Neue Studie: Fuchsjagd fördert Fuchsbandwurm


Foto: Louise Dittombée via Wildtierschutz Deutschland

27.12.17
UmweltUmwelt, Bewegungen 

 

Von Wildtierschutz Deutschland

Eigentlich müsste er „Mäusebandwurm“ heißen, denn im Lebenszyklus des mit wissenschaftlichem Namen Echinococcus multilocularis genannten Parasiten spielen Mäuse eine wesentliche Rolle. Nicht nur Füchse, sondern auch Hunde und Katzen können sich mit dem Parasiten infizieren, wenn sie eine befallene Maus vertilgen. Doch während Menschen völlig unbeschwert einen engen Kontakt zu ihren Haustieren pflegen, hat der Begriff „Fuchsbandwurm“ dazu geführt, dass Füchse zu Unrecht ein schlechtes Image haben und so doppelt unter dem Parasiten leiden müssen.

 

Panikmache der Jagdverbände

Die Gefahr, welche von dem Parasiten ausgeht, wird ohnehin häufig stark dramatisiert, obwohl es dafür sachlich betrachtet keinerlei Anlass gibt: Die alveoläre Echinokokkose – also die Erkrankung die beim Menschen durch den Parasiten ausgelöst werden kann – zählt nämlich zu den seltensten Parasitosen Europas. Statistisch gesehen ist es wahrscheinlicher durch einen Jagdunfall zu Schaden zu kommen als von dem Parasiten befallen zu werden.

Jagdverbände schüren die irrationale Panik vor dem Fuchsbandwurm, um Rückhalt für die Bejagung von Füchsen zu gewinnen. Sie behaupten, man könne den Bandwurm durch intensive Fuchsjagd eindämmen. Tatsächlich ist jedoch das Gegenteil der Fall, wie sich in vergangenen Untersuchungen bereits gezeigt hatte und jüngst erneut eindrucksvoll belegt werden konnte.

 

Fuchsjagd erhöht das Infektionsrisiko

In einem Testgebiet in Frankreich wurde im Rahmen einer vierjährigen Studie die Fuchsjagd unter erheblichem zeitlichem und finanziellem Aufwand intensiviert. Die Zahl der getöteten Füchse stieg dadurch zwar um gewaltige 35 Prozent, jedoch führte dies nicht zu einer Dezimierung des Fuchsbestands, da Füchse selbst hohe Verluste durch steigende Geburtenraten und Zuwanderung kompensieren können. Auch die Befallsrate mit dem Fuchsbandwurm sank nicht, sondern stieg sogar um 15 Prozent an, während sie in einem Vergleichsgebiet konstant niedrig blieb.

Dieses Ergebnis zeigt deutlich, dass die Bejagung von Füchsen ein völlig ungeeignetes Mittel zur Bekämpfung des Fuchsbandwurms ist und das – eigentlich extrem geringe – Risiko für den Menschen sogar erhöhen kann. Durch die Bejagung steigt der Anteil von Jungfüchsen an der Population, welche jedoch für den Bandwurm deutlich anfälliger sind und zudem mehr Bandwurmeier ausscheiden als ältere Tiere.

 

Nur Entwurmung von Füchsen ist wirksam

Anstelle der Bejagung von Füchsen wird der Einsatz von Entwurmungsködern empfohlen, deren Wirksamkeit im Rahmen einer Studie der TU München bereits eindrucksvoll bewiesen wurde: Im Landkreis Starnberg konnte mit dieser tierschutzgerechten Methode die Befallsrate der Füchse innerhalb von vier Jahren von 51 auf 0,8 Prozent reduziert werden.

Diese und viele weitere Studien sowie Erfahrungen aus fuchsjagdfreien Gebieten belegen unmissverständlich, wie sinnlos und sogar kontraproduktiv die Fuchsjagd ist, bei der jährlich in Deutschland rund eine halbe Million Füchse zumeist grausam getötet werden.

 

Aktionsbündnis Fuchs fordert Einstellung der Fuchsjagd

Im Rahmen der bundesweiten Initiative „Aktionsbündnis Fuchs“ (www.aktionsbuendnis-fuchs.de) informiert Wildtierschutz Deutschland e.V. deshalb gemeinsam mit zahlreichen weiteren Organisationen über die meist verschwiegenen Fakten zur Fuchsjagd. Lovis Kauertz, Mitinitiator des Bündnisses, fordert die politisch Verantwortlichen auf, den Klüngel mit der Jagd zu beenden und die Gesetzgebung der wissenschaftlichen Erkenntnislage anzupassen: „Die Fuchsjagd ist ökologisch, ökonomisch und epidemiologisch vollkommen sinnlos. Wir fordern die Abschaffung der Fuchsjagd!“







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