Neues aus dem oekom-Verlag


16.04.18
UmweltUmwelt, Kultur, Ökologiedebatte, TopNews 

 

vorgestellt von Michael Lausberg

Buch 1)

Caroline Pfützner: Natürlich gärtnern mit Terra preta. Praxiswissen für Garten, Hochbeet und Balkon, oekom Verlag, München 2018, ISBN: 978-3-962-38015-1, 19 EURO (D)

Terra preta (schwarze Erde) wird ein im Amazonasbecken anzutreffender, anthropogener Boden genannt. Der Boden besteht aus einer Mischung von Holz- und Pflanzenkohle, menschlichen Fäkalien, Dung und Kompost durchsetzt mit Tonscherben und gelegentlich auch Knochen. Terra-preta-Böden wurden in einem jahrhundertelangen Prozess geschaffen und intensiv genutzt. Die Hauptverbreitungsgebiete von Terra preta konzentrieren sich auf die Gebiete der Wanderfeldwirtschaft mit Brandfeldbau in den feuchten Tropen. Nachgewiesen sind sie in Südamerika (Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Französisch-Guayana) mit einer Landfläche von ca. 154 Quadratkilometer. Dabei finden sie sich häufig in ehemaligen Siedlungsgebieten in unmittelbarer Flussnähe wieder.  Ähnliche Phänomene sind auch in anderen Erdteilen bekannt, wie beispielsweise in Afrika (Ghana, Sierra Leone, Liberia, Guinea), Südostasien (Indonesien) und auch in Europa (Deutschland und Schweden).

Neue geschaffene Terra preta könnte die Erträge landwirtschaftlich unproduktiver Böden steigern. Die zur Erzeugung der Pflanzenkohle notwendige Biomasse müsste aus Ernterückständen oder Plantagen gewonnen werden, schon weil die Nutzung primärer Urwälder (neben den verheerenden ökologischen Auswirkungen) aufgrund ihres geringen Nettozuwachses unproduktiv wäre.

Dieses Praxisbuch möchte vermitteln, wie die eigenständige Herstellung und Anwendung ohne Kunstdünger vor sich geht und zeigt Beispiele aus der Praxis für Garten, Hochbeet und Balkon auf natürlicher Grundlage. Die Autorin Caroline Pfützner stellt in ihrem Unternehmen seit 2014 hochwertige Schwarzerde nach der Terra-preta-Methode her und gibt ihr Wissen in Workshops und Vorträgen weiter.

Im ersten Kapitel des Buches wird Terra preta und sein Verdienst für einen gesunden Boden vorgestellt. Dann werden die Zutaten von Terra preta analysiert und herausgearbeitet, bevor es dann zur Beschreibung geht, wie man Schwarzerde mit Bokashi, Pflanzenkohle und EM-a selber herstellen kann. Dies wird Schritt für Schritt beschrieben, so dass auch Nichtbiologen oder Nichtchemiker dies verständlich gemacht wird. Dann werden die Bedingungen für eine schonende und nachhaltige Bodenpflege vorgestellt. Es folgt noch ein Kapitel über Nutzung der Schwarzerde in der Landwirtschaft, zugeschnitten auf die speziellen Bedürfnisse der Landwirte. Im Anhang werden die hydrothermale Karbonisierung, Qualitätsstandards für den Garten, weiterführende Informationen für den Kauf von Pflanzenkohle, die drei Hauptgruppen der Mikroorganismen, weiterführende Literatur und Kontaktadressen präsentiert.

Der Einsatz von Terra preta eröffnet die Möglichkeit massenhaften Einsatz von Mineraldünger und Pestiziden und eine falsche Bodenbearbeitung zu korrigieren. Dies kann in größeren Anwendungsgebieten (Landwirtschaft) geschehen, aber auch im eigenen Garten, Hochbeet oder Balkon. Wie man das macht, wird in diesem Buch gut und verständlich in Text und Bild erklärt.

 

Buch 2

André Leu: Die Pestizidlüge. Wie die Industrie die Gesundheit unserer Kinder aufs Spiel setzt, oekom Verlag, München 2018, ISBN: 978-3-962-38013-7, 20 EURO (D)

In diesem Buch widerlegt der Agrarexperte André Leu mit wissenschaftlich nachweisbaren Belegen, Mythen und Lügen der Agrar- und Chemieindustrie sowie von Politikern in Bezug auf Pestizidwirkstoffe auf Menschen und Tiere und schlägt Wege zu einer pestizidfreien Landwirtschaft vor.

Weltweit werden Pestizidwirkstoffe in rund 5.000 unterschiedlichen Spritzmitteln verwendet. Diese große Vielfalt von Schadstoffen kann, je nach Wirkungsweise, jede unserer elementaren Körperfunktionen gefährden. Wechselwirkungen der Gifte untereinander und deren Abbauprodukte sind bislang kaum untersucht und stellen ein weiteres Risiko dar. Viele Toxikologen halten daher die existierenden Grenzwerte für nicht ausreichend. Doch selbst diese Limits werden heute in vielen Lebensmitteln überschritten. Pestizide sind eine der häufigsten Ursachen für akute und schleichende Vergiftungen und sollen sogar für Krebserkrankungen verantwortlich sein.

Besonders gefährlich für Verbraucher sind die langsamen und zeitversetzten Wirkungen von Pestiziden: Sie können die Zellteilung stören, das Entstehen von Krebs begünstigen, das Erbgut verändern, das Immunsystem beeinträchtigen, Allergien auslösen. Ein weiteres Problem entsteht aus hormonell wirksamen und schwer abbaubaren Chemikalien (Dauergifte), die mittlerweile überall in der Umwelt zu finden sind. Leu spricht von systematischer Leugnung der Gefahr von Pestiziden: So orientieren sich etwa die Richtwerte, ab wann Pestizide schädlich (und damit verboten) sind, stets nach einem gesunden Erwachsenen. Dass Kinder, bei diesen Werten bereits massiv gefährdet sind, wird verschwiegen.

Seine Vorschläge zu einer pestizidfreien Entwicklung umfasst den Bereich Schädlingsbekämpfung und Ernährung: „Der Großteil der Belastung entsteht für die meisten Menschen durch Lebensmittel, gefolgt von Pestiziden, die im Haus etwa als Insektenspray, und im Garten eingesetzt werden. Ebenso wenig benötigt man Pestizide für die Bekämpfung von Schädlingen oder Unkraut im Garten – auch dazu gibt es informative Ratgeber. Beim Essen können Verbraucher diese Gifte weitgehend meiden, wenn sie biologisch angebaute Lebensmittel essen, die durch unabhängige Kontrollstellen, Partizipative Garantiesysteme (PGS), Solidarische Landwirtschaft oder Bauernmärkte zertifiziert sind.“ (S. 221)

 

Der Autor schafft es, mit den Mythen und falsch gestreuten Informationen um Pestizide aufzuräumen und sie zu widerlegen. Dass eine pestizidfreie ökologische Landwirtschaft ohne Gesundheitsbeeinträchtigungen für die Bevölkerung geben kann, wenn man nur will, wird hier deutlich illustriert.

 

Buch 3

Ewald Weber: Die Pflanze, die gern Purzelbäume schlägt… ….und andere Geschichten von Seidenbast, Walnuss & Co, oekom Verlag, München 2018, ISBN: 978-3-960-06028-4, 22 EURO (D)

In der BRD wachsen in verschiedenen Lebensräumen ca. 3.000 wilde Pflanzenarten. Der Biologe Ewald Weber hat 25 von ihnen ausgewählt und erzählt ihre manchmal mehr, manchmal weniger aufregende Geschichte, was von Zeichnungen von Rita Mühlbauer begleitet wird: „Ich lade Sie ein zu einer Reise quer durch Deutschland ein, vom Meeresgrund in der Ostsee bis zu den Bergspitzen der Bayrischen Alpen. Wir werden 25 Pflanzenarten, die sich die eine oder andere Besonderheit auszeichnen, ein bisschen näher kennenlernen. Darunter befinden sich wenig bekannte Arten, Pflanzen, die man kaum zu Gesicht bekommt, weil sie selten sind oder ein verstecktes Leben führen. Aber auch ganz und gar gewöhnliche Pflanzen, die wir bestens kennen und denen wir beinahe jeden Tag begegnen. So manche unter ihnen wartet mit unerwarteten Eigenschaften auf.“ (S. 8)

Die Pflanzen werden unterteilt in die Lebensräume Meer, Feld und Wiese, Wald, Wasser und Hochgebirge. So sind auch die einzelnen Kapitel strukturiert. Die Kartoffel-Rose, die einerseits als Zierstrauch bei Menschen beliebt ist, andererseits als Unkraut verhasst ist, der Feuerbusch mit seiner zündenden Aurora und seinem Lärmpegel, der Wasser-Hahnenfuß mit dem Janusgesicht oder zwei Enzian-Brüder, die sich aus dem Weg gehen, und andere pflanzliche Persönlichkeiten werden auf unkonventionelle und originelle Weise beschrieben. Im Anhang findet man noch allgemeine Literatur, Fachliteratur zu den einzelnen Arten und ein Artenregister.

Dies ist ein schön aufgemachter Pflanzenführer mit einer Auswahl von 25 in der BRD vorkommenden Pflanzen. Der Autor erzählt auf unkonventionelle und originelle Weise Geschichten über die Eigenschaften, die Verbreitung und die Geheimnisse der verschiedenen Pflanzen. Dieses Buch ist kein streng wissenschaftliches Fachbuch, hat einen lockeren gut lesbaren Stil, was zur eigenen Beobachtung von Pflanzen in der Natur und ihrer Erhaltung einlädt.

 

Buch 4

Klaus Burmeister/Alexander Fink/Karlheinz Steinmüller/Beate Schulz-Montag: Deutschland neu denken. Acht Szenarien für unsere Zukunft, oekom Verlag, München 2018, ISBN: 978-3-962-38018-2, 24 EURO (D)

Dieses Buch beschäftigt sich mit zentralen Zukunftsthemen, die bestimmen, wie die Menschen in der BRD leben und arbeiten werden. Die Die zivilgesellschaftliche Initiative D2030 will damit eine Diskussionsbasis schaffen, um Themen mit Zukunftsrelevanz stärker in die Öffentlichkeit zu tragen.

Sie will dazu beitragen, vernetztes und langfristiges Denken in sozialen, ökonomischen und politischen Entscheidungsprozessen zu verankern. Im Mittelpunkt des Zukunftsdialogs steht der Entwurf von fundierten, plausiblen und robusten Zukunftsszenarien für Deutschland. Sie sollen Antworten auf zentrale Zukunftsfragen liefern: „Uns ist bewusst, dass es angesichts der globalen Entwicklungsdynamik mit ihren komplexen und vernetzten Problemlagen. Wir sind weit davon entfernt, einen Masterplan oder einer Gesamtstrategie das Wort zu reden. Unser Vorschlag ist der Eintritt in einen kontinuierlichen Zukunftsdiskurs als Grundlage für eine gemeinsame Gestaltung der Zukunft. In einer Zeit des Umbruchs, wie wir ihn erleben, sollten wir uns nicht abschotten, sondern den anstehenden Veränderungen mit Offenheit und eigenen Ideen begegnen.“ (S. 9)

 Dabei grenzen sie sich ab von dem konservativen Kurs der Bundesregierung, die mit einem „Weiter so“-Programm ihre Gestaltungschancen für die Zukunft nicht genügend angeht. Aus der Perspektive der wissenschaftlichen und partizipativen Zukunftsforschung wurde eine „Landkarte der Zukunft“ entwickelt. Die Initiative hat unter Beteiligung von Bürgern und Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft acht konkrete Szenarien für Deutschland im Jahr 2030 entwickelt.

Im ersten Kapitel werden die Szenarien vorgestellt. Im zweiten Kapitel geht es dann um die aus diesen Szenarien resultierenden Leitlinien. Die Bausteine, aus denen die Szenarien und Leitlinien entstanden sind, werden im dritten Abschnitt vorgestellt.

Die Bereitschaft, Zukunft selbst zu definieren und zu gestalten, ist natürlich zu begrüßen, es schwingen aber immer Unwägbarkeiten mit wie weltweite Kriege oder Naturkatastrophen. Visionen für eine bessere Zukunft sind dennoch wichtig, weil Stillstand immer Rückschritt bedeutet und in 20 Jahren traditionelle Denkweisen nichts mehr zählen. Allerdings ist der Ansatz, dabei nur die BRD zu berücksichtigen, zu kurz. Nur mit einer globalen Sichtweise lassen sich heute grundlegende Probleme lösen, der Nationalstaat wird bald nur noch eine Fußnote der Geschichte sein.


Buch 5

David Suzuki/Wayne Grady: Der Baum. Eine Lebensgeschichte, oekom Verlag, München 2018, ISBN: 978-3-962-38022-9, 18 EURO (D)

Der Träger des Alternativen Nobelpreis, David Suzuki, und der Essayist Wayne Grady beschreiben die Entwicklung eines Baumes durch sieben Jahrhunderte. Dabei konzentrieren sie sich auf die Douglasie, ein Baum in den gemäßigten Regenwaldes im Südwesten Kanadas, symbolisch für alle anderen Bäume. Diese Geschichte wird illustriert durch Federzeichnungen des kanadischen Künstlers Robert Bateman.

Die beiden Autoren sehen Bäume als Wunder der Evolution, die sich ihrer Umgebung anpassen und so sehr lange Zeiträume überdauern: „Zum Wohle aller irdischen Geschöpfe empfangen ihre Blätter die Energie der Sonne und geben unablässig große Mengen Wasserdampf in die Atmosphäre ab. Zweige und Stamm gewähren Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Insekten als auch andere Pflanzen Schutz, Nahrung und Lebensraum. Die Wurzeln sind in der geheimnisvollen Unterwelt von Fels und Erde verankert und halten sie zusammen. Bäume gehören zu den langlebigsten Organismen der Erde. Ihr Leben umfasst Zeitspannen, die weit über Existenz, Erfahrung und Erinnerungsfamilien des Menschen hinausreichen. Bäume sind bemerkenswerte Wesen.“ (S. 10f)

Vom Samen bis zum ausgewachsenen Baum, bei dem man über Jahre oberflächlich nur wenige Veränderungen bemerkt. Seine Evolutionsgeschichte wird in seinem ökologischen Kontext betrachtet, da die Natur einem ständigen Wandel unterzogen ist. Weiterhin beschreiben die Autoren, wie Pflanzen im Allgemeinen funktionieren.

Ökologische Fakten werden in einer emotionalen Sprache transportiert. Die Autoren sind Naturliebhaber und beschreiben ihre Begeisterung für Bäume, in vielen Fällen wird dabei pathetisch übertrieben. Die althergebrachte Verbundenheit der Menschen zu den „Giganten des Waldes“ und ihre Symbolik in Literatur, Kunst, Geschichten, Erzählungen und Legenden dem Leser historisch näher zu bringen, kommt allerdings unverständlicherweise viel zu kurz. Insgesamt gesehen eine Aufforderung an den Schutz der Wälder weltweit und eine Hommage an den Baum und seine Funktion für den natürlichen Lebensraum.







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