Fakten über Füchse

28.02.12
UmweltUmwelt, TopNews 

 

von Initiative „Schonzeit für Füchse“

Seit Ende 2010 setzt sich die Initiative „Schonzeit für Füchse“ mit inzwischen über 70 Unterstützern aus den Bereichen Tier- und Naturschutz bundesweit für eine geregelt Schonzeit für Füchse ein. Inzwischen wird das Thema sowohl in der Politik als auch in den Medien kontrovers diskutiert und findet Eingang in Gesetzesvorhaben.

. Wie viele Füchse werden von Jägern getötet?
 
Allein in Deutschland werden nach offiziellen Zahlen der Jagdverbände jedes Jahr etwa 500.000 bis 600.000 Füchse erschossen, in Fallen gefangen oder anderweitig von Jägern getötet [1]
 
Damit ist die Jagd die bei weitem häufigste Todesursache für Füchse - Kugel, Schrot und Schlagfalle sind Studien zufolge je nach Gebiet für 56 bis 80 Prozent der jährlichen Fuchsmortalität verantwortlich.
 
. Warum werden Füchse gejagt?

o Freude an der Jagd. In Mittel- und Westeuropa sowie weiten Teilen Nordamerikas dürfte der Hauptgrund Freude und Lust an der Jagd sein – hunderte von Jagdberichten, die in Büchern und Jagdzeitschriften veröffentlicht werden, stilisieren die Fuchsjagd mit Flinte oder Falle zu einem unglaublich erregenden Erlebnis empor. Insbesondere die winterliche Ansitz- oder Lockjagd zur Paarungszeit sowie die Baujagd finden sich immer wieder in den literarischen Ergüssen schreibender Waidmänner. Wer sich dafür interessiert, entdeckt beispielsweise im Online-Forum der Jagdzeitschrift Wild und Hund einen reichen Fundus entsprechender Beispiele.
 
o Nutzung des Fells. Für einige Jäger und Fallensteller spielt es sicherlich auch eine Rolle, dass sie dem getöteten Fuchs zumindest in den Wintermonaten das Fell über die Ohren ziehen können – für die einen als Trophäe, für die anderen als Handelsware. Alles in allem kann man jedoch davon ausgehen, dass diese Motive durch gefallene Pelzpreise und eine sich verändernde Modewelt zumindest in der westlichen Hemisphäre immer mehr zugunsten des Jagderlebnisses in den Hintergrund gerückt sind.
 
o Beutekonkurrenz.  Jäger sehen in Füchsen häufig Schädlinge und Beutekonkurrenten, die es zu eliminieren gilt. In diesen Fällen verschiebt sich der Fokus von der lustorientierten "Nutzung" der Fuchsbestände zu ihrer Bekämpfung - es geht darum, jeden erreichbaren Fuchs so effizient wie möglich zu eliminieren. In den letzten 15 bis 20 Jahren verbreitet sich dieses Bild vom Fuchs als Schädling - nicht zuletzt durch das eifrige Zutun der Jägerschaft - immer mehr in der Öffentlichkeit. Es wird angeführt, Füchse seien eine Bedrohung für andere Tierarten, gefährliche Krankheitsüberträger oder landwirtschaftliche Schädlinge, doch handelt es sich dabei wohl eher um Rechtfertigungsversuche als um Motive für die Fuchsjagd.
 
. Sind Füchse eine Gefahr für den Bestand von Rebhühnern und Hasen?

Als Folge der Intensivierung der Landwirtschaft und der damit einhergehenden massiven Umgestaltung unserer Natur gehen die Bestände vieler Wildtiere kontinuierlich zurück. Darunter befindet sich auch so manche Tierart - vom Hasen bis zum Rebhuhn -, die auch dem Fuchs als Beuteart dient. Viele Jäger folgern daraus, dass durch die intensive Verfolgung von Füchsen den menschengemachten Ursachen für den Rückgang bedrohter Arten entgegengewirkt werden kann.
 
