Wertvolles Holz landet in Kraftwerken und in der Pelletproduktion

03.03.23
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Von Robin Wood

ROBIN WOOD legt Recherchebericht vor und kritisiert das Greenwashing der Energieholzbranche

Betreiber von Pellet- und Holzkraftwerken informieren ungenügend über Herkunft und Qualität des von ihnen verwendeten Holzes und spielen ihre Mitverantwortung für die Zerstörung von Wäldern und Klima herunter. ROBIN WOOD hat an sieben Standorten in Ost- und Norddeutschland recherchiert und dokumentiert, dass große Teile des Holzes, das dort für die Pelletproduktion und die Verfeuerung im Kraftwerk lagert, gut stofflich nutzbar wäre, etwa als Konstruktionsholz, für Möbel, Spanplatten oder Holzdämmstoffprodukte. Die Betreiber der Werke sowie der Deutsche Energieholz- und Pelletverband erwecken in ihren Publikationen hingegen den Eindruck, es würde nur solches Holz verbrannt, das anders nicht mehr verwertbar wäre. ROBIN WOOD fordert die Branche auf, dieses Greenwashing zu beenden. Von der Bundesregierung fordert die Umweltorganisation, die Subventionierung industrieller Holzverbrennung zu stoppen.

„Angesichts von Krieg und Energiekrise droht ein beschleunigter Raubbau in den Wäldern für die Produktion von Wärme und Strom. Den Verbraucher*innen will die Pellet- und Holzenergiebranche weismachen, das Holz sei so geschädigt, dass daraus ohnehin nichts anderes mehr produziert werden könne. Tatsächlich ist das meiste Holz für stofflich höherwertige Produkte – und damit für eine langlebige Kohlenstoffspeicherung – gut nutzbar. Zudem schreit der sehr schlechte Zustand unserer Wälder danach, möglichst viel Holz für den Schutz von Klima und Artenvielfalt im Wald zu lassen. Die steinzeitliche Technologie der Holzverbrennung ist die schlechteste Option und hat keinen Platz in einer sozial-ökologischen Energiewende“, sagt ROBIN WOOD-Waldreferentin Jana Ballenthien.

Ein Rechercheteam von ROBIN WOOD hat 2022 und 2023 Standorte der Unternehmen LEAG, Leipziger Stadtwerke, 1Heiz Pellets/1Heiz Energie, EC Bioenergie/wohl&warm und Wismar Pellets in Ost- und Norddeutschland aufgesucht und dort auf den Holzlagerplätzen direkt an den Produktionsstätten große Mengen an Rundholz gefunden. Der überwiegende Anteil des Holzes konnte als Kiefern- oder Fichtenholz aus so genannten „Schadholzräumungen“ identifiziert werden. Die meisten dieser Stämme waren ausschließlich im Rindenbereich geschädigt. Sie wären durchaus für eine stoffliche Nutzung nutzbar, etwa für Verbundholzmaterialien, Spanplatten, als Dämmmaterial oder in der Papierproduktion. Der restliche aus Laubmischwäldern stammende Holzanteil ließe sich größtenteils sogar zu hochwertigen Produkten wie Möbeln verarbeiten.

Begleitet wurde das Team in Eberswalde durch Pierre Ibisch, Professor an der dortigen Hochschule für nachhaltige Entwicklung. Bildmaterial der an den Standorten gelagerten Holzvorräte ließ ROBIN WOOD durch ihn sowie die Professoren Rainer Luick (Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg) und Erwin Hussendörfer (Hochschule für angewandte Wissenschaften Weihenstephan-Triesdorf) begutachten. Pierre Ibisch bringt das Ergebnis der Recherchen so auf den Punkt: „Für mich ist der wichtigste Befund, dass eine sehr große Zahl ganzer Bäume in die Öfen wandert, die jetzt im Wald fehlen. Es ist bitter, wie der Gesellschaft das Märchen von ‚Rest-, Abfall- und Durchforstungsholz‘ erzählt wird, was durch die Fotos offenkundig widerlegt wird.“

Ergänzend zur Vor-Ort-Recherche sendete ROBIN WOOD drei Betreibern der aufgesuchten Anlagen einen Fragenkatalog. Sie antworteten jedoch nicht oder nur sehr ausweichend und lückenhaft auf die Fragen zur Herkunft und Qualität des eingesetzten Holzes.

Die Stadtwerke Leipzig versuchten, die Verantwortung an die Waldbesitzer abzuwälzen, indem sie darauf verwiesen, dass diese das Interesse hätten, „eine möglichst große Menge des gewonnenen Holzes einer hochwertigen und damit auch preislich interessanten Verwendung zuzuführen“. „Somit liegt es letztlich in der Entscheidung des Waldbesitzers bzw. Lieferanten, welcher Verwendung er sein Holz zuführt.“

Die LEAG blockte ab: „Die in dem uns übermittelten Dokument gelisteten Fragen berühren vielfach geschäfts-, wettbewerbs- und marktrelevante Aspekte, die wir generell Dritten nicht zur Verfügung stellen.“

Das Unternehmen 1Heiz Pellets blieb komplett eine Antwort schuldig.

Von den Holzenergie-Unternehmen verlangt ROBIN WOOD, dass sie umfassend und nachvollziehbar über die Herkunft des verwendeten Holzes informieren. Als Sofortmaßnahme müssen sie auf den Einsatz von Holz verzichten, das sich noch stofflich nutzen ließe. Mittelfristig müssen sie umstellen auf eine Energieversorgung, die ohne das Verbrennen von Ressourcen auskommt.

Bislang profitiert die Branche davon, dass das Verfeuern von Holz EU-weit als erneuerbare Energie gefördert wird. Dies hat dazu geführt, dass inzwischen mehr als die Hälfte des Holzaufkommens in der EU verbrannt wird. ROBIN WOOD fordert, diese Fehlanreize endlich zu korrigieren. Dafür muss sich auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck mit Nachdruck einsetzen. Der Zeitpunkt ist gut. Denn auf EU-Ebene wird zurzeit über die Novelle der Erneuerbaren-Richtlinie verhandelt.

Auf nationaler Ebene muss die Bundesregierung in der Novelle des Gebäudeenergiegesetzes sicherstellen, dass Biomasse auch in Bestandsgebäuden nicht zur Erfüllung des Erneuerbaren-Pflichtanteils von 65 Prozent angerechnet wird. Auch in der neuen Biomasse-Strategie muss die Regierung dem Verfeuern der Wälder für Strom und Wärme Einhalt gebieten. Handlungsleitend müssen dabei die Prinzipien der Kaskadennutzung und der Kreislaufwirtschaft sein.

Eine Energiewende, die mit dem 1,5-Grad-Ziel und dem Artenschutz vereinbar ist, setzt auf Energiesparen, Effizienz und den Einsatz von klimafreundlichen Erneuerbaren wie Sonne, Wind und Geothermie, aber nicht auf das Verfeuern von Holz aus dem Wald.

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