Zentralbanken – Weltweiter Appell zur Klima- und Biodiversitäts-COP

08.09.22
UmweltUmwelt, Wirtschaft, Internationales, TopNews 

 

Von WWF

WWF und mehr als 90 Organisationen: Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden müssen deutlich mehr gegen Risiken aus Klimakrise und Naturverlust tun
In einem heute veröffentlichten globalen „Call to Action“ fordern der WWF und mehr als 90 Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, Denkfabriken und einzelne Vordenkende die Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden auf, alle Ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente zu nutzen, um die Klimakrise und den Verlust der biologischen Vielfalt zu bewältigen.
 
Der Appell, der von Organisationen wie der Finanzinitiative des UN-Umweltprogramms, dem Europäischen Umweltbüro, Nature Finance, NRDC und der New Economics Foundation mitunterzeichnet wurde, enthält konkrete Forderungen und Maßnahmen, die Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden ergreifen müssen, um irreversible Auswirkungen von Klimakrise und Naturverlust zu begrenzen, sich gegen daraus resultierende künftige Risiken besser zu schützen und ihre faktisch marktgestaltende Rolle verantwortungsvoll zu nutzen. In dem Appell wird unterstrichen, dass die Umweltauswirkungen von heute die Risiken von morgen hervorrufen und es daher zum Auftrag der Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden gehört, Umweltauswirkungen von Bankenaufsicht und Geldpolitik zu verstehen und dementsprechend adäquate Vorsorgemaßnahmen zu treffen. 
 
Der Appell kommt zu einem Zeitpunkt, an dem internationale Wirtschaftspolitiker:innen in den nächsten Monaten zu mehreren wichtigen Treffen zusammenkommen, darunter das Treffen der G20-Finanzminister:innen und Zentralbankpräsident:innen und der G20-Staatschef:innen, die Klima-COP27 und die Biodiversitäts-COP15. Die Unterzeichnenden des Aufrufs fordern die Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden dringend auf:

Naturverträglichkeit bis 2030, Begrenzung der Erderhitzung auf 1.5 Grad und Netto-Null-Emissionen bis 2050 als neue nominelle Anker für die Umsetzung ihrer Mandate zu setzen, 

wirtschaftlichen Wandel zu fördern, indem sichergestellt wird, dass die Geldpolitik und die Finanzregulierungsinstrumente die wirtschaftlichen Kosten und das finanzielle Risiko von umweltschädlichen Wirtschaftstätigkeiten, Unternehmen und Sek-toren vollständig und umfassend widerspiegeln,

eine Verpflichtung aller regulierten Finanzinstitute einzuführen, glaubwürdige Übergangspläne für das jeweilige Geschäftsmodell in Einklang mit den Transformationsanforderungen aus Biodiversitäts- und Klimakrise zu veröffentlichen.


Geldpolitik und Finanzregulierung müssen sich mit der erheblichen Finanz- und Preisinstabilität befassen, die durch den Verlust der biologischen Vielfalt und die globale Erwärmung verursacht werden kann. Die Weltwirtschaft und das Finanzsystem sind tief in die Natur eingebettet, die Natur geht jedoch in einem noch nie dagewesenen Tempo verloren. Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden haben lediglich begonnen, die Bedrohung der Finanzstabilität und des allgemeinen Preisniveaus durch Umweltkrisen zu erkennen. Sie haben sich allerdings verpflichtet, die Klimakrise und den Biodiversitätsverlust zu bekämpfen und den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu unterstützen. 
 
Der WWF und die mehr als 90 Organisationen fordern in ihrem Aufruf, dass die derzeitigen Maßnahmen – wie insbesondere die Offenlegung von Klimadaten – nicht ausreichen, die Risiken aus den Zwillingskrisen aus Klima und Biodiversität abwenden zu können.

Der derzeitige Naturverluste könnte die Weltwirtschaft bis 2030 jährlich 2,7 Billionen US-Dollar kosten

Bis zu 24 Billionen US-Dollar könnten durch eine Erwärmung um 2,5 Grad bis 2100 gefährdet sein.


Die diesjährigen Klima-COP in Ägypten und die Biodiversität-COP in Kanada sind für Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden wichtige Gelegenheiten, um ihren Kompass neu zu justieren und ihre Maßnahmen zu beschleunigen.
 
„Die jüngste Ankündigung der Bundesbank, einen Sustainability-Hub einzurichten, der direkt dem Vorstand der Bundesbank unterstellt ist, ist ein sehr begrüßenswerter Schritt in die richtige Richtung“, sagt Matthias Kopp, Leiter Sustainable Finance beim WWF Deutschland mit dem Blick auf den deutschen Finanzmarkt. „Trotzdem sind die Bundesbank und die Bafin noch weit davon entfernt, Klima- und Biodiversitätsrisiken systematisch und strukturell angemessen in die Regulierung des Finanzmarkts zu integrieren. Wir erwarten, dass sowohl die Bundesbank als auch die Bafin ihre Kapazitäten so aufbauen und gestalten, dass sie in Deutschland, auf EU-Ebene, im Direktorium der EZB und allen anderen Gremien die erforderliche Dynamik beschleunigen können. Die leitende Rolle der Bundesbank im Network on Greening the Financial System kann hier große Bedeutung haben.“
 
Hintergrund

Der Appell wurde von der WWF Greening Financial Regulation Initiative zum besseren Ausgestalten der Finanzregulierung erstellt. Die Initiative besteht aus einem breiten Netzwerk von Umweltwissenschaftlern und Finanzfachleuten, die den Übergang zu einer naturverträglichen Netto-Null-Wirtschaft unterstützen.

Der Handlungsaufruf geht Hand in Hand mit einer WWF-Roadmap, die konkrete Schritte aufzeigt, welche Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden aufgrund ihres Mandats ausführen müssen, um Umweltauswirkungen zu begrenzen, sich gegen künftige Risiken zu schützen und ihre marktgestaltende Rolle zu nutzen. Unterstützt wird die Roadmap durch einen technischen Hintergrundbericht

Die Fortschritte der Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden bei der Bewältigung der Doppelkrise aus Klima und Biodiversität verfolgt der WWF in einer jährlichen Bestandsaufnahme und weist sie über seinen SUSREG Tracker aus. Der nächste Report erscheint im Dezember 2022.

Die Liste aller unterzeichnenden Organisationen und Vordenkenden finden Sie im „Call To Action







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