Tatsächlich lässt sich die Frage, ob Füchse ihre Beutetiere ausrotten, im Hinblick auf das gesamte natürliche Verbreitungsgebiet des Rotfuchses klar verneinen. Füchse haben dort schon seit Jahrtausenden mit den betreffenden Beutearten koexistiert, und wenn durch die Veränderung der Lebensbedingungen von Räuber und Beute die betreffende Beuteart seltener wird, stellt sich ein Nahrungsgeneralist wie der Fuchs eben auf eine häufigere Beute um. Dieses Phänomen, das in der Natur das Seltene auf Kosten des Häufigen schützt, nennt sich in der biologischen Terminologie „Schwelleneffekt“.
 
Um einige Fakten zu nennen: Selbst in osteuropäischen Ländern, in denen Hasen noch in großer Zahl vorhanden sind, liegt der Anteil der gefundenen Fuchslosungen mit Hasenresten unter 10%, Studien im Bliesgau wiesen ihn in den Monaten Januar bis Mai mit 4,8%, sonst mit unter 2% aus, wohingegen keine Verluste bei den in geringen Dichten vorkommenden Rebhühnern und Fasanen festzustellen waren. Im Saarland war der Wildgeflügelanteil während einer dreijährigen Studie mit durchschnittlich 3,5% zu beziffern, im Rheintalgraben wurde der Anteil der zu Jagdzwecken ausgesetzten Fasanen mit 1,82%, der des Rebhuhns mit 0,156% angegeben - und Untersuchungen in der Camargue ergaben, dass Entenvögel insbesondere dann erbeutet werden, wenn viele von ihnen durch die Jagd angeschossen oder geschwächt sind.  
 
Eine wissenschaftliche Studie aus dem unbejagten Nationalpark Bayerischer Wald stellt fest, dass die erfolgreich wiederangesiedelte Auerhhuhnpopulation vom Rotfuchs nicht gefährdet ist. Die Einwirkung des Fuchses auf andere Niederwildarten schätzen Experten auf weniger als 1%.
 
Trotz dieser eindeutigen Beweislage behaupten viele Jäger, Füchse „müssten“ bejagt werden, weil sie ihre Beutetiere ausrotteten.  
 
Siehe auch: Ist Fuchsjagd ein geeignetes Mittel, um bedrohten Vogel- und Säugetierarten zu helfen?
 
. Füchse als Überträger der Tollwut

Der letzte mit Tollwut infizierte Fuchs wurde in Deutschland 2006 in der Nähe von Mainz am Rhein gefunden. Seit 2008 ist Deutschland gemäß der Weltgesundheitsorganisation WHO frei von „terrestrischer Tollwut“. Die nächsten Tollwutfälle wurden erst weit im Osten Europas wieder entdeckt. Die Gefahr, dass sich die Tollwut in den nächsten Jahren in Deutschland wieder ausbreiten könnte, ist ausgesprochen gering.  
 
Wie unabhängige Studien des Friedrich-Löffler-Instituts für Viruskrankheiten der Tiere und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung ergeben haben, ist es durch jagdliche Mittel nicht möglich, die sylvatische Tollwut zu beeinflussen. Als man in den 1970er Jahren versuchte, durch Tötung aller erreichbaren Füchse – selbst durch den Einsatz von Giftgas an Fuchsbauen – die Tollwut zu bekämpfen, blieb einerseits die Fuchsdichte konstant, während andererseits die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Tollwut sogar wuchs. Grund dafür ist, dass die Geburtenrate der Füchse bei starker Bejagung ansteigt, und somit der Anteil der Jungfüchse an der Gesamtpopulation erhöht wird. Gerade diese Jungfüchse müssen sich jedoch im Herbst auf weiten Wanderungen eigene Reviere suchen, was sie - infolge der daraus resultierenden zahlreichen Kontakte zu Artgenossen - zu idealen Überträgern der Tollwut macht. Summa summarum beschleunigt Jagd also die Tollwutausbreitung, anstatt sie einzudämmen; Erfolge im Kampf gegen die Tollwut können nur durch den Einsatz von Impfködern erzielt werden.
 
