Welttierschutztag: Epidemie der Nutztierkrankheiten muss gestoppt werden


01.10.17
UmweltUmwelt, Wirtschaft, Bewegungen 

 

Vorschläge für staatliches "Tierwohl"-Siegel oder bessere Fleisch-Kennzeichnung völlig unzureichend

Von foodwatch

Anlässlich des Welttierschutztages am Mittwoch forderte die Verbraucherorganisation foodwatch die nächste Bundesregierung auf, endlich per Gesetz Vorgaben für die Gesundheit von Nutztieren festzuschreiben. Daten zur Tiergesundheit müssten in allen Betrieben lückenlos erfasst werden. Ziel müsse es sein, dass nur noch tierische Lebensmittel von nachweislich gesunden Tieren in den Handel kommen, so foodwatch. Zugleich kritisierte die Organisation, dass weder das von der bisherigen Bundesregierung angestrebte staatliche "Tierwohl"-Label noch die von den Grünen geforderte 0-1-2-3-Kennzeichnung von Fleisch geeignet seien, die von der Wissenschaft festgestellte Epidemie der Nutztierkrankheiten zu bekämpfen. In allen Haltungsformen und allen Betriebsgrößen - auch in der Ökolandwirtschaft - gebe es bisweilen massive Probleme. Den Handel forderte foodwatch auf, die sogenannte "Initiative Tierwohl" zu beenden. Die Initiative sei eine Scheinlösung, die weder den Tieren noch den Bäuerinnen und Bauern nutze.

"Die Nutztierhaltung in Deutschland ist ein krankmachendes System, bei dem die Handelskonzerne Tierqual einkalkulieren, um billige Rohstoffe zu bekommen und das den Tierhaltern kaum finanzielle Möglichkeiten gibt, um die notwendigen Verbesserungen konsequent anzugehen", sagte Matthias Wolfschmidt, internationaler Kampagnendirektor von foodwatch, Tierarzt und Autor des Buches "Das Schweinesystem". "Um den Nutztieren wirklich zu helfen, sind weder Werbegags und Almosen für die Tierhalter, noch ideologisch aufgeladene, eine heile Welt vorspiegelnde, Kennzeichnungsvorschriften geeignet. Es ist geradezu zynisch, den Eindruck zu erwecken, allein mit Siegeln oder einer anderen Kennzeichnung könnten die teils dramatischen Zustände in den Nutztierbeständen grundlegend verbessert werden."

Die "Initiative Tierwohl", an der sich vor allem die großen Handelskonzerne um Edeka, Lidl, Rewe, Aldi und Metro beteiligen, bezeichnete Matthias Wolfschmidt als "schlechten PR-Gag", mit dem die Unternehmen von ihrer Verantwortung für die inakzeptablen Lebensbedingungen der Nutztiere ablenken wollten. Mit vorwiegend kosmetischen Maßnahmen könnten die Lebensbedingungen für die Tiere nicht substantiell verbessert werden. Den Bäuerinnen und Bauern werde nicht annähernd genügend Geld ausgezahlt, um eine nachweislich tiergerechte Haltung zu erreichen. Stattdessen werde den Verbraucherinnen und Verbrauchern vorgemacht, die Produkte aus den Supermärkten entstammten einer tiergerechten Haltung. Zuletzt hatte auch das Bundeskartellamt dies kritisiert.

Auch das von der alten Bundesregierung angekündigte staatliche Tierwohl-Siegel kritisierte foodwatch als inakzeptabel. Die Bundesregierung versuche sich damit um ihren verfassungsmäßigen Auftrag gemäß Artikel 20a Grundgesetz zu drücken, wonach nicht nur für einige, sondern für alle Nutztiere tiergerechte Bedingungen durchgesetzt werden müssten.

Ebenso ist die von den Grünen ins Gespräch gebrachte, an die bekannten Eier-Stempel angelehnte 0-1-2-3-Kennzeichnung für Fleisch aus Sicht von foodwatch völlig ungeeignet, um Leiden und Schmerzen der Nutztiere nachvollziehbar zu lindern oder zu verhindern. Dieser Ansatz ignoriere den Stand der Wissenschaft, wonach es in allen Haltungsformen und allen Betriebsgrößen bisweilen massive tierschutzrelevante Versäumnisse gibt.

Matthias Wolfschmidt von foodwatch: "Die formalen Haltungsbedingungen allein sagen nichts darüber aus, wie gesund die Tiere gehalten werden. In allen Haltungsformen gibt es gute und schlechte Betriebe. Stallmanagement, Belüftung, Futter: Tiergesundheit ist eine hochkomplexe Herausforderung, die von vielen verschiedenen Faktoren abhängt. Diese Fakten müssen endlich ins Zentrum aller Überlegungen zu besseren Lebensbedingungen von Nutztieren gerückt werden."

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Matthias Wolfschmidt: "Das Schweinesystem - Wie Tiere gequält, Bauern in den Ruin getrieben und Verbraucher getäuscht werden", S. Fischer Verlag. 235 Seiten, 18 Euro.
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