ROBIN WOOD-Protest in der Granitz auf Rügen - Kein Holzeinschlag in Naturschutzgebieten!

12.06.22
UmweltUmwelt, Bewegungen, Mecklenburg-Vorpommern, TopNews 

 

Von Robin Wood

Nur ein Bruchteil wertvoller Naturwälder hierzulande steht unter Schutz und selbst diese Wälder sind nicht vom Holzeinschlag ausgenommen. „Wilde Wälder wirksam schützen“ forderten ROBIN WOOD-Aktivist*innen daher heute mit einem großen Banner im Naturschutzgebiet Granitz. Sie setzen sich dafür ein, dass mehr Waldgebiete streng geschützt werden und dies in der Praxis auch durchgesetzt wird.

Die Granitz ist ein besonders wertvoller, zusammenhängender Buchenwald Rügens, der als Naturschutzgebiet im Biosphärenreservat Südost-Rügen und auf EU-Ebene als Flora-Fauna-Habitat geschützt ist. Trotzdem werden dort alte Buchen und Eichen abgesägt und zu Holz gemacht. Während es in Nationalparks inzwischen auch von Forstseite akzeptiert wird, dass Wald einfach Wald sein darf, ist es in Deutschland bis heute gängige Praxis, dass in Naturschutzgebieten Forstwirtschaft betrieben wird. Oft wird dies mit notwendiger Pflege begründet.

„Der Nutzungsvorbehalt von Forstwirtschaft in Naturschutzgebieten ist eine Altlast von vorgestern und gehört abgeschafft“, sagt der Ökologe Prof. Dr. Hannes Knapp, ehemaliger Leiter der Außenstelle Insel Vilm des Bundesamtes für Naturschutz. „Während Blumenpflücken und Abweichen vom Wege in Naturschutzgebieten Ordnungswidrigkeiten sind, wird es als selbstverständlich hingenommen, dass mit schwerem Gerät Bäume entnommen und Boden sowie die Struktur des Waldes nachhaltig geschädigt werden. Eine ungestörte Waldentwicklung wird dadurch über Jahrzehnte zurückgeworfen. In Wald-Naturschutzgebieten muss die eigendynamische Entwicklung des Waldes Vorrang vor Nutzungsinteressen jeglicher Art haben. Ein Naturschutzgebiet, in dem Holz gemacht wird wie in einem Wirtschaftswald, macht keinen Sinn.“

Bis Ende 2020 waren laut Bundesamt für Naturschutz nur 3,1 Prozent der Waldflächen in Deutschland streng geschützt. Dabei handelt es sich um Flächen in Kernzonen von Nationalparks und von Biosphärenreservaten. Damit verfehlt die Bundesregierung sogar ihr selbstgestecktes Ziel, wonach bereits bis 2020 in Deutschland fünf Prozent der Wälder bzw. zehn Prozent der Wälder der öffentlichen Hand einer natürlichen Entwicklung überlassen und streng geschützt sein sollten.

„Die Zeit des Zauderns ist ein für alle Mal vorbei. Die Bundesregierung muss jetzt entschlossen handeln und viel mehr tun für einen ernsthaften Naturschutz im Wald. Mindestens zehn Prozent der Flächen hierzulande müssen unter Schutz gestellt werden. Das sieht auch die EU so“, sagt Jana Ballenthien, Waldreferentin von ROBIN WOOD.

ROBIN WOOD kämpft seit nunmehr 40 Jahren für den Erhalt von Wäldern und für eine ökologisch ausgerichtete Waldbewirtschaftung. An diesem Wochenende treffen sich Aktivist*innen und Förder*innen der Umweltorganisation auf Rügen, um Bilanz zu ziehen und Perspektiven für die weitere Arbeit zur Rettung der Wälder zu entwickeln.







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