Fünf von vielen Gründen, warum der Kreis „NEIN!“ zur Tönnies-Erweiterung sagen muss

06.03.18
UmweltUmwelt, Wirtschaft, OWL, NRW, News 

 

Von Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung

Bereits im Herbst 2016 beantragte der Tönnies-Konzern eine Erhöhung der Schlachtzahlen um 17 % Erst im Mai 2017 wurde das öffentlich bekannt. Seitdem informiert das „Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung“ über die Folgen der Vergrößerung des schon jetzt größten Schlachthauses Europas. Seit über fünf Jahren kämpft die IG WerkFAIRträge für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für die vielen Tausend Arbeiterinnen und Arbeiter aus Osteuropa. Nicht allen im Kreis gefällt das. Ob auf dem Schinkenmarkt in Gütersloh oder beim Karneval in Rheda-Wiedenbrück, ob bei Polizei oder beim Rosenmontagskomitee, die freie Meinungsäußerung stößt an ihre Grenzen. Der politische Einfluss wirtschaftlicher Macht ist unübersehbar. Der Kreis Gütersloh hat sich dem bisher gebeugt. Das muss ein Ende haben! Die Fakten sprechen für sich.

  1. Schlachtbetriebe mit einer Kapazität von mehr als 50 t „Lebendgewicht“ je Tag unterliegen dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG). Das Gesetz sieht eine Vorprüfung zur Feststellung der UVP-Pflicht vor. Tönnies in Rheda-Wiedenbrück hat schon jetzt eine Kapazität von 3.500 t „Lebendgewicht“. Im Klartext, es werden täglich 26.000 Schweine getötet. Bisher konnte der Kreis den größten Schlachthof Europas vor einer Umweltverträglichkeitsprüfung bewahren. Obwohl die Schlachtkapazität jetzt um weitere 500 t je Tag erhöht werden soll, drückt sich der Kreis seit Monaten vor einer Entscheidung.
  2. Das gesamte vom Wasserwerk Rheda-Wiedenbrück geförderte Wasser reicht nicht, um den heutigen Bedarf der Firma Tönnies zu decken. Der Mehrbedarf, die Versorgung aller Einwohnerinnen und Einwohner und aller anderen Betriebe erfolgt über ein Verbundnetz. 250.000 Menschen in den Kreisen Paderborn und Gütersloh werden von der Aabach-Talsperre versorgt. Im Frühjahr 2017 war dort so wenig Wasser vorhanden, dass die Versorger zum sparsamen Umgang damit aufriefen.
  3. Laut dem Fleischatlas 2018 trägt kein anderer Sektor so massiv zum Verlust der Artenvielfalt, der Rodung von Wäldern und der Zerstörung unseres Klimas, der Gefährdung unserer Gesundheitssysteme und zum Leid der Tiere bei wie die industrielle Fleischproduktion. Für viele Auswirkungen der industriellen Tierhaltung liegen die Lösungen schon auf dem Tisch. Aber von den Kommunen bis zur EU knickt die Politik vor dem Widerstand der Fleischindustrie ein.
  4. In Deutschland werden jedes Jahr etwa 60 Millionen Schweine geschlachtet. Bei Tönnies und anderswo werden die Tiere in Gruppen in Gondeln getrieben und in eine mit Kohlenstoffdioxid-Gas gefüllte Grube herabgelassen. Bis die Tiere tatsächlich betäubt sind, vergehen bis zu 30 qualvolle Sekunden. Die Tiere leiden unter Atemnot und zeigen massive Abwehrreaktionen. Sie schreien laut, springen in den Betäubungsgondeln wild übereinander und recken verzweifelt die Schnauzen in die Höhe, um dem Gas zu entkommen. Wissenschaftliche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass diese weit verbreitete Betäubungsmethode aufgrund der heftigen Abwehrreaktionen der Schweine unter Tierschutzgesichtspunkten als äußerst kritisch anzusehen ist. Mit dem „Tierwohl“ Siegel will die GroKo neben Massentierhaltung und Tiertransporten auch grausame Massentötungen reinwaschen. Das Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung sieht in der gängigen Praxis Verstöße gegen das geltende Tierschutzgesetz.
  5. Jeder im Kreis weiß es, niemand kann es leugnen. Die Arbeits- und Lebensbedingungen vieler Tausend Menschen im Kreis Gütersloh sind nicht akzeptabel! Dazu trägt das „System Tönnies“ maßgeblich bei. Es gibt keine Perspektive für die in Werkverträgen Geknechteten. Weder hier noch in ihrer Heimat. Die Rahmenbedingungen für diese besonders perfide Art der Ausbeutung werden zwar woanders entschieden, aber auch die Politik im Kreis hat hier vollständig versagt.

 

Ein „Ja“ des Kreises zur Kapazitätserweiterung wäre ein „Ja“ zur verschärften Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur. Zugleich wäre es ein „Ja“ zur Zerstörung der Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder. Dem werden wir niemals zustimmen!

 

Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung

 

 







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