Zweites LPT-Labor muss schließen


17.02.20
UmweltUmwelt, Bewegungen, Hamburg, TopNews 

 

Von Ärzte gegen Tierversuche

Ende der Botox-Tierversuche in Hamburg

Dem LPT-Hauptlabor in Hamburg-Neugraben wurde mit sofortiger Wirkung die Erlaubnis entzogen, Tiere zu halten. Nach Mienenbüttel muss nun der zweite Standort des Auftragslabors dichtmachen! Alle Tiere – hauptsächlich Ratten und Mäuse – müssen an geeignete Dritte abgegeben werden. Den Mäusen bleiben unter anderem die extrem qualvollen LD50-Tests zur Testung des Nervengifts Botulinumtoxin (bekannt als „Botox“) erspart.
Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche begrüßt diesen Schritt der Behörde außerordentlich und fordert die zuständige Behörde in Schleswig-Holstein auf, das dort angesiedelte LPT-Labor ebenfalls zu schließen. Vom Auftraggeber für die über 46.000 Botox-Mäuse-Vergiftungen fordert er den Umstieg auf tierversuchsfreie Testung.

Im Oktober 2019 hatten verdeckt gemachte Aufnahmen des Vereins SOKO Tierschutz aus dem niedersächsischen LPT-Labor Mienenbüttel der Öffentlichkeit die Realität in einem der größten Auftragslabore Deutschlands vor Augen geführt. Verstörende Bilder von leidenden Hunden und Affen brachten die Menschen auf die Straße und zwangen Politik und Behörden zum Handeln.

Am 17. Januar untersagte der Landkreis Harburg dem LPT mit sofortiger Wirkung die Tierhaltung am Standort Mienenbüttel, da die gesetzlich geforderte Zuverlässigkeit nicht mehr gegeben war. Alle Hunde und Katzen wurden in private Hände vermittelt. Die Affen konnten jedoch nicht gerettet werden. Das LPT hatte sie bereits an einen Versuchstierhändler zurückgegeben.

Nun folgte die für den Hauptstandort des LPT in Hamburg-Neugraben zuständige Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz. Die tierschutzrechtliche Zuverlässigkeit des Betreibers, der in Mienenbüttel (Niedersachsen) und Hamburg-Neugraben personenidentisch ist, sei aufgrund schwerwiegender Verstöße gegen das Tierschutzgesetz sowie weiterer Verstöße gegen Dokumentations- und Genehmigungspflichten nicht mehr gegeben, heißt es in einer Pressemitteilung der Behörde. Alle Ratten und Mäuse sollen tierschutzgerecht untergebracht werden.

„Fraglich ist natürlich, warum die Kontrollbehörden die offensichtlichen tierschutzrechtlichen Verstöße nicht schon längst bemerkt haben und sie erst durch die Undercover-Aufnahmen darauf aufmerksam wurden“, kommentiert Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche.

Am Hauptsitz in Hamburg-Neugraben wurden auch die berüchtigten Botox-Tierversuche an Mäusen durchgeführt. Erst 2019 hatte das LPT die Genehmigung bekommen, Tests an 46.800 Mäusen für das Botulinumtoxin-Präparat Neurobloc durchzuführen. Bei diesem sogenannten LD50-Test wird Gruppen von Mäusen das Nervengift in die Bauchhöhle injiziert, um die Dosis zu ermitteln, bei der die Hälfte der Tiere stirbt. Der Todeskampf durch langsames Ersticken kann vier Tage dauern.

Tierärztin Gericke befürchtet, dass der Neurobloc-Hersteller Sloan Pharma nun auf ein anderes Labor ausweicht. „Vermutlich im Ausland, denn das LPT war das einzige Labor in Deutschland, das Botox-Versuche durchführt“, weiß Gericke. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche kämpft seit 13 Jahren gegen die Botox-Tierversuche und kann einige Erfolge verbuchen, denn die drei wichtigsten Hersteller haben zumindest zum größten Teil auf tierversuchsfreie Testmethoden mit menschlichen Zellkulturen umgestellt. Sloan Pharma muss nun auch endlich umstellen, so die Forderung des Ärztevereins.







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