Isofluran-Narkose in den Händen von Laien

18.05.19
UmweltUmwelt, Bewegungen, Baden-Württemberg, News 

 

Stellungnahme von Menschen für Tierrechte - Tierversuchsgegner Baden-Württemberg e.V.

Bislang war die Isofluran-Narkose Tierärztinnen und Tierärzten vorbehalten. Durch einen Beschluss des Bundeskabinetts sollen künftig auch Nicht-Tierärzte befugt sein, eine solche Narkose durchzuführen.
Dazu kommentiert Stephanie Kowalski, Tierärztin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Menschen für Tierrechte – Tierversuchsgegner Baden-Württemberg e.V.:

„Eine Narkose ist ein komplexer Vorgang, der umfangreiches medizinisches Wissen erfordert. Die Isofluran-Narkose in die Hand tierärztlicher Laien zu legen ist daher grob fahrlässig und aus medizinischer Sicht entschieden abzulehnen.
Mit dem bloßen „Bewusstlos machen“ durch Isofluran ist es nicht getan. Für eine wirksame Schmerzausschaltung ist eine Vorbehandlung mit geeigneten Analgetika unerlässlich. Immerhin handelt es sich um einen nicht unerheblichen chirurgischen Eingriff, bei dem männlichen Ferkeln die Hoden entfernt werden. Niemand würde auf die Idee kommen, Hundehaltern die Kastration ihrer Rüden zu überlassen.
Die Anflutungszeit, also die Zeitspanne die vergeht, bis die Narkose tief genug ist, dauert beim Ferkel bis zu 90 Sekunden. Und selbst dann lässt sich nicht bei allen Tieren eine ausreichende Narkosetiefe herbeiführen. Andererseits steigt zwar mit zunehmender Dauer der Anflutung der Anteil der Tiere, die die erforderliche Narkosetiefe erreichen, aber auch das Narkoserisiko. Die verantwortliche Person muss daher in der Lage sein, angemessen auf entsprechende Narkosezwischenfälle reagieren zu können. Hierfür sind tiefergehende medizinische Kenntnisse notwendig, die nicht innerhalb einer kurzen Schulung erlangt werden. Ein Sachkundenachweis für tierärztliche Laien garantiert daher keinerlei Tierschutz. Zumal sich die Frage stellt, wer die tierschutzgerechte Umsetzung kontrollieren wird.
Das bundeseigene Friedrich-Loeffler-Institut empfiehlt die Immunokastration als geeignetste Methode, da sie tierschonend, sicher und günstig ist. Anstatt sich jedoch für einen Ausstieg aus der chirurgischen Ferkelkastration zu entscheiden, hat die Politik ihre  Entscheidung in jeder Hinsicht zugunsten der Agrarlobby getroffen.“







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