Wasserstofftechnologie ist Energieverschwendung


Bildmontage: HF

25.02.19
UmweltUmwelt, Ökologiedebatte, Niedersachsen, TopNews 

 

Von Edgar Schu und Andreas Brändle

Die Verwaltung der Stadt Göttingen schlägt vor, dass entsprechende Schritte unternommen werden sollen, „damit zeitnah in Autobahnnähe bei Göttingen eine Wasserstofftankstelle eingerichtet wird.“ Über diesen Beschlussvorschlag wird der Umweltausschuss des Stadtrates am morgigen Dienstag in öffentlicher Sitzung beraten. Die Verwaltung begründet ihren Vorschlag damit, dass Wasserstoff für die Energiewende „eine entscheidende Rolle spielen könne“, indem er für „überschüssige Stromproduktionen aus erneuerbarer Energie als Langzeit-Speichermedium“ diene.

Wir widersprechen dieser Darstellung. Wir berufen uns dabei z.B. auf Prof. Dr. Ulf Bossel. Dieser jahrzehntelang führende Experte für Wasserstoffbrennstoffzellen in der Raumfahrtforschung, mehrere Jahre an der DFVLR in Göttingen, hat Wasserstofftechnologie, insofern sie im gesellschaftlichen Energiemanagement als Energiespeicher verwendet werden soll, als „reine Energieverschwendung“ bezeichnet. Strom als Wasserstoff zu speichern, entwertet die Energie, die im Strom gespeichert ist. Will man sie über Brennstoffzellen als Strom wiedergewinnen, erhält man nur rund ein Drittel als Strom zurück. Die Information, dass die Speicherung von Strom für Mobilität als Wasserstoff 3 bis 4 mal weniger effizient ist als die Speicherung in Akkus, findet man sogar auf der Website des Göttinger MdB Jürgen Trittin (B90/Grüne).

Die beschriebene Energieverschwendung hat für die Energiewende negative Konsequenzen:
Für jede Kilowattstunde Strom, die erst per Wasserstofftechnologie gespeichert und danach als Strom wiedergewonnen werden soll, müssen mehr als zwei Kilowattstunden zusätzlich produziert werden, um den durch Wasserstoff basierte Speicherung verursachten Energieverlust auszugleichen. Zusätzlich notwendige Stromproduktion heißt entweder mehr CO2-Emission für Kohlestrom, mehr Kernspaltung für Atomstrom oder mehr Landschaftsverbrauch durch zusätzlich notwendige Windenergieanlagen.

Das Argument, dass überschüssiger Strom ohne Wasserstoff basierte Speicherung verloren sei, weil er dann zu 100 % „abgeregelt“ werden müsse, geht an dem bestehenden Problem vorbei. Denn insofern mit Überstrom Lastspitzen bei sehr starkem Wind gemeint sind, die es nur während 300 bis 500 Stunden pro Jahr gibt (das Jahr hat insgesamt 8.700 Stunden), ist festzuhalten, dass die hohen Bereitstellungskosten für die zur Umwandlung von Strom in Wasserstoff notwendigen Elektrolyseure in keinem wirtschaftlich zu rechtfertigenden Verhältnis zur Bewahrung solcher geringen Energiemengen stehen.
Wenn es aber um Grundlast, also kontinuierliche große Strommengen z.B. aus Windenergie in Norddeutschland geht, die angeblich als Wasserstoff gespeichert werden müssen, weil das Leitungsnetz (noch) nicht ausreicht, dann ist festzustellen, dass die durch Wasserstoffherstellung verloren gehende Energiemenge katastrophal groß ist und dieser Zustand nur vorübergehend sein darf. Die großen Windenergieanlagen „offshore“ in der Nordsee mit insgesamt mehr als 5 Gigawatt Nennleistung, also der tatsächlich gelieferten Leistung von mehr als zwei großen AKW, sind von Beginn an nicht für die niedersächsischen Küstenregionen oder den norddeutschen Bedarf geschaffen worden, sondern für Industrieregionen Süddeutschlands. Daher ist der Abtransport dieser gewaltigen Energiemengen über die entstehende HGÜ-Leitung Südlink notwendig. Es ist wirtschaftlich unsinnig, zuerst teure Elektrolyseure zu bauen, die ca. 70 % jeder in sie geleiteten Energiemenge vernichten, und diese als Zwischenlösung vorzusehen, obwohl deren Bau ähnlich lange dauert wie der von HGÜ-Leitungen und ähnlich teuer ist, statt alle Anstrengungen zu unternehmen und Aufklärung zu betreiben, damit Südlink zügig fertig gestellt werden kann.

Wie man es auch dreht und wendet, ist es also nicht energiepolitisch vernünftig darstellbar, eine Wasserstofftankstelle für Wasserstoff aus überschüssigem Windstrom zu bauen und zu betreiben.

Edgar Schu
Andreas Brändle







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