. Füchse und Fuchsbandwurm

Echinokokkose – also die Erkrankung am Fuchsbandwurm – ist eine meldepflichtige Krankheit, weswegen die Anzahl der Neuerkrankungen sehr genau bekannt ist. In Deutschland betrifft dies jährlich etwa 20 Menschen. Damit ist es etwa fünfmal wahrscheinlicher, von einem Blitz getroffen zu
werden, und etwa doppelt so wahrscheinlich, mit einer Jagdwaffe getötet zu werden, als am Fuchsbandwurm zu erkranken.  
 
Auf die Krankheitshäufigkeit des Kleinen Fuchsbandwurms hat die Fuchsjagd keinen Einfluss. Neueste Untersuchungen der Universität Hohenheim, der Technischen Universität München und der Universität Zürich deuten darauf hin, dass die Jagd auf den Fuchs eher kontraproduktiv im Hinblick auf das Vorkommen des Kleinen Fuchsbandwurms sein könnte. Die durch die Bejagung erhöhte Nachwuchsrate der Füchse sowie der erhöhte Austausch zwischen den Revieren führt dazu, dass der Fuchsbandwurm in bisher bandwurmfreie Fuchsbestände getragen wird.
 
. Welchen Nutzen haben Füchse für die Natur?
 
o Füchse haben in der Natur die Aufgabe einer Art „Gesundheitspolizei“.  Sie entsorgen verunfalltes Wild und anderweitiges Aas und vertilgen wie kein anderer Beutegreifer große Mengen von Wühl-, Feld- und Rötelmäusen. Das wiederum kommt Forst- und Landwirtschaft zugute, die tendenziell mit den Folgen intensiverer Mäuseplagen konfrontiert sind (siehe z.B. DLR Eifel/Bitburg).  

o Der gestaltende Einfluss von Beutegreifern wie dem Fuchs auf Größe und Zusammensetzung der Bestände ihrer Beutetiere wird von Jägerseite immer noch unzulässig simplifiziert. Beutegreifer gelten hier häufig lediglich als "Räuber", also als Tiere, die auf Kosten anderer leben. Füchse haben wie andere Beutegreifer jedoch auch vielfältige positive Wirkungen in der Dynamik von Lebensgemeinschaften, indem sie  z.B. hohe Nachwuchsraten bei häufigen Arten abschöpfen und so für notwendigen Ausgleich sorgen.  

Die Rolle der Beutegreifer als "Fitness- Trainer" für andere Tierarten wird zudem oft unterschlagen. Dadurch, dass gerade kranke und geschwächte Tiere Füchsen am leichtesten zum Opfer fallen, werden mögliche Seuchenherde rasch eliminiert. Gesunde Feldhasen oder Wildkaninchen sind aufgrund ihrer Geschwindigkeit für einen Fuchs in aller Regel unerreichbar. Dadurch tragen Beutegreifer wie der Fuchs dazu bei, Kondition und Gesundheit ihrer Beutetierbestände zu verbessern.
 
Auch innerhalb der Jägerschaft gibt es Verbände und Gruppierungen, welche die Bejagung des Fuchses mit dem – in der Praxis ohnehin nicht zu erreichenden - Ziel der Bestandsreduktion  für unsinnig erachten; genannt seien hier die Ökologischen Jagdverbände, zahlreiche Pächter von Waldrevieren, die Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Jagd Schleswig-Holstein u.a..
 
Können Füchse überhand nehmen?
 
Von Jägern wird oft behauptet, es gäbe „zu viele“ Füchse, oder Füchse würden „überhand nehmen“, wenn man ihnen nicht mehr mit Flinte und Falle nachstellen würde.
 
Ob es „zu viele“ Füchse gibt, liegt letzten Endes im Auge des Betrachters. Für Menschen, die möglichst jeden zu Jagdzwecken ausgesetzten Fasan anschließend auch wieder abschießen wollen, ist jeder Fuchs einer zu viel – „wer Füchse sieht, hat zu viele davon“, titelte daher eine große
deutsche Jagdzeitschrift vor einigen Jahren. Wer dagegen an einer friedlichen Koexistenz mit Füchsen interessiert ist, sich vielleicht sogar an ihrem Anblick und ihrer Beobachtung erfreut, oder ihre Dienste bei der Bekämpfung von Wildtierkrankheiten und der Vertilgung landwirtschaftlicher „Schädlinge“ schätzt, wird praktisch niemals zu viele Füchse vorfinden.
 
Füchse stehen am oberen Ende der Nahrungskette. Ihre Bestände wurden und werden nicht durch eventuelle Fressfeinde bestimmt, sondern über das zur Verfügung stehende Nahrungsangebot sowie ein komplexes Sozialsystem reguliert, durch das stabile Bestände mit einem Minimum an individuellem Stress etabliert werden. Verfolgt man Füchse nicht, ist also die Sterberate gering, leben Füchse in Familienverbänden aus einem Rüden und mehreren Füchsinnen zusammen, von denen sich aber – ähnlich wie bei Wolfsrudeln – nur die dominante fortpflanzt. Die anderen Füchsinnen haben lediglich eine Helferfunktion bei der Aufzucht und beim Beschützen der Jungen inne. Infolgedessen beschränkt dieses System automatisch die Geburtenrate und hält die Fuchspopulation auf einem konstanten Niveau, da nur ein kleiner Teil der Fähen schwanger wird. „Geburtenbeschränkung statt Massenelend“, kommentierte der Biologe Erik Zimen dieses Phänomen.  
 
Greift nun jedoch der Mensch mit Gewehr und Falle in dieses Gefüge ein, brechen diese stabilen Sozialstrukturen auf. Infolgedessen wird nahezu jede Füchsin trächtig, und Studien zeigen, dass auch die durchschnittliche Wurfgröße in starken Fuchspopulationen deutlich höher ist als in unbejagten Gebieten. Die Geburtenrate steigt hierdurch dramatisch an.
 
Nichtsdestoweniger gibt es heutzutage sicherlich mehr Füchse in Mitteleuropa als noch vor fünfzig oder hundert Jahren; insbesondere in städtischen Regionen hat die Fuchsdichte zugenommen. Zurückzuführen ist dies nicht zuletzt auf das gute Nahrungsangebot, das Reineke in der Nähe menschlicher Siedlungen mit ihren Wohlstandsabfällen vorfindet, und durch das dieselbe Fläche mehr Füchse ernähren kann, als es in reinen Wald- oder Feldrevieren der Fall ist. Nach einer kontinuierlichen Zunahme der Fuchspopulation zwischen Anfang der 1990er Jahre und dem Beginn des neuen Jahrtausends scheint die Fuchsdichte inzwischen jedoch auf einem konstanten Niveau zu verharren. Studien zeigen in der Tat, dass sich - bedingt durch die erwähnte soziale Dichtekontrolle der Fuchspopulationen - eine solche Stabilisierung der Fuchsdichte weit unterhalb jenes Niveaus einstellt, das durch das oft reichhaltige Nahrungsangebot eigentlich möglich wäre. Studien aus England zeigen, dass dort selbst bei einem 150fachen Nahrungsangebot keine weitere Steigerung der Fuchspopulation zu verzeichnen war.
 
. Warum gehen Füchse in die Städte?

