BBU zum Jahrestag der Katastrophe im Ahrtal: Lehren aus der Ahrtalflut ziehen!

11.07.22
UmweltUmwelt, Rheinland-Pfalz, TopNews 

 

Von BBU

Falschdimensionierung der Brücken hat die Hochwasserkatastrophe dramatisch verschärft

Am 14. Juli 2022 ist es ein Jahr her, dass das „Tief Bernd“ Tod und Verderben vom Sauerland über Belgien bis in die Eifel und das Ahrtal gebracht hat. Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. (BBU) macht im Hinblick auf diesen Jahrestag darauf aufmerksam, dass es eine unzureichende Dimensionierung der Brücken war, die die Hochwasserkatastrophe drastisch verschärft hat: An den Brücken hatten sich in den Hochwasserregionen gewaltige Mengen von Treibgut aufgestaut. Diese „Verklausungen“ haben den Wasserstand der hochwasserführenden Flüsse und Bäche noch einmal beträchtlich angehoben. Das Hochwasser verbreitete sich in die Fläche und setze auch Gebäude unter Wasser, bei denen dies aufgrund der Flussferne bis dahin ausgeschlossen schien.

Wenn die verklausten Brücken dem gewaltigen Druck der aufgestauten Wassermassen nicht mehr standhalten konnten, kam es zum explosionsartigen Brechen der „Verklausungen“: Sturzfluten rissen mit enormer Gewalt alles mit sich und häuften Wohnwagen, Baumstämme und weiteres Treibgut an der nächsten Brücke an. Kaskadenartig steilten sich die Schwallwellen von Brücke zu Brücke weiter auf. Im Ahrtal wurden auf diese Weise von 170 Brücken etwa 60 Prozent beschädigt oder völlig zerstört. In Sachsen hat eine Untersuchung ergeben, dass bei über 1.300 Brücken Handlungsbedarf besteht.

Für die Wasserexperten des BBU ist deshalb klar, dass die bisherige Berechnung der Brückendurchlässe nicht mehr den aktuellen Erkenntnissen entspricht. Die Berechnungen basieren auf der Annahme, dass nur „Klarwasser“ die Brücken passiert. Tatsächlich ist bei Extremniederschlägen mit einem „Wasser-Feststoff-Gemisch“ zu rechnen – dass das Hochwasser also große Mengen Sedimente, Geschwemmsel und Treibgut mit sich führt. Diese „Wasser-Feststoff-Gemische“ haben völlig andere Fließeigenschaften als „Klarwasser“. Daran müssen die Durchlässe der Brücken künftig angepasst werden!

Der BBU sieht es als fatal an, dass in den Hochwasserregionen vielerorts die Brücken ohne Berücksichtigung der Lehren vom 14. Juli 2021 wieder aufgebaut werden. Mit der Falschdimensionierung der Brücken ist die nächste Hochwasserkatastrophe programmiert!

Weitere Informationen zum Themenbereich Wasser: https://www.akwasser.de







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