhindert, dass bei einer Notkühlung wie in Fukushima, im Katastrophenfall hochradioaktives Wasser die europäische Trinkwasserquelle Rhein und das Grundwasser vergiftet?
    (Der Oberrheingraben ist eines der größten natürlichen Trinkwasservorkommen in Europa.)
  • Werden im Rahmen des so genannten Stresstests in Frankreich die Becken auch untersucht oder bleiben sie, ähnlich wie andere sicherheitsrelevante Aspekte, gezielt ausgeklammert?
  • Wie bewertet die Landesregierung die Sicherheit der Becken für hochradioaktive Brennelemente im französischen AKW Fessenheim?

Wir wissen, dass das alte französische AKW Fessenheim die Menschen in Baden-Württemberg zwar gefährdet, aber nicht im „direkten Zuständigkeitsbereich“ Ihres Ministeriums liegt.
Dennoch gibt es grenzüberschreitende Gremien, in denen die von uns aufgeworfenen Fragen erörtert und beantwortet werden sollten.

www.bund-freiburg.de

 


VON: BUND REGIONALVERBAND FREIBURG






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