Die Vermessung des Kongo


25.10.17
UmweltUmwelt, Internationales 

 

Von WWF 

WWF-Wildtierzensus in Zentralafrika: Zahl der Waldelefanten bricht um zwei Drittel ein / Bestände der Menschenaffen stabilisieren sich

Nur wenige Tierbestände stehen weltweit derart unter Druck wie die der zentralafrikanischen Waldelefanten. Wie dramatisch die Situation der Dickhäuter ist zeigt ein aktueller Wildtierzensus des WWF, der in Kamerun, der Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik und Gabun durchgeführt wurde. Demnach sank die Zahl der Waldelefanten im untersuchten Gebiet zwischen 2008 und 2016 um 66 Prozent auf weniger als 10.000 Tiere. Hauptgrund für den Einbruch ist der illegale Elfenbeinhandel und die damit einhergehende Wilderei. Der WWF sieht die Waldelefanten damit in einer ebenso fatalen Situation wie die Artenschutzkonferenz Cites. Letztere hatte vor kurzem Statistiken veröffentlicht, wonach etwa sieben von zehn tot aufgefundenen Elefanten in Zentralafrika der illegalen Jagd zum Opfer fallen.

„Zentralafrika ist nach wie vor ein Hotspot der Artenvielfalt. Doch diese Vielfalt ist stark bedroht“, sagt Dr. Ilka Herbinger, Afrika-Referentin beim WWF Deutschland. „Bei den Waldelefanten müssen wir dringend eine Trendwende erreichen. Sonst könnten die Dickhäuter in Zentralafrika schon in wenigen Jahren so stark dezimiert sein, dass sie sich aus eigener Kraft nicht mehr erholen.“ Ebenfalls Teil der Zählung waren die in der Region beheimateten Gorillas und Schimpansen, deren Bestände sich zur Freude der Umweltschützer jedoch in den untersuchten Gebieten stabilisiert haben auf rund 59.000 Individuen.

Ziel des Wildtierzensus war es, die Entwicklung der Artenvielfalt sowie die Auswirkungen der menschlichen Aktivitäten zu dokumentieren und so Management- und Naturschutzstrategien entsprechend anzupassen. In den vier Ländern wurde ein Gebiet von rund 60.000 Quadratkilometern untersucht, was in etwa der doppelten Fläche Brandenburgs entspricht. Das Kongobecken ist nach dem Amazonas das zweitgrößte Regenwaldgebiet der Erde. Im untersuchten Gebiet liegen auch weltbekannte Naturdenkmäler wie Dzanga Sangha, Teil des Trinationalen Schutzgebiets Trinational de la Sangha, der für seine Waldlichtung – der Dzanga Bai – bekannt ist, die täglich von bis zu 150 Waldelefanten aufgesucht wird.

„Der Wildereidruck auf die Elefanten ist mittlerweile so hoch, dass sie gezielt Schutz in den Nationalparks suchen. Dort ist unseren Untersuchungen zufolge der Widereidruck durch Schutzmaßnahmen von Regierung, WWF und weiteren Partnern um 50 Prozent gemindert. Daher finden wir auch innerhalb der Nationalparke eine deutlich mehr Elefanten als in benachbarten Waldgebieten wie etwa in Forstkonzessionen. Die Schutzgebiete allein reichen jedoch nicht aus, um die Artenvielfalt zu erhalten. Sie sind einerseits nicht groß genug, um ausreichend große Bestände dauerhaft zu beherbergen. Außerdem wandern Elefanten im Laufe des Jahres hunderte Kilometer. Der Schutz der Wanderkorridore ist daher ebenso wichtig“, so Ilka Herbinger.

Nach Ansicht des WWF bedarf es weiterer Anstrengungen, um den illegalen Wildtierhandel zu stoppen. Dazu zählen die Umweltschützer vor allem eine verbesserte Durchsetzung der Gesetze. Das müsse in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinden in und um die Schutzgebiete geschehen. Bisher mangele es an einer effektiven Strafverfolgung, um die komplexen Netzwerke der Wildtierkriminalität im Kongobecken anzugehen.







<< Zurck
Ja, auch diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz