Ein Jahr Haltungskennzeichnung im Lebensmitteleinzelhandel


Foto: Fred Dott / Vier Pfoten

31.03.19
UmweltUmwelt, Wirtschaft, TopNews 

 

Von Vier Pfoten

VIER PFOTEN-Bilanz: Die Haltungsform ist der richtige Weg, mit ernsten Baustellen

VIER PFOTEN begrüßt die Entscheidung der führenden deutschen Supermärkte, ab dem 1. April 2019 die „Haltungsform“ von Frischfleisch zu kennzeichnen. Die internationale Tierschutzstiftung sieht dies als wichtigen Schritt zu langfristig tierfreundlicheren Haltungsbedingungen für Nutztiere und fordert die Bundesregierung auf, eine gesetzlich verpflichtende Haltungskennzeichnung für alle tierischen Produkte einzuführen. Angefangen mit dem Lidl-Haltungskompass begannen vor gut einem Jahr mehrere Supermarktketten die Herkunft von Frischfleisch individuell, aber transparent zu kennzeichnen. Ab dem 1. April 2019 wird Frischfleisch bei ALDI, ALDI Süd, LIDL, EDEKA, Kaufland, Penny, Netto und REWE nun einheitlich mit der „Haltungsform“ gekennzeichnet.

„Im vergangenen Jahr ist der Lebensmitteleinzelhandel dem VerbraucherInnenwunsch nach mehr Transparenz nachgekommen und hat damit die Politik längst überholt. Die einheitliche Haltungsform-Kennzeichnung für Rind-, Schweine-, Puten- und Hühnerfleisch bietet gute Ansätze, um die Haltung der Tiere am Produkt erkennbar zu machen“, sagt Ina Müller-Arnke, Agraringenieurin und Nutztierexpertin bei VIER PFOTEN. „Das 4-Stufen-Konzept ermöglicht Verbraucherinnen und Verbrauchern, sich bewusst gegen Fleisch aus reiner Stallhaltung bzw. für Fleisch aus besserer Haltung, z.B. mit Auslauf im Freien, zu entscheiden. Es gibt allerdings noch ernstzunehmende Baustellen.

So müssten die Kriterien der Stufe 2 „Stallhaltung Plus“ deutlich angehoben werden, denn bisher wird hier nur der Platz minimal vergrößert und stellt damit kein anderes Haltungssystem als solches dar. Die Stufen 3 und 4 bieten mehr Tierwohl, aber auch hier ist Nachbesserung erforderlich. Die Produkte sind zudem noch zu wenig am Markt verfügbar.“
Aktuell sieht die Stufe 2 „Stallhaltung Plus“ nur 10 % mehr Platz für Schweine vor. Das ist gleichbedeutend mit einer Fläche von etwas mehr als einer DIN-A-4-Seite.

Die Tiere werden in den Stufen 1 und 2 in dunklen Betonbuchten über ihren eigenen Exkrementen und ohne Zugang zu frischer Luft gehalten. Stufe 3 „Außenklima“ bietet den Tieren zumindest frische Luft und Tageslicht, Stufe 4 „Premium“ zusätzlich einen Auslauf im Freien. Allerdings lassen alle Stufen bislang noch schmerzhafte Eingriffe wie das Kupieren der Ringelschwänze von Schweinen und der Schnäbel von Puten zu. Kälber müssen erst ab der 3. Stufe bei der Enthornung vom Tierarzt betäubt werden.
„VIER PFOTEN steht bereit, den Lebensmitteleinzelhandel bei der Ausarbeitung seiner Kriterien zu unterstützen. Viel wichtiger ist jedoch die Einführung einer
gesetzlich verpflichtenden Haltungskennzeichnung für alle tierischen Produkte. Die Bundesregierung ist in der Verantwortung, den Tierschutz voranzutreiben.

Tiergerechte Haltungsformen müssen staatlich gefördert werden. Außerdem muss sich der Mehraufwand auch im Produktpreis niederschlagen. Die Tierhalterinnen und Tierhalter dürfen nicht auf den Mehrkosten sitzen bleiben. Es ist Aufgabe der Politik, die Weichen für mehr Tierschutz zu stellen und dafür zu sorgen, dass sich tiergerechte Haltungsformen in der Praxis verbreiten“, so Ina Müller-Arnke.

VIER PFOTEN fordert eine gesetzlich verpflichtende Kennzeichnung von tierischen Produkten nach eindeutigen Kriterien. Einen Überblick erhalten Sie hier: www.vier-pfoten.de/kampagnen-themen/themen/haltungskennzeichnung/kennzeichnungsmodell-fuer-tierische-produkte

Eine Detailbewertung der LEH-Haltungsform Schwein aus Sicht von VIER PFOTEN finden Sie hier: www.vier-pfoten.de/kampagnen-themen/themen/haltungskennzeichnung/haltungsform-pro-contra
 







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