„Wenn nicht wir gegen den Klimawandel kämpfen – wer dann?“


Braunkohletagebau; Bild: greenpeace

02.11.17
UmweltUmwelt, Bewegungen, NRW 

 

Von Attac

Aktivist*innen berichten zum Auftakt des People's Climate Summit in Bonn von den Folgen des Klimawandels im globalen Süden – und fordern, Energiekonzerne aus den Klimaverhandlungen auzuschließen

Am Freitag beginnt mit einem international besetzten Podium der People's Climate Summit in Bonn. Vom 3. bis zum 7. November treffen sich im Vorfeld der Weltklimakonferenz Klima-Aktivist*innen aus der ganzen Welt, um sich auszutauschen und zu vernetzen. Während bei der offiziellen Klima-Konferenz die Regierungen verhandeln, kommen beim People's Climate Summit jene zusammen, die direkt von den Folgen des Klimawandels betroffen sind und vor Ort für eine andere Gesellschaft kämpfen. Sie fordern, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen – und nicht die fossilen Konzerne, sondern die Zivilgesellschaft und soziale Bewegungen in die Verhandlungen der Vereinten Nationen einzubeziehen.

„Der Klimawandel ist keine ökologische Krise, sondern eine Krise der sozialen Gerechtigkeit“, sagt Nadja Charaby von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, die das Treffen zusammen mit anderen Organisationen und NGOs unterstützt. „Am Klimawandel leiden diejenigen am meisten, die am wenigsten dazu beigetragen haben.“ Der PCS, so die Organisator*innen, soll genau denen ein Forum bieten, die in der globalen Politik keine Stimme haben. Dabei gehe es um weit mehr als nur um die Reduktion von Kohlenstoffdioxid, sagt Dorothee Häußermann von

Attac: „Wir brauchen eine grundlegende Transformation hin zu einer Gesellschaft, in der die Sorge für den Planeten und unsere Mitmenschen im Fokus steht. Zum People's Climate Summit kommen Menschen aus allen Kontinenten und aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Zusammenhängen, um an dieser Aufgabe zu arbeiten."

So auch die Pacific Climate Warriors, Klima-Aktivist*innen aus 12 Inselstaaten im Pazifik, die der steigende Meeresspiegel schon zu überfluten droht. „Der Klimawandel kennt keine Grenzen“, sagt Josehp Zane Sikulu aus Tongo. „Er ist eine Krise, die uns alle betrifft und weitherhin betreffen wird – dich, mich und die Orte, die jeder von uns sein Zuhause nennt.“ Auf dem People's Climate Summit könnten Menschen die globalen Zusammenhänge, Ursachen und Folgen der Klimakrise kennenlernen. Noch wichtiger allerdings sei das Treffen als ein Ort, um sich zu vernetzen und eine starke Bewegung aufzubauen, die dafür sorge, dass die Klimakiller Kohle, Öl und Gas im Boden bleiben. „Wenn wir nicht aufbegehren und gegen den Klimawandel kämpfen – wer wird es dann tun?“ Die Pacific Climate Warriors sind Teil der Eröffnungsveranstaltung am Freitag Abend: Dort diskutieren sind mit Aktivist*innen unter anderem aus Peru, Togo, den USA und den Philippinen über die Frage, was Klimagerechtigkeit bedeutet. Im Rahmen eines Sei-Festivals werden sie im Anschluss traditionelle Praktiken pazifischer Kultur mit Berichten über die Folgen des Klimawandels verweben. Die Sei-Blume ist ein wichtiger Bestandteil pazifischer Kultur und stellt deren friedliche ebenso wie widerständige Seite dar.

Wenige Tage vor dem Beginn des offiziellen Klimagipfels am Montag nehmen die Organisator*innen auch Bezug auf die offizielle Klimapolitik. Die Pacific Climate Warriors haben eine Erklärung veröffentlicht, in der sie unter anderem fordern, die Förderung von fossilen Brennstoffen gänzlich aufzugeben – und die „größten Verschmutzer“ aus den UN-Klimaverhandlungen auszuschließen. Energiekonzerne wie Exxon oder RWE haben sich in den letzten Jahren verstärkt bei den UN-Klimaverhandlungen eingebracht und waren dort mit eigenen Veranstaltungen und Vertreter*innen präsent – eine Tatsache, die Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung Bezug, scharf kritisiert: „Wenn wir von Klimagerechtigkeit sprechen, müssen wir auch die Machtfrage stellen:

Wollen wir, dass die großen fossilen Unternehmen weiterhin den immensen Einfluss ausüben können, den sie derzeit in der internationalen Klimapolitik haben?“ Das Handeln dieser Konzerne, so Unmüßig, stehe definitiv nicht im Einklang mit dem Ziel, die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten und den Verwundbarsten auf diesem Planeten das Überleben zu ermöglichen. Zumindest bei diesem Klimagipfel wird sich daran nichts

ändern: Bei ihrer letzten Erklärung zum anstehenden Klimagipfel haben die EU-Umweltminister*innen Anfang der Woche kein Wort zum Thema Lobbying verloren – und damit eine Resolution des EU-Parlaments ignoriert, das die Regierungen zuvor aufgefordert hatte, Interessen- und Lobby-Gruppen aus den UN-Klimaverhandlungen auszuschließen.

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Mehr Informationen und das Programm: https://pcs2017.org/de







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