Gericht untersagt Tagebau für Glyphosat-Vorprodukt

30.01.23
UmweltUmwelt, Wirtschaft, Internationales, TopNews 

 

Von Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG)

Behörde ignorierte bei Genehmigung Umwelt-Auswirkungen

Mitte letzter Woche erklärte ein US-amerikanisches Gericht die BAYER erteilte Erlaubnis zur Gewinnung des Glyphosat-Vorprodukts Phosphorit aus einer Tagebau-Mine für unwirksam. Nach Ansicht des Richters hatte das „Bureau of Land Management“ beim Genehmigungsverfahren Umweltgesetze missachtet. Aus diesem Grund gab er der Klage des „Center for Biological Diversity“, der „Wildearth Guardians“ und anderer Verbände gegen die Behörde sowie den Leverkusener Multi als „Streithelfer“ statt. 

Konkret bescheinigte der „U.S. District Court for the District of Idaho“ dem „Bureau of Land Management“, bei seiner Entscheidung die weiteren Konsequenzen der Phosphorit-Förderung wie die damit über Jahrzehnte fortgeschriebene umweltschädliche Weiterverarbeitung am Konzern-Standort Soda Springs und die Gefährdung von Beifußhuhn-Populationen nicht beachtet zu haben. Als eindeutige Verstöße gegen den „National Environmental Policy Act“ wertete der Court diese Versäumnisse. 

„Nicht nur von dem Produkt Glyphosat selber gehen Risiken für Mensch, Tier und Umwelt aus, sondern schon von seiner Produktion, angefangen bei den Vorvorprodukten. Das macht dieses Urteil deutlich. Ein Grund mehr für ein sofortiges Verbot“, so Marius Stelzmann von der Coordination gegen BAYER-Gefahren. 

Bei den Bergbau-Aktivitäten der BAYER-Tochter P4 PRODUCTIONS gelangen Schwermetalle und radioaktive Stoffe wie Uran, Radom, Radium und Selen ins Freie – mit katastrophalen Folgen. „Zwischen 1996 und 2012 starben in der Nähe der Phosphorit-Minen im Südosten von Idaho über 600 Stück Vieh an Selen-Vergiftung“, hält die Klageschrift fest. Die Gewässer verseucht das Halbmetall ebenfalls. „Die Selen-Konzentration im Blackfoot-Fluss entspricht schon jetzt nicht mehr den Wasserqualitätsstandards von Idaho. Mehr Selen in fragilen Ökosystemen ist das Letzte, was die Region braucht“, so Chris Krupp von den „Wildearth Guardians“. 

Erst Anfang März 2021 musste der Agro-Riese für Schäden, welche die Phosphorit-Förderung aus der – inzwischen stillgelegten – Ballard-Mine in den 1950er und 1960er Jahre verursachte, teuer bezahlen. Der Prozess, den die US-amerikanische Umweltbehörde EPA, der Bundesstaat Idaho und eine im Umfeld der Minen lebende Gruppe von Indigenen gemeinsam angestrengt hatten, endete mit einem Vergleich, der den Konzern fast 2,5 Millionen Dollar kostete. Ähnliche Verfahren gab es bereits in den Jahren 2011 und 2015.

Wegen ihres Gefährdungspotenzials zählt die EPA einen Großteil der Minen im Umkreis von Soda Springs zu den unter besonderer Beobachtung stehenden „Superfund sites“. Auch die BAYER-Niederlassungen in Soda Springs, wo aus dem Phosphorit das Glyphosat-Vorprodukt Phosphor wird, und diejenige in Luling,  die aus dem Phosphor dann unter Zugabe diverser Hilfstoffe die fertige „ROUNDUP“-Formulierung herstellt, fallen unter diese Kategorie. „Von der Wiege bis zur Bahre ist Glyphosat ein hochproblematischer Stoff“, resümiert Hannah Connor vom „Center for Biological Diversity“ deshalb.







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