Europäische Wildkatze vor den Toren Berlins - Erster Nachweis im Nordosten Deutschlands


Foto: Thomas Stephan, BUND

21.05.19
UmweltUmwelt, Brandenburg, TopNews 

 

Von BUND

Im Umland Berlins wird es wieder wilder: Im Fläming, nur etwa 25 Kilometer südlich der Hauptstadt, konnte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erstmals eine Europäische Wildkatze im Bundesland Brandenburg nachweisen. „Für den Wildkatzenschutz in Deutschland ist dieser Fund von herausragender Bedeutung“, erläutert Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. Bisher gab es im gesamten Nordosten Deutschlands noch keine eindeutigen Nachweise der seltenen Tierart. Nun bewies die genetische Analyse bei der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung zweifelsfrei einen Wildkatzenfund. „Die Wiederausbreitung der Wildkatze in Deutschland ist ein großer Erfolg für den Artenschutz und ein ermutigender Ansporn in Zeiten des allgemeinen Artenschwundes“, so Weiger.

Carsten Preuss, Vorsitzender des BUND Brandenburg: „Viele Jahre ließ die Rückkehr der Wildkatzen nach Brandenburg auf sich warten. Nun hoffen wir, dass wir weitere Tiere in der Region aufspüren können.“ Die Umgebung rund um den Wildkatzenfund bietet mit zwei großen FFH-Schutzgebieten und einem verwilderten ehemaligen Flugfeld optimale Lebensräume für die vorsichtigen Jäger. „In dem naturnahen, durchmischten Wald, unterbrochen von offenen Bereichen mit Büschen, finden Wildkatzen gute Jagdmöglichkeiten und Verstecke“, so Preuss weiter.

Der Wildkatzennachweis wurde auch dank tatkräftiger Unterstützung vor Ort durch Julian Dorsch vom Büro WildVet ermöglicht. Gemeinsam mit dem BUND und seinen Unterstützerinnen und Unterstützern wird er in der Umgebung des Fundortes gezielt nach weiteren Tieren suchen. Ob es neben dem nun nachgewiesenen Tier weitere Wildkatzen in Brandenburg gibt, ist bislang noch unbekannt.

Das bei Kummersdorf-Gut im Landkreis Teltow-Fläming entdeckte Wildkatzenweibchen wurde überfahren an einer Straße gefunden – leider keine seltene Situation bei neuen Nachweisen von Tierarten in zuvor unbesiedelten Gebieten. Der Straßenverkehr ist die größte Bedrohung für ausgewachsene Wildkatzen, das gilt auch für andere bedrohte Arten wie den Luchs oder den Fischotter. Wenn neu zugewanderte Tiere überfahren werden, ist das ein besonders herber Verlust. Hubert Weiger dazu: „Den tragischen Verlust an seltenen und gefährdeten Wildtieren auf unseren Straßen dürfen wir nicht einfach hinnehmen. Wir brauchen endlich ein funktionierendes Netzwerk an Wäldern. Dafür müssen dort, wo die Lebensräume bereits zerschnitten sind, mehr Grünbrücken gebaut werden, über die die Wildtiere wandern und sich ausbreiten können. Zusätzlich sind bei künftigen Planungen geschlossene Waldgebiete vorrangig zu erhalten und damit wirkungsvoll vor Zerschneidungen zu schützen.“

 

Hintergrund:

Wildkatzen waren vor 100 Jahren in Deutschland fast ausgerottet, wenige Tiere überlebten unter anderem in der Eifel, im hessischen Bergland und im thüringischen Hainich. Von dort aus erobern sich die Tiere langsam ihre alten Lebensräume zurück. Heute kommt die Wildkatze wieder in weiten Teilen Mittel-, Südwest und Süddeutschlands vor. In ganz Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gibt es dagegen auch heute noch keine Wildkatzennachweise. Wildkatzen sind keine verwilderten Hauskatzen, sondern Wildtiere und echte Ureinwohner Europas. Deutschland trägt laut Bundesamt für Naturschutz eine besondere Verantwortung für den Schutz der Wildkatze, da ein großer Teil ihres weltweiten Bestandes in Deutschland vorkommt – sie gehört damit zu den sogenannten Verantwortungsarten.

 







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