Traurige Bilanz 2018: Deutsche Behörde gestattet Einfuhr von 197 Körperteilen geschützter Arten – Trophäenjäger töten völlig grundlos stark bedrohte Tiere


Auch auf Deutschlands größter Jagdmesse „Jagd & Hund“ werden Reisen mit dem Ziel der Jagd auf gefährdete Tierarten angeboten / © PETA Deutschland e.V.

01.03.19
UmweltUmwelt, Bewegungen, TopNews 

 

Von PETA

PETA fordert von Bundesregierung endlich ein Importverbot für Jagdtrophäen

Ausrottung mit behördlicher Genehmigung: Im Jahr 2018 hat das Bundesamt für Naturschutz die Einfuhr von 197 „Jagdtrophäen“ genehmigt, die von Tieren stammen, die durch das Washingtoner Artenschutzabkommen besonders geschützt sind. Das ergab eine schriftliche Anfrage der Bundestagsabgeordneten Steffi Lemke (Bündnis 90/Die Grünen) an die Bundesregierung [1]. Unter den eingeführten Trophäen befinden sich Körperteile von 92 Tieren akut vom Aussterben bedrohter Arten, darunter Afrikanische Elefanten (48), Leoparden (31), Geparden (8) und Breitmaulnashörner (3). Weitere Tierarten, die nur für den Trophäenerwerb getötet wurden, sind Flusspferde (34), Löwen (17) und Eisbären (4). Um den Tier- und Artenschutz zu gewährleisten, fordert PETA die Bundesregierung auf, endlich ein Importverbot für Jagdtrophäen zu verhängen.

„Der Ausverkauf der Natur findet hier und jetzt statt und die Bundesregierung macht mit. Dabei ist die Trophäenjagd nichts weiter als ein abscheulicher Zeitvertreib reicher, abgestumpfter Menschen, die mehr Geld als Moral besitzen“, so Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA. „Andere Länder sind uns wieder mal weit voraus: So stoppten Frankreich und Australien 2015 wenigstens die Einfuhr von Löwentrophäen. Und die Niederlande zogen 2016 nach mit einem umfassenden Importverbot von 200 bedrohten Arten.“

Blutiges Hobby mit fatalen Folgen

In Deutschland ist das Töten von Tieren zum Zweck des Trophäenerwerbs verboten und verstößt gegen Paragraf 17 Nummer 1 des Tierschutzgesetzes, da es durch keinen „vernünftigen Grund“ im Sinne des Gesetzes zu rechtfertigen ist. Zudem kann hierbei nicht von „Weidgerechtigkeit“, also vermeintlich verantwortungsbewusster oder gar tierschutzgerechter Jagd, gesprochen werden. In vielen anderen Ländern ist die Tier- und Naturschutzgesetzgebung jedoch nicht ausreichend. Die Aussicht auf Devisen zahlungskräftiger Jäger macht es vielerorts noch immer möglich, seltene Tiere zum Trophäenerwerb zu töten. Allein in Afrika erlegen 18.000 Großwildjäger aus dem Ausland jedes Jahr über 100.000 Wildtiere. Für die Gier nach einer besonderen Jagdtrophäe reduzieren Trophäenjäger die Tierbestände in erheblichem Ausmaß. Aus einer wissenschaftlichen Studie über die Jagd auf Löwen in Tansania geht beispielsweise hervor, dass die legale Trophäenjagd – und nicht etwa Wilderei oder der Verlust von Lebensräumen – der Hauptfaktor für den deutlichen Rückgang der Wildtiere ist [2].

Kaum Gewinnbeteiligung der lokalen Bevölkerung

Trophäenjäger versuchen sich bisweilen durch haltlose Argumente zu rechtfertigen: Die horrenden Summen, die Hobbyjäger für eine Jagdreise ausgeben, landen nicht bei der armen Bevölkerung oder bei einer Nationalparkverwaltung, sondern fast ausschließlich in den Taschen der Reiseveranstalter und Jagdfarmbesitzer. Aus einer Wirtschaftsanalyse der Trophäenjagd in Afrika geht hervor, dass gerade einmal 3 Prozent der Einnahmen durch Trophäenjagden bei der lokalen Bevölkerung ankommen. Aus wirtschaftlicher Sicht spielt der Jagdtourismus in den meisten Ländern nur eine unbedeutende Rolle. In Namibia beispielsweise trägt die Trophäenjagd gerade einmal 0,27 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, der Naturtourismus hingegen 4,2 Prozent [3]. Der größte Teil der Touristen möchte eine intakte Tierwelt sehen – davon profitiert auch die Bevölkerung langfristig.

 

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.

 

[1] Antwort der Bundesregierung, Drucksache 19/6961.

[2] Packer C., Brink H., Kissui B.M., Maliti H., Kushnir H. & Caro T. (2011): Effects of Trophy Hunting on Lion and Leopard Populations in Tanzania. Conservation Biology. Volume 25, Issue 1, p. 142–153.

[3] Campbell, R. (2013): The $200 million question – How much does trophy hunting really contribute to African communities? Economists at Large Pty Ltd. Melbourne, Australia.







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