Anti-Atom-Demonstration in Jülich


Bei Frühlingswetter protestierten 600 Menschen in Jülich gegen die Atomwirtschaft


Dr. Rainer Moormann


Für ein musikalischer Begleitprogramm sorgten Sascha (Gitarre) und Klaus der Geiger (Geige); Bilder: Bernhard Clasen

09.03.14
UmweltUmwelt, Bewegungen, NRW 

 

Von Bernhard Clasen

 „Vergebt uns Kinder, dass ihr wegen uns weinen müsst.“

 In Ahaus lagert waffenfähiges Uran für 10 bis 12 Hiroshima-Bomben

600 Menschen hatten am Samstag in Jülich anlässlich des bevorstehenden Jahrestages der Katastrophe von Fukushima gegen Atomenergie demonstriert, in einer Gedenkminute der Opfer von Fukushima gedacht.

Auch heute, nach dem sogenannten „Ausstiegsbeschluss“ der Merkel-Regierung, gibt es noch tausend Gründe, auf der Straße Druck zu machen für einen wirklichen Atomausstieg.

„´Vergebt uns Kinder, dass ihr wegen uns leiden müsst.´ Das ist der Satz, den ich meinen Kindern niemals sagen möchte. Ich möchte nicht, dass Deutschland das erleben wird, was wir in Japan mit Fukushima erlebt haben.“ berichtet der japanische Atomkraftgegner _Tomoyuki Takada_ der Jülicher Anti-Atom-Demonstration am Samstag Nachmittag. Deswegen sei er aktiver Atomkraftgegner in seiner „zweiten Heimat, in Deutschland“.

Obwohl die Lage in Fukushima außer Kontrolle geraten sei, wolle man dort schon wieder acht Atomkraftwerke ans Netz nehmen, so Takada in Jülich.

Vor Beginn der Demonstration hatte Takada eine Live-Übertragung der Jülicher Demonstration per Youtube nach Japan organisiert.

Walter Schumacher vom Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie prangerte die fehlende Energiewende an. Die alternativen Energien würden weiter an staatlicher Förderung verlieren, am Netzausbau verdiene vor allem die Atomwirtschaft. „Wir haben diesen Ausbau nicht nötig. Wir brauchen endlich eine vernünftige Planung für eine dezentrale Planung von Standorten alternativer Energie. Vattenfall klagt für 3,5 Milliarden Euro, weil man durch den Atomausstieg Verluste habe. Und wenn das alle Stromkonzerne machen würden, würden wir 20 bis 30 Milliarden Euro an die Konzerne verlieren. Wir müssen alles machen, dass diese Konzerne nicht dieses Geld kommen.“

Auch die Begründung des hohen Strompreises, der angeblich wegen der alternativen Energien so hoch wäre, sei verlogen. Die Großindustrie bezahle aber gar nicht für die alternative Energie, nur die normalen Bürger bezahlen. „Für eine Energiewende brauchen wir keine E.ON, keine RWE und keinen Vattenfall“, so Schumacher. „Weg mit diesen Konzernen!“

Dr. Rainer Moormann, der von 1972 bis 2012 am Jülicher Forschungszentrum als Wissenschaftler tätig war, berichtete über die atomaren Gefahren für die Bevölkerung im Gebiet Jülich:

Den Versuchsreaktor von Jülich, „eine der am stärksten verseuchten Nuklearanlagen der Welt“ (Moormann), den Jülicher Atommüll und das Jülicher Billiglager für Atommüll.

Der 1988 abgeschaltete Kugelhaufenreaktor von Jülich, so Moormann, sei seit der Havarie von 1978, der einzigen in Deutschland, eine der am stärksten mit besonders gefährlichem Strontium verseuchten Nuklearanlagen weltweit. Der extrem verseuchte Jülicher Reaktorbehälter, so Moormann, könne wahrscheinlich erst im kommenden Jahrhundert zerlegt werden. Zusätzlich habe der schwere Störfall 1978 den Boden unter dem Reaktor mit Strontium verseucht.

Der Atommüll des Jülicher Forschungsreaktors ist teilweise aus Jülich weggeschafft worden. „Die AVR-Kugeln sind wegen des Störfallbetriebs marode, staubig, feucht, porös, brennbar und geben leicht Radioaktivität

ab: viel schlechtere Voraussetzungen für eine Entsorgung als etwa bei Glaskokillen. Bis zur Endlagerfähigkeit muss noch viel getan werden.

Schlimmer noch, Kugelhaufenreaktoren verursachen 20- bis 40-mal mehr Müllvolumen als normale Reaktoren, und damit gewaltige Entsorgungskosten.“ so Moormann. Da man aber nur einen Teil des Atommülls aus Jülich weggeschafft habe, sei 1993 in Jülich ein Billiglager entstanden, „das unsicherste in Deutschland“. Bei Platzregen würden die Castoren dort manchmal Feuchtealarm geben, weil es dann in das Billiglager reinregne. Mitte 2013 war die Genehmigung für das Jülicher Atommülllager ausgelaufen, seitdem werde es nur noch geduldet.

Besonders gefährlich, so Moormann, seien 305 Kugelcastoren, die nach Ahaus verschickt worden waren. Diese enthielten waffenfähiges Uran für zehn bis zwölf Hiroshima-Bomben.

 







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