Abriss der Freiburger Universitätsbibliothek
25.01.12
Umwelt, Baden-Württemberg, Kultur, News
von BUND Regionalverband Freiburg
Nicht nur in Freiburg: marode „neue“ Gebäude
Der Abriss der 33 Jahre jungen Freiburger Universitätsbibliothek ist ein gut sichtbares Symbol und Beispiel für ein weit verbreitetes Phänomen. Relativ neue, mittlerweile sanierungsbedürftige Straßen, Flachdächer, Schulen, Brücken und andere öffentliche Gebäude gibt es im ganzen Land.
Es gibt zu diesem Nachhaltigkeitsthema und zu dieser unglaublichen Milliardenverschwendung, die die öffentlichen Haushalte schwer belastet, allerdings fast keine politische Debatte. Überall wird „teuer und still“ saniert oder abgerissen.
Sie werden sich sicher fragen, warum ausgerechnet ein Umwelt- und Naturschutzverband sich dieses „Bau-Themas“ annimmt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland steht für Nachhaltigkeit, das heißt, nachfolgende Generationen sollen nicht mit den Langzeitwirkungen des vergangenen und heutigen Raubbaus belastet werden.
Unser Herzblut hängt nicht an dem zeitgeist-scheußlich-parkhausähnlichen Gebäude der alten Unibibliothek. Wir kritisieren nicht den vermutlich leider notwendigen Abriss, wohl aber die traurige Notwendigkeit abreißen zu müssen. Der Abriss der wenige Jahrzehnte jungen Unibibliothek in Freiburg ist ein Beispiel für nicht-nachhaltiges, verschwenderisches öffentliches Bauen (nicht nur) in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts.
Wenn wir die gezielte Verkürzung der Produktlebensdauer von Universitätsbibliotheken, Zahnbürsten, Strumpfhosen, Computern, Gebäuden und anderen Dingen (Brustimplantaten!) einfach so akzeptieren, wenn die Zyklen des Produzierens, Kaufens, Nutzens und Wegwerfens immer kürzer werden, dann brauchen wir uns über die absehbare Endlichkeit der Energie- und Rohstoffreserven und die Verlängerung der Lebensarbeitszeit nicht zu wundern. Gute, schöne, sinnvolle, reparaturfähige Produkte möglichst lange nutzen... nur so können wir die Energie- und Rohstoffwende durchsetzen. (Hier geht´s zum gestrigen, absolut beeindruckenden ARTE Film zu diesem Thema)
Spannend am „Sanierung“ genannten Abriss in Freiburg sind die zwei Ebenen der Diskussion in der Stadt. Neben den "offiziell" genannten und diskutierten Abrissgründen scheint es auch "nicht diskutierte", weitere Abrissgründe zu geben, u.a. die von Anfang an nicht richtig funktionierende Klimaanlage und den hohen Krankenstand der MitarbeiterInnen der Bibliothek.
Wir haben zu wenig Informationen um den Neubau der Unibibliothek konstruktiv zu bewerten. Auffallend ist allerdings die „Fast-Nur-Fassadendiskussion“ in Freiburg. Ob es beispielsweise ausreicht, angesichts der zu erwartenden Preisexplosion bei Heizkosten, den Energieverbrauch „nur“ um 60% zu senken, ist offen. Beschränkte „Fassadendiskussionen“ lenken von den Nachhaltigkeitsaspekten eines Neubaus ab.
Hoffentlich wurden wegen des schönen Scheins nicht wieder zu viele Kompromisse gemacht. Auch wenn es dem Zeitgeist nicht entspricht sind uns die "inneren Werte" eines Gebäudes wichtiger als der "schöne Schein". Wenn sich beides in der neuen Bibliothek vereinen lässt, dann ist das höchste Architekten- und Ingenieurskunst. Wir sind verärgert über das Alte und gespannt auf das Neue...
http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/universitaetsbibliothek-freiburg.html www.bund-freiburg.de
VON: BUND REGIONALVERBAND FREIBURG
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