Häufig finden Füchse in Städten bessere Deckung als in der umgebenden, oft durch die Landwirtschaft regelrecht ausgeräumten Kulturlandschaft. Der dichte Straßenverkehr stellt zwar eine Bedrohung dar, doch ist diese weitaus kalkulierbarer als der hohe Jagddruck, der in Wald und Feld auf Füchsen lastet. Insgesamt finden Füchse damit in Siedlungsgebieten meist bessere Lebensbedingungen vor als in freier Natur.
 
Der Schaden, den Füchse in Gärten anrichten können, hält sich in Grenzen – beim Vergraben von Beuteresten umgewühlte Beete, beim Spielen verschleppte Gegenstände, oder die nächtlichen Lautäußerungen sind in aller Regel der Gipfel der von Stadtfüchsen zu erwartenden Belästigung. Umfragen in fuchsreichen Städten zeigen, dass nur ein sehr kleiner Teil der Bürger überhaupt jemals mit derartigen Problemen konfrontiert ist.  
 
Auf der anderen Seite freuen sich sicherlich viele Menschen darüber, Wildtiere als Besucher in ihrem Garten zu haben und sie beobachten zu können - immerhin sind Füchse die größten wildlebenden Beutegreifer, die wir hierzulande zu Gesicht bekommen. Umfragen in verschiedenen europäischen Städten mit großen Fuchspopulationen zeigen dementsprechend auch, dass die meisten Menschen dem urbanen Meister Reineke neutral bis positiv gegenüberstehen: In einer großangelegten Studie in Großbritannien gaben 65,7% der Befragten an, Stadtfüchse zu mögen, und weitere 25,8% beurteilten sie neutral. Ähnliche Resultate zeigte eine Umfrage in einem Münchner Vorort, in der ebenfalls positive Einstellungen zu Stadtfüchsen überwogen und 91% der Aussage zustimmten, Stadtfüchse hätten ein Recht auf Leben.
 
. Wie werden Füchse gejagt?
 
o Ansitzjagd. In den meisten Ländern - darunter auch Deutschland, Österreich und die Schweiz - werden Füchse in der Regel mit Kugel, Schrot oder Falle getötet. Beispielsweise lockt man sie mit Fleisch (dem sogenannten „Luder“), mit dem Urin läufiger Füchsinnen, oder mit den Klagelauten verletzter Beutetiere an und erschießt sie vom Hochsitz aus.  

o Auf Treib- und Drückjagden werden die verängstigten Füchse durch den von Treibern verursachten Lärm bzw. stöbernde Hunde aus der Deckung vor die Flinten der wartenden Jäger getrieben.  

o Die Baujagd ist eine besonders grausame Jagdart, bei der kleine, aber aggressive ("raubwildscharfe") Hunde in den Fuchsbau geschickt werden, um in der Höhle verharrende Jungfüchse zu töten und die erwachsenen Tiere aus dem Bau jagen, wo bereits die Schützen auf sie warten. Mutige Füchse lassen es dabei bisweilen auf einen
Kampf mit dem Hund ankommen, der im schlimmsten Fall für beide Beteiligten tödlich enden kann, meist aber zumindest zu gravierenden Verletzungen führt.

o Fallenjagd. In Deutschland sind per Gesetz nur noch Fallen erlaubt, die „sofort töten“ oder „unversehrt fangen“; zudem muss der betreffende Jäger über einen sogenannten Sachkundenachweis verfügen, den er z.B. in einem Fallenlehrgang erwerben kann. Die Realität sieht allerdings anders aus, wie verschiedene Studien zeigen – bei den angeblich „unversehrt fangenden“ Kastenfallen gerät das gefangene Tier in jenem Moment, in dem sich die Falle schließt, bisweilen in Panik, tobt umher und verletzt sich dabei selbst. Blutspuren zuvor in derselben Falle erschossener Füchse verbessern die Situation nicht gerade.  
 
