Tierrechtstag 2015: Gegen Tierrechtverletzerdemagogie


Bild: Maqi

09.12.15
UmweltUmwelt, Bewegungen, Debatte 

 

Von Maqi

Am 10. Dezember ist Internationaler Tierrechtstag. Anlass für die Tierrechtinitiative Maqi, einige aktuelle Fälle von Antitierrechtsagitation näher zu beleuchten. In der letzten Zeit häuft sich insbesondere die Stimmungsmache der Kundenfänger der Tierausbeutungsindustrie, die Desinformationen bezüglich Veganismus, also einer tierausbeutungsfreien Lebensweise, verbreiten. Drei Beispiele:

Ein "Ernährungsmediziner", Hans Konrad Biesalski, sieht Veganismus als "Hemmnis der Evolution" und als "Gesundheitsgefahr für Kinder" und posaunt durch die Medienlandschaft, ohne Leichenfraß säßen "wir" noch auf den Bäumen oder wären gar "ausgestorben" (wohl wie Kaninchen, Giraffen, Pferde, Säbelzahntiger und Tyrannosaurier), indem er die alte Mär von der "Hirnentwicklung" durch Leichenkonsum wiederkäut. Selbst wenn diese nicht längst widerlegt wäre – inwiefern dies eine Rolle spielen würde, sich weiterhin mordend durch die Gegend zu schlachten, erläutert er, der sich offenbar auch ethisch am Homo erectus orientiert, nicht. Er mag das, was irgendwelche Hominiden (die, nebenbei bemerkt, nicht einmal eine Lebenserwartung von dreißig Jahren hatten, weshalb sie rechtzeitig starben, ehe ihr Leichenfraß Zeit hatte, bei ihnen Krebs auszulösen, anders als bei den heute geborenen Menschen) vor Jahrmillionen gemacht haben, als Rechtfertigung dafür sehen, Frauen an den Haaren in die Höhle zu schleppen. Als Homo sapiens aber wissen wir, dass das, was er absondert, Unfug ist. Da müssen es nicht einmal Details sein wie das, dass er u.a. ausgerechnet Folsäure anführt, die Veganern angeblich fehlen soll, während es im wirklichen Leben gerade die Unveganer sind, denen dieses Vitamin, im Gegensatz zu Veganern, häufig fehlt. Heimtückisch wird es, wenn er entgegen der Realität inzwischen zahlloser veganer Kinder darauf beharrt, man könne nicht nach Westen segeln, ohne vom Rand der Erde zu fallen: mehr als genug Studien belegen, dass ethisch verantwortliche Lebensweise und damit vegane Ernährung als Nebeneffekt sogar gesundheitliche Vorteile (in jedem Lebensalter, vom Ungeborenen bis zum Greis) hat. Wenn er also gerade Schwangeren Unveganismus nahelegt, ist das gemeingefährlich angesichts der Gesundheitsgefahren durch unvegane Ernährung – ebensogut könnte er ihnen das Rauchen empfehlen, damit sie mit Sauerstoff versorgt werden. Bleibt unterm Strich, dass Veganer auf ihre Ernährung achten, auf Baustellen einen Schutzhelm tragen und sich beim Autofahren anschnallen sollten.

Cola vs.         HafermilchAuch eine ethisch minderbemittelte Köchin wettert, bar jeder Ahnung, was das Wort überhaupt bedeutet, "Veganismus ist eine diätische Mangelernährung". Besonders hanebüchen dabei ihre These Sojamilch (also die Flüssigkeit in Wasser gekochter, pürierter Sojabohnen) sei "künstlich wie Cola". Sarah Wiener bereitet also Cola zu, indem sie Kolanüsse püriert, kocht und den Sud filtert – fertig. Anders die tatsächlichen Inhaltsstoffe, beispielsweise laut Zutatenliste der bekanntesten Marke neben Wasser "Zucker, Kohlensäure, E 150d, Säuerungsmittel Phosphorsäure, natürliches Aroma, Aroma Koffein". De facto ist Sojamilch, selbst wenn beispielsweise noch Algen als Kalziumlieferant, Kakao für Schokomilch oder Vitamin B12 zugefügt werden, vom Rest der üblichen veganen Ernährung – Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte usw. – ganz zu schweigen, um ein Vielfaches weniger "künstlich" als so ziemlich alles, was Wiener im Zug ihres blutigen Berufs so zusammenbraut. In Wahrheit ist nicht Veganismus, sondern Unveganismus eine Mangelernährung: er ist zwangsläufig verknüpft mit einem eklatanten Mangel an Ethik.

Ausgerechnet die Propagandisten einer christlichen Sekte, der evangelische Nachrichtenagentur Idea, diffamieren Veganismus, indem sie ihm "religionsartige Züge" unterstellen. So predigt der wissenschaftliche[sic!] Referent der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, "die vegane Bewegung" könne sich "zu einer 'religionsartigen Weltanschauung' entwickeln". Passend zitiert er die esoterisch-speziesistische Allesfresserideologie seines fiktiven Halbgotts Jesus: "Nicht das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt, macht ihn unrein, sondern das, was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein" (Matthäus 15,11). Dass sein Guru ein paar Sätze weiter (Matthäus 15,20) die unhaltbare These äußert: "Aber mit ungewaschenen Händen essen verunreinigt den Menschen nicht" und damit der Ansteckung mit teils tödlichen Keimen Tür und Tor öffnet, verschweigt er geflissentlich. Nun ist Religion aber der Glaube an übernatürliche Kräfte und deren kultische Verehrung – also eher das, was Unveganer mit ihren Mythen von magischen Stoffen im "Fleisch", die Veganern fehlen sollen, und ihren regelmäßigen Tier-Brandopfern, dem sogenannten "Grillen", praktizieren. Im Gegensatz dazu sind ethisch verantwortlich denkende und handelnde Menschen eben nicht nur vegan, sondern Antitheisten.

Der 10. Dezember war ursprünglich nur einer Spezies gewidmet. Wie wären wohl die Reaktionen, wenn es ähnlich absurde Rechtfertigungsversuche für Menschenrechtsverletzungen gäbe? "Ohne Sklaverei säßen wir heute noch auf den Bäumen"; "Kleidung ohne Kinderarbeit ist modische Mangelkleidung"; "Foltergegner praktizieren eine Ersatzreligion".

Also: Schluss mit der Gehirnwäsche, Schluss mit dem ethischen Mangelverhalten: Veganismus – jetzt und für alle.







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