Tausende Kaninchen sterben immer noch für Pyrogentests

27.06.22
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Von Ärzte gegen Tierversuche

Übergabe von 28.321 Unterschriften an Regierungspräsidium Unterfranken

Mehr als 28.000 Unterschriften gegen den sogenannten Pyrogentest am Kaninchen haben die Vereine Ärzte gegen Tierversuche und TASSO heute an den Regierungspräsidenten von Unterfranken übergeben. Dort befindet sich der Sitz der Firma, die den größten Teil dieser Tiertests in Deutschland durchführt. Und das obwohl es seit rund 30 Jahren eine anerkannte tierversuchsfreie Methode gibt.

Pyrogene sind Gifte, die beim Menschen Fieber auslösen oder sogar zu einer Blutvergiftung führen können. Um medizinische Produkte wie Infusionslösungen auf Verunreinigungen mit Pyrogenen zu untersuchen, werden auch heute noch Kaninchen verwendet. Dazu werden die Tiere über Stunden in einem kleinen Kasten fixiert, die zu testende Substanz wird ihnen in eine Ohrvene gespritzt und im Anschluss beobachtet, ob die Tiere Fieber entwickeln. Ist dies der Fall, darf die betreffende Produktionseinheit („Charge“) nicht für den Verkauf freigegeben werden. Die Kaninchen werden in diesen Versuchen oft mehrmals eingesetzt und am Ende getötet.

„Es ist ein Skandal, dass auch noch heute Kaninchen in diesen veralteten Versuchen leiden und sterben müssen“, sagt Dr. Cristeta Brause, Referentin für Tierschutz bei TASSO e.V. „Denn zur Testung auf Pyrogene steht bereits seit 30 Jahren der Monozyten-Aktivierungstest (MAT) als leistungsfähige und tierfreie Methode zur Verfügung, die international validiert ist und bereits 2010 in das Europäische Arzneibuch aufgenommen wurde“, so Brause weiter.

„Zwar muss der MAT für jedes zu testende Produkt angepasst werden, aber dass dies auch nach zwölf Jahren noch nicht erfolgt ist, zeugt von der Gleichgültigkeit, mit der Tiere wie Wegwerfartikel verwendet werden“, ergänzt Dr. Johanna Walter, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche.

Um den Pyrogentest am Kaninchen endlich ein Ende zu setzen, hat Ärzte gegen Tierversuche gemeinsam mit TASSO die Kampagne „6.000 Kaninchen retten – Pyrogentest stoppen!“ ins Leben gerufen. Da die überwiegende Anzahl an Pyrogentests in Deutschland von dem Labor LS in Bad Bocklet durchgeführt wird, wurden die gesammelten Unterschriften heute an den Regierungspräsidenten von Unterfranken, Dr. Eugen Ehmann, übergeben.

Ein großer Erfolg ist, dass 2021 die europäische Arzneimittelbehörde EDQM beschlossen hat, den Kaninchenpyrogentest im Europäischen Arzneibuch komplett zu streichen, doch der Prozess bis zum endgültigen Ende des Tierversuchs dauert noch weitere vier Jahre. Seit Jahren werden in Deutschland mehr als 6.000 Kaninchen pro Jahr für den Pyrogentest verwendet; 2020 war die Zahl auf etwa die Hälfte gesunken. Die Verbände fordern von der Regierung von Unterfranken, überhaupt keine derartigen Tierversuche mehr zu genehmigen und so die Zahl auf null zu reduzieren.

Weitere Informationen

Kampagne: www.pyrogentest.aerzte-gegen-tierversuche.de







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