Tierschutzwidrige Rinderhaltung: PETA erstattet Strafanzeige gegen 25 Betriebe mit sogenannter Anbindehaltung

29.10.20
UmweltUmwelt, Bewegungen, Bayern, TopNews 

 

Von PETA

Verantwortliche Landwirte hauptsächlich in Bayern angesiedelt

PETA hat Mitte Oktober 25 Rinderhaltungsbetriebe aus drei Bundesländern bei den Staatsanwaltschaften Landshut, Traunstein, Augsburg, Gießen, Ansbach, Ravensburg und Rottweil angezeigt, darunter 22 bayerische. Die verantwortlichen Landwirte zwingen Rinder, ein Dasein in sogenannter Anbindehaltung zu fristen: Bei dieser Haltungsform sind sie mit Ketten oder anderen Vorrichtungen am Hals festgebunden und können sich nicht einmal umdrehen – so müssen die Tiere teilweise jahrelang an einem Platz ausharren. Auch in Biobetrieben ist diese tierquälerische Praxis über die langen Wintermonate hinweg erlaubt, obwohl die empfindlichen Tiere infolgedessen oft Schmerzen haben, etwa durch entzündete Gelenke oder Quetschungen am Hals. Die Tierrechtsorganisation appelliert nun an die Bundesländer sowie an die Bundesregierung, die „Anbindehaltung“ von Rindern bundesweit zu verbieten.

„Verbrauchern wird eine Idylle mit ‚glücklichen Kühen‘ und grünen Wiesen vorgegaukelt, während die Realität eher an Arrest in mittelalterlichen Einrichtungen erinnert. Die Gefangenschaft ist für Rinder unabhängig von der Haltungsform immer mit körperlichem und psychischem Leid verbunden, aber in der ‚Anbindehaltung‘ werden ihre Bedürfnisse komplett ignoriert“, so Dr. Edmund Haferbeck, Leiter von PETAs Rechts- und Wissenschaftsabteilung. „Dass die Politik diese Haltung trotz des Wissens um die Tierquälerei immer noch zulässt, zeigt, dass der in der Verfassung verbriefte Tierschutz so gut wie nichts wert ist.“

Auch die Bundestierärztekammer fordert seit Jahren Ende der sogenannten Anbindehaltung

PETA weist darauf hin, dass die Bundestierärztekammer bereits 2015 einen kompletten Ausstieg aus der Haltungsform forderte. Auch ein Urteil des Verwaltungsgerichts Stade bekräftigt die Forderung: Das Gericht verkündete schon 2012, dass die „Anbindehaltung“ der verhaltensgerechten Unterbringung sogenannter Milchkühe entgegensteht. PETA mahnt jedoch, dass das Leid von Rindern, die in der landwirtschaftlichen Tierhaltung ausgebeutet werden, systembedingt ist. Auch in Einrichtungen wie „Laufställen“ werden die natürlichen Bedürfnisse der Tiere nicht erfüllt. Daher appelliert die Organisation neben der Politik zudem an Verbraucher, beim Einkauf zu veganen Produkten zu greifen.

 
Etwa eine Million Kühe in deutschen Ställen am Hals fixiert

Etwa eine Million Kühe werden in Deutschland gezwungen, ihr Dasein zeitweise oder das ganze Jahr über angebunden in einem Stall zu verbringen. Insbesondere in kleinen und mittleren Betrieben fixieren Landwirte sie aus praktikablen Gründen häufig mit Anbindevorrichtungen am Hals, teils auch mit unbeweglichen Halsrahmen. An den Ketten ist die Bewegung sehr eingeschränkt, sodass sich die Tiere höchstens gerade noch hinlegen können. Die Liegematten dafür fehlen in einigen Stallungen gänzlich, sind verschlissen oder die Liegeflächen grundsätzlich zu klein für die Tiere. Die artwidrige Haltung und der immense Bewegungsmangel führen zu großem seelischem Leid bei den Rindern. Zusätzlich leiden sie oft unter Liegeschwielen, Lahmheit sowie Einschnürungen oder Quetschungen am Hals.  
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
[1] Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz / LAVES (2016): Tagungsband. 10. Niedersächsisches Tierschutzsymposium in Oldenburg. S. 70 ff. Online abrufbar unter: https://www.laves.niedersachsen.de/download/105542/Tagungsband_10._Nds._Tierschutzsymposium.pdf.
 
Weitere Informationen
PETA.de/Anbindehaltung

PETA.de/Tierschutzwidrige-Haltung-Peta-erstattet-Anzeige-gegen-mehrere-Milchbetriebe







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