Russlands Krauskopfpelikane in Gefahr


Nowaja Gaseta (Moskau)

21.02.12
UmweltUmwelt, Internationales 

 

von Bernhard Clasen
 
Dagestanische Kälte macht den ungewöhnlichen Vögeln zu schaffen

Russlands Krauskopfpelikane sind in Gefahr. Mitte Februar landeten in der russischen Kaukasusrepublik Dagestan 600 Krauskopf-Pelikane. Bei ihrem Flug in wärmere Gefilde waren sie von der Kälte so geschwächt, dass sie in Dagestan, am Ufer des Kaspischen Meeres, Station machen mussten.

Angesichts der auch für Dagestan ungewöhnlichen Kälte sind das Ufer des Kaspischen Meeres und der Agrachanskij-Meerbusen teilweise vereist. Deswegen können die Pelikane dort nur sehr eingeschränkt Fische fangen. Dutzende von ihnen sind nach Angaben der „Nowaja Gaseta“ bereits gestorben.

Pelikane gehören zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Der größte Pelikan ist der Krauskopfpelikan mit einem Gewicht von bis zu 13 Kilogramm, einer Körperlänge von 1,8 Metern und einer Flügelspannweite von 3,5 Metern. Der Krauskopfpelikan ist vom Aussterben bedroht, in Russland, so die Nowaja Gaseta, leben nur noch 450 bis 710 brütende Paare.

Das dagestanische Umweltministerium, der dagestanische Duma-Abgeordnete Riswan Kurbanow, die Menschenrechtsorganisation „Memorial“ und die dagestanische Kinderstiftung „das reine Herz“ kämpfen um das Überleben der Pelikane. 400 Kilogramm Nahrung bringen sie jeden Tag für die vom Tod bedrohten Pelikane. Auch Studenten der Universität von Dagestans Hauptstadt Machatschkala legen Sonderschichten ein, um den Pelikanen zu helfen.

Die ansonsten sehr scheuen Pelikane haben durch den Hunger ihre Angst vor den Menschen verloren und würden diesen die Nahrung direkt aus deren Händen fressen, zitiert die Nachrichtenagentur „RIA Dagestan“ einen der Studenten. Doch ob dies ausreicht, ist ungewiss. Die Vögel, so die „Nowaja Gaseta“, müssten jeden Tag 500 Kilogramm Nahrung erhalten, um überleben zu können.

Bei einem Treffen im Umweltministerium zur Lage der Pelikane warfen dagestanische Umweltschützer Beamten des dagestanischen Umweltministeriums vor, diese würden nicht genügend für die Rettung der Vögel unternehmen.

Gleichzeitig sammelt die „Nowaja Gaseta“ Spenden, um einen Teil der bedrohten Pelikane von qualifizierten Ornithologen außerhalb von Dagestan behandeln zu lassen.

Sollten sie ihren Kampf verlieren, wäre die Population der Krauskopfpelikane in Russland um die Hälfte dezimiert.

Seit Ende Januar herrscht in Dagestan am Kaspischen Meer eine ungewöhnliche Kälte. In den Bergregionen sind die meisten Kindergärten und Schulen geschlossen. Zahlreiche Winterkulturen konnten die Kälte nicht überleben, darunter auch 12 Tausend ha Weinanbaugebiete.  Der wirtschaftliche Schaden der Kälte liegt bei Zig-Millionen Euro.

Weiterführende Links:
Youtube:
http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=lmz1SjI6VUw
Das 1. Programm des Russischen Fernsehens zu den Pelikanen:
http://www.1tv.ru/news/social/199227

     


VON: BERNHARD CLASEN






<< Zurück