„Sofort tötende“ Fallen aus der Sicht des Tierschutzes noch zweifelhafter. Hierbei wird das Tier, das den Köder annimmt, meist durch den Schlag eines Metallbügels auf Hals oder Brustkorb getötet – aber nur, wenn ein Tier der richtigen Größe den Köder aus der richtigen Position mit dem richtigen Körperteil berührt. Wenn einer dieser Parameter nicht stimmt – etwa, weil ein Fuchs auf die dumme Idee kommt, den Köder mit der Pfote anzunehmen – resultiert das in Quetschungen und blutigen Verletzungen bis hin zur Verstümmelung.
 
Gang und Gäbe ist es darüber hinaus, Jungfüchse bereits am Bau in speziellen Jungfuchsfallen zu fangen. Diese Drahtfallen bestehen aus einem kastenförmigen Fangkorb, der über dem Baueingang befestigt wird. Beim Verlassen des Baus passieren die Welpen eine Klappe, die ihnen den Weg zurück in die Höhle versperrt. Die so gefangenen Jungfüchse werden schließlich vom Jäger erschlagen oder erschossen.

. Wann werden Füchse gejagt?

In den meisten Bundesländern dürfen Füchse das ganze Jahr über getötet werden. Die „Hoch-Zeit“ der Fuchsjagd ist im Januar/Februar, wenn die Tiere während der „Ranz“ (Paarungszeit) häufig unvorsichtiger und auch aufgrund der Spuren im Schnee leichter aufzufinden sind. Seit 2010 gilt im Saarland eine Schonzeit von Mitte Februar bis Mitte August; in Berlin werden erwachsene Füchse von Februar bis Oktober vor Nachstellungen geschützt. In einigen weiteren Bundesländern gilt eine Minischonzeit von ca. März bis Juni.
 
Überall sonst dürfen Fuchsrüden und Welpen zu jeder Zeit umgebracht werden. Fähen dürfen während der Zeit der Jungenaufzucht erst erlegt werden, wenn zuvor alle noch von ihr abhängigen Jungtiere getötet wurden. Selbst dieses Minimum an Schutz wird Reineke jedoch offensichtlich nicht gewährt: Die Biologen um Erik Zimen stellten bei ihren Untersuchungen im Saarland beispielsweise
fest, dass viele erschossene Füchse in Mai, Juni und Juli Füchsinnen waren. Auch in Jagdliteratur und Internet-Foren findet man viele Berichte, in denen Jäger das Geschlecht eines in Mai oder Juni erschossenen Fuchses erst am toten Tier bestimmen.
 
. Gebiete, in denen Füchse nicht gejagt werden

Im gesamten Verbreitungsgebiet des Rotfuchses gibt es Reservate oder Nationalparks, in denen er nicht gejagt wird – dies sind Orte, an denen Füchse weitaus einfacher zu beobachten und weitaus weniger scheu sind als dort, wo der Fuchs intensiv bejagt wird.
 
Bekannte Beispiele dafür sind etwa der kanadische Prince-Albert-Nationalpark, in dem der Biologe J.D. Henry zahlreiche Studien durchführte, oder der italienische Gran Paradiso-Nationalpark. Auch in Israel oder auf Hokkaido, der nördlichen japanischen Hauptinsel, werden Füchse nicht gejagt. Selbst in Deutschland finden sich einige Gebiete, in denen Füchse geschützt sind, wie die allermeisten Nationalparks.  
 
In den Niederlanden ist Reineke mit dem Inkrafttreten des neuen Naturschutzgesetzes ("Flora- en Faunawet") im Jahre 2002 auf Initiative der damaligen Mitte-Links-Regierung ganzjährig unter Schutz gestellt worden. Obwohl keinerlei nachteilige ökologische oder landwirtschaftliche Folgen nachgewiesen werden konnten, brach ein wahrer Proteststurm in der niederländischen Jägerschaft aus, der nach der Machtübernahme einer von Jägern durchsetzten konservativen Regierung im Jahr 2005 dazu führte, dass Füchse wieder ganzjährig zum Abschuss frei gegeben wurden.
 
. Wo leben Rotfüchse?

Durch ihre unglaubliche Anpassungsfähigkeit können Rotfüchse nahezu überall überleben, wo sich ihnen genug pflanzliche oder tierische Nahrung bietet. Am liebsten sind ihnen natürlich sichere deckungs- und waldreiche Gebiete, insbesondere dann, wenn ihnen Gefahr durch Menschen droht. Obwohl Menschen ihnen so gnadenlos nachstellen, haben Füchse den Weg in menschliche Siedlungsgebiete gefunden – einerseits gibt es dort leicht erreichbare Nahrung, andererseits erkennen die intelligenten Tiere, dass ihnen dort sehr viel weniger Gefahr droht als von Jägern in Wald und Feld.
 
. Wovon ernähren sich Füchse?

Auch wenn Füchse aus taxonomischer Sicht Karnivoren, also Fleischfresser sind, besteht ihre Nahrung keineswegs nur aus Fleisch – insbesondere im Sommer, wenn Früchte und Beeren reif sind, steigt der Rotfuchs zu wesentlichen Teilen auf bequem erreichbare pflanzliche Kost um. Bei einer im Sommerhalbjahr durchgeführten Untersuchung im Saarland fand man in den Mägen von 37 von 55 erschossenen Füchsen Obstreste.
 
Füchse jagen – im Gegensatz etwa zum Rudeljäger Wolf – fast immer allein, und ihre Beute sind dementsprechend in der Regel Lebewesen, die deutlich kleiner sind als sie selbst. Hauptbeute von Füchsen sind ohne jeden Zweifel Mäuse, die in manchen Gebieten bis zu 90 Prozent der Fuchsnahrung ausmachen. Kaninchen stehen aufgrund ihrer Häufigkeit ebenfalls relativ weit oben auf der füchsischen Speisekarte, und – man höre und staune – auch Regenwürmer erfreuen sich großer Beliebtheit. Der Biologe Macdonald beobachtete beispielsweise Füchse, die im Sommer in einer einzigen Nacht 150 Regenwürmer fingen und damit knapp zwei Drittel ihres täglichen Energiebedarfs deckten. In der Nähe menschlicher Siedlungen bedienen sich Füchse überdies gerne an den Abfällen unserer Zivilisation, vom McDonald´s-Hamburger bis zur nur halb aufgegessenen und achtlos weggeworfenen Pizza.
 
Demgegenüber sind weniger häufige Wildtiere wie etwa Wildgeflügel oder auch Feldhasen nur sehr selten auf der Speisekarte von Füchsen zu finden. Einerseits ist es für den Fuchs Zeitverschwendung, erfolglos nach seltener und dementsprechend schwer zu findender Beute zu suchen, andererseits ist etwa ein gesunder Hase keine Beute für einen noch so schnellen Fuchs – mit ihren kräftigen Hinterläufen können die Langohren sich aus dem Stand auf mehr als 70 km/h katapultieren. Untersuchungen zeigen, dass der bei weitem größte Teil der von Füchsen gefressenen Hasen als Aas aufgenommen wird.
 
Füchse im Internet, weiterführende Informationen:

  • Fuechse.info  Eine der wohl größten Wissenssammlungen über Vulpes vulpes im Internet.
  • Schonzeit für Füchse Bundesweite Initiative von über 70 Tier- und Naturschutzorganisationen, die sich für eine bundesweise Schonzeit für Füchse einsetzt.
  • Petition  für die Einführung einer geregelt Schonzeit für Füchse von Januar bis September
  • Wildtierschutz Deutschland:  Artikel, Videos, Links zu jagdrelevanten Fuchsthemen

[1] Quelle: DJV -
http://www.jagd-online.de/datenfakten/jahresstrecken/?meta_id=262
www.schonzeit-fuer-fuechse.de

 

   


VON: INITIATIVE „SCHONZEIT FÜR FÜCHSE“






<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz