Neues Videomaterial zeigt grausamen Lebendrupf für Daunen

13.11.22
UmweltUmwelt, Wirtschaft, Internationales, TopNews 

 

Von Vier Pfoten

Brutaler Lebendrupf in polnischen Betrieben // Deutschland ist Top-Importeur polnischer Daunen // VIER PFOTEN fordert Unternehmen auf, gesamte Daunen-Lieferkette zu zertifizieren

Die Produktion von Daunen-Decken und -Wintermode ist nach wie vor untrennbar mit Tierqual verbunden – das verdeutlichen die jetzt von VIER PFOTEN veröffentlichten Aufnahmen polnischer Farmen, die die grausame Methode des Lebendrupf zeigen. Das Filmmaterial wurde der globalen Tierschutzstiftung zugespielt und zeigt, wie in verschiedenen polnischen Betrieben Gänse dieser EU-weit verbotenen Prozedur unterzogen werden. Deutschland ist dabei Top-Abnehmer: Allein im Jahr 2020 importierte Deutschland Federn und Daunen im Wert von 23 Millionen Dollar aus Polen. Das entspricht mehr als einem Drittel des polnischen Gesamtexportvolumens. VIER PFOTEN fordert Modemarken auf, nur zertifizierte Materialen zu verwenden und sich nicht allein auf die Aussagen von Partner:innen in ihren Lieferketten zu verlassen. Die globale Tierschutzstiftung appelliert außerdem an Verbraucher:innen, ausschließlich zertifizierte Produkte zu kaufen. 

„Der grausame Lebendrupf führt bei den Tieren regelmäßig zu Hautverletzungen, Prellungen und gebrochenen oder verrenkten Knochen. Leider lassen die Regelungen in der EU diesen Lebendrupf unter bestimmten Bedingungen zu, nämlich wenn die Tiere während der Mauser gerupft werden. Dann verlieren sie viele Federn von allein oder die Federn sitzen bereits lockerer. Da Gänse aber zu jeweils unterschiedlichen Zeitpunkten in der Mauser sind, werden aus wirtschaftlichen Gründen regelmäßig auch Tiere, die nicht in der Mauser sind, gerupft – was eigentlich verboten ist. Das zeigen die uns vorliegenden Aufnahmen und deshalb fordern wir: Auch der Lebendrupf während der Mauser gehört verboten“, sagt Anne Wessendorf, Campaignerin bei VIER PFOTEN Deutschland. 

Besonders perfide: Je älter die Gänse werden, umso mehr Daunen lassen sich von den einzelnen Tieren gewinnen. Deswegen ist bei Gänsen in Elterntierbetrieben – also Anlagen, in denen auch Gänsenachwuchs produziert wird – das Risiko des Lebendrupfs besonders hoch. Der Grund: Die Tiere können länger gehalten werden (vier bis fünf Jahre lang), werfen mehr „Produkt“ ab und können auch häufiger gerupft werden als die Tiere, die zur Fleischgewinnung gehalten werden. Enten und Gänse werden hauptsächlich zur Fleisch-, Leber- (Foie gras) und Eierproduktion gezüchtet. Dabei sind Daunen und Federn eine lukrative weitere Einkommensquelle in der Schlachtindustrie. Und: Konsument:innen von billigen Weihnachtsgänsen unterstützen so oft auch unbewusst zusätzlich den grausamen Lebendrupf. 

Verantwortung der Mode- und Textilindustrie

Deutschland importierte im vergangenen Jahr nach Angaben des Verbandes der Deutschen Daunen- und Federnindustrie (VDFI) etwa 9.500 Tonnen Daunen und Federn. Davon stammen allein rund 2.000 Tonnen aus Polen. Es wird geschätzt, dass das weltweite Produktionsvolumen von Federn und Daunen 2020 rund 525.000 Tonnen betrug. Polen ist der drittgrößte Exporteur von Daunen und Federn mit einem Wert von 73,8 Mio. US-Dollar im Jahr 2020. 

Weniger als fünf Prozent des Angebots an Daunen und Federn sind nach Tierschutzzertifikaten zertifiziert, die darauf abzielen, die Risiken des Lebendrupfens zu mindern. Es wird geschätzt, dass der Marktanteil des Responsible Down Standard (RDS) im Jahr 2020 bei lediglich etwa 3 Prozent (16.022 Tonnen) gelegen hat. 

Unternehmen sollten sich öffentlich dazu verpflichten, bis zu einem definierten Zeitpunkt nur noch 100 Prozent RDS-zertifizierte Daunen zu beziehen. Darüber hinaus sollten sie sicherstellen, dass sich in ihren Lieferketten ausschließlich zertifizierte Elternbetriebe befinden. 

Verbraucher:innen können Druck ausüben

Verbraucher:innen sollten nur auf Marken zugreifen, die ausschließlich Produkte vertreiben, die nach dem Responsible Down Standard (RDS) zertifiziert sind und so Druck auf den Einzelhandel ausüben. VIER PFOTEN appelliert deshalb an Verbraucher:innen, ebenfalls Modeunternehmen anzuschreiben und diese zu bitten, tierleidfreie Alternativen ins Sortiment aufzunehmen. 

Darüber hinaus gibt es schon seit Jahren nachhaltige, tierleidfreie Alternativen zu Daunen. Dazu gehört PrimaLoft das von Unternehmen wie Adidas, The North Face, Patagonia, Helly Hansen, Vaude und Lululemon verwendet wird. In jüngster Zeit gibt es außerdem Innovationen wie Pangaia, eine aus Wildblumen hergestellte Daune. Wie immer gilt: Der beste Tierschutz ist, überhaupt keine Produkte mit Materialien tierischen Ursprungs zu kaufen.







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