Tierversuche in Nordrhein-Westfalen

24.01.21
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430.162 Tiere mussten im Labor leiden und sterben

Von Ärzte gegen Tierversuche

Im Jahr 2019 mussten 430.162 Tiere allein in Nordrhein-Westfalen sterben. Damit belegt Nordrhein-Westfalen den dritten Platz der Negativrangliste zu Tierversuchen des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche. Er fordert von Bund und Ländern, endlich einen Ausstiegsplan aus dem Tierversuch vorzulegen.

In Deutschland mussten 2.902.348 Tiere für die tierexperimentelle Forschung herhalten und damit 77.282 Tiere mehr als im Jahr zuvor. Nach der offiziellen Tierversuchsstatistik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gehen im Jahr 2019 allein 430.162 Tiere auf das Konto von Nordrhein-Westfalen, was 14,8 % der bundesweit in Tierversuchen eingesetzten Tiere ausmacht. Nordrhein-Westfalen liegt damit auf Platz drei in der Negativ-Rangliste zu Tierversuchen, die Ärzte gegen Tierversuche seit Jahren führt.

Am häufigsten wurden in Nordrhein-Westfalen Mäuse für Versuche herangezogen, 2019 waren es 337.841. Ratten stehen an zweiter Stelle mit 40.812, gefolgt von Fischen mit 35.859 Tieren. Zudem mussten unter anderem 973 Hunde, 204 Katzen und 1.905 Affen in den Laboren leiden und in der Regel sterben. Nordrhein-Westfalen ist damit das Bundesland mit dem mit Abstand höchsten „Affenverbrauch“, nämlich mehr als die Hälfte der bundesweit 3.443 Affen. Hierfür ist das Affenlabor Covance in Münster verantwortlich zu machen. Von den 430.162 Tieren wurden 296.956 in Versuchen eingesetzt und 133.206 Tiere zu wissenschaftlichen Zwecken wie zur Organentnahme direkt getötet. In seinen detaillierten Statistiken zu Versuchszwecken, Herkunft der Tiere und Genmanipulation rechnet das BMEL die Zahl der zu wissenschaftlichen Zwecken getöteten Tieren heraus und verschleiert so die tatsächliche Zahl der Tierversuchsopfer.

Der Verein verweist auch auf die hohe Dunkelziffer von Tieren, die gezüchtet und als sogenannte Überschusstiere getötet werden, weil sie nicht im Versuch verwendet werden. Über 47 % der Tiere, hauptsächlich Mäuse und Fische, waren gentechnisch verändert, was mit besonders hohem „Ausschuss“ an Tieren verbunden ist, da ein Großteil der Tiere nicht die vom Experimentator gewünschte Genveränderung trägt.

8.376 Tiere (2,8 %) wurden in Nordrhein-Westfalen dem Schweregrad „schwer“ zugeordnet, wobei standardmäßig der Experimentator selbst den Schweregrad angibt. Darunter fallen unter anderem Versuche, in denen Tieren Elektroschocks verabreicht werden oder sie bis zur Erschöpfung unter dem Deckmantel der Depressionsforschung schwimmen müssen. Zwei Drittel der Versuche in Nordrhein-Westfalen (67 %) fand in der Grundlagenforschung statt, die per Definition zweckfrei ist.

„Es ist ein Armutszeugnis für Bund und Länder, nicht endlich einen Ausstiegsplan aus dem unwissenschaftlichen und unethischen System Tierversuch vorzulegen, wie andere Länder das bereits getan haben“, kommentiert Dipl.-Biol. Silke Strittmatter, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche. Nach Auskunft des Vereins gibt es eine große Bandbreite an tierversuchsfreien Verfahren wie Multi-Organ-Chips oder Computersimulationen, die im Gegensatz zu Tierversuchen aussagekräftige und für Patienten relevante Ergebnisse liefern.

Weitere Information
Negativrangliste zu Tierversuchen im Bundesländervergleich >>







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