NABU zum IPBES-Bericht: Zerstörung der Natur darf nicht länger ein Geschäftsmodell sein

11.07.22
UmweltUmwelt, Internationales, Wirtschaft, TopNews 

 

Von NABU

Krüger: Zeit für einen Paradigmenwechsel - weg von kurzfristigen wirtschaftlichen Gewinnen hin zum langfristigen Erhalt der Natur

In einem heute veröffentlichten Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES haben Wissenschaftler*innen aus der ganzen Welt die vielfältigen Werte der Natur und deren Nutzen für uns Menschen untersucht.  

Die zentrale Erkenntnis: Die negativen Auswirkungen des Wirtschaftswachstums als Treiber des Biodiversitätsverlusts werden bisher in politischen Entscheidungen nicht berücksichtigt. Für langfristiges menschliches Wohlergehen auf dem Planeten müssen die vielfältigen Werte der Natur aber in wirtschaftliche und politische Entscheidungen eingebettet werden. Es braucht einen transformativen Wandel, um die Naturkrise zu bekämpfen. Das beinhaltet auch ein weg von materiellen und individuellen Gewinnen hin zu Werten, die in Harmonie mit der Natur stehen. Dabei sollte das Wissen und die Perspektiven von Stakeholdern durch faire, partizipative Ansätze einbezogen werden. 

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: „Die Natur ist Grundlage des menschlichen Lebens und Überlebens. Wir beziehen unsere Nahrungsmittel aus ihr, sie sorgt für ein stabiles Klima und nicht zuletzt auch dafür, dass wir uns erholen können. Dennoch wird sie in wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen kaum berücksichtigt. Im Gegenteil, wir beuten sie immer weiter aus. Um die Natur ins Zentrum des politischen Handelns zu rücken, braucht es Mut. Bestehende Modelle und Wohlstandsindikatoren müssen überprüft werden. Das Bruttoinlandsprodukt steigt oft, wenn wir Natur vernichten, beispielsweise um eine Straße oder einen Damm zu bauen. Kurzfristig profitieren wir von günstigen Preisen für ein T-Shirt oder einen Liter Milch. Doch langfristig gefährden wir damit unseren Wohlstand. Dieser hängt unter anderem auch von intakten Ökosystemen ab. Auf dieser Grundlage müssen zukünftig politische und wirtschaftliche Entscheidungen getroffen werden. Nur so werden wir unsere gemeinsame Lebensgrundlage erhalten können.“ 

Wie wenig Priorität der Schutz der globalen Biodiversität bei politischen Entscheidungen in Deutschland bekommt, wird am aktuellen Haushaltsentwurf der Bundesregierung deutlich. Obwohl im Koalitionsvertrag der Ampelregierung von einer deutlichen Steigerung die Rede ist, kann davon derzeit keine Rede sein. Das Problem: im schlimmsten Fall kann an den unzureichenden Finanzbeiträgen Deutschlands und anderer reicher Länder das gesamte Weltbiodiversitätsabkommen scheitern, welches Ende des Jahres in Montréal beschlossen werden soll. 

Hintergrund:   

Das Values Assessment des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) wurde von 82 führenden Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus 47 Ländern aller Regionen der Welt erarbeitet. Insgesamt wurden mehr als 13.000 Referenzen über einen Zeitraum von vier Jahren ausgewertet. Der finale Text wurde auf der neunten Vollversammlung des Weltbiodiversitätsrates mit den beteiligten Regierungen abgestimmt. Das Gremium, 2012 von der Staatengemeinschaft der UN gegründet, agiert zwischenstaatlich und unabhängig. Es hat sich zum Ziel gesetzt, politischen Entscheidungsträgern Informationen über den status quo und die zukünftige Entwicklung der biologischen Vielfalt an die Hand zu geben